Hamburg

Das Gängeviertel feiert – und streitet mit der Stadt

Christine Ebeling und Hannah Kowalski von der Gängeviertel-Initiative

Christine Ebeling und Hannah Kowalski von der Gängeviertel-Initiative

Foto: Axel Tiedemann / HA

Projektgenossenschaft will gleichberechtigter Eigentümer der Häuser werden. Schlichtungsverfahren soll nun Baustopp überwinden.

Hamburg.  Einige Fahrräder stehen an die Wand der engen Gasse gelehnt, Blumen wachsen in Kübeln, und bunte Schilder weisen hier in der Schiers Passage den Weg zum „Umsonst-Laden“. Nebenan hämmert jemand eine Bar aus Brettern zusammen, ein paar Meter weiter werkeln einige Leute an diesem sonnigen Freitag an einer provisorischen Bühne: Der Gängeviertel-Verein bereitet sich am Valentinskamp in der Neustadt auf eine Jubiläumsfeier vor, mit der er an diesem Wochenende an die Gründung dieses bundesweit bekannten und selbstverwalteten Komplexes vor jetzt sieben Jahren erinnern will. Galerien, Werkstätten, Theater, Ateliers und Proberäume werden dann für Besucher geöffnet sei. Ein „sozio-kulturelles Zentrum“ - so bezeichnet sich die Gängeviertel-Initiative selbst.

Gängeviertel-Leute fordern Mitbesitz

Doch seit einigen Monaten ist die von der Stadt mit Millionenaufwand zugesagte Sanierung der alten Häuser zum Stillstand gekommen. An vielen alten Backsteingebäuden dieses letzten Rests vom alten Hamburger Gängeviertel bröckeln die Fugen, hängen Türen schief und sind obere Stockwerke gesperrt. Grund ist ein Streit zwischen der Gängeviertel-Initiative und der Stadt über die Eigentumsfrage, der nun sogar zum Planungsstopp geführt hat.

Die Gängeviertel-Leute fordern einen Mitbesitz, wovon die Stadt aber bisher nichts wissen will. In Kürze wollen Stadt und Gängeviertel mit einer Art Schlichtungsverfahren erneut verhandeln. „Wir sind sozusagen im verflixten siebten Jahr und brauchen wohl eine Paartherapie“, sagt Gängeviertel-Sprecherin Hannah Kowalski dazu.

Stadt kaufte 2009 die Häuser zurück

Begonnen hatte die schon immer eher komplizierte Beziehung mit einer Besetzung durch rund 200 Künstler und Kreative, als die Stadt die alten Häuser an einen Investor verkauft hatte. Nach starkem öffentlichem Druck kaufte die Stadt 2009 die Häuser zurück und erklärte sie zum Sanierungsgebiet, um es für 20 Millionen Euro zu einem „lebendigen innerstädtischen Quartier mit günstigen Mieten und einem Schwerpunkt auf Nutzungen im künstlerischen Bereich zu entwickeln“. Die eigens gegründete Genossenschaft der Gängeviertel-Initiative bekam dazu die Verwaltung übertragen.

Drei Gebäude sind inzwischen saniert, unter anderem für 2,9 Millionen Euro die „Fabrique“ als Zentrum des Gängeviertels. Bei der Sanierung habe sich aber gezeigt, dass man nicht auf „Augenhöhe“ mitentscheiden könne, sagt Hannah Kowalski. „Wir durften entscheiden, ob eine Wand grau oder hellgrau wird, das ist zu wenig, wenn man den ursprünglichen Charme hier erhalten will“, sagt sie. Außerdem müsse das Gängeviertel in seiner Art langfristig gesichert sein.

Andere Projekte wie der Schanzenhof zeigten aber, dass immer die Gefahr drohe, dass die Stadt doch wieder an einen Investor verkauft. Den Gängeviertel-Leuten schwebt daher nun eine Lösung vor, bei der Genossenschaft und Stadt quasi gleichwertig Eigentümer werden. „Man sei auf allen Ebenen im Gespräch“, hieß es dazu aus den Behörden.

Info: Am Sonnabend ab 14 und am Sonntag ab 13 Uhr lässt sich das Gängeviertel bei etlichen Mitmachaktionen und Führungen erkunden. Am Abend gibt es Konzerte. Infos: www.gaengeviertel-eg.de