Cyclassics

Provisorische Straße kostet für zwei Tage 30.000 Euro

An der Großen Johannisstraße ist der provisorische Straßenbelag neben dem Rathaus schon fertig

An der Großen Johannisstraße ist der provisorische Straßenbelag neben dem Rathaus schon fertig

Foto: Roland Magunia

Die Baustelle Große Johannisstraße erhält nur für das Radrennen eine neue Deckschicht, die danach abgefräst wird.

Hamburg-Altstadt.  Seit einigen Wochen verrichten schwere Straßenbaumaschinen unweit des Rathauses ihre Arbeit. Noch bis Mitte Oktober wird zwischen dem Großen Burstah und der Rathausstraße die Fahrbahn der Großen Johannisstraße erneuert. Ziel ist es, die Fußgängerwege zu verbreitern und ein neues, hochwertiges Pflaster einzusetzen.

So weit, so gut. Allerdings werden die gesamten Bauarbeiten noch bis Mitte kommenden Jahres dauern – und so stand die Stadt vor einem Problem. Schließlich führt die Strecke des Straßenradrennens Cyclassics, das am kommenden Sonntag ausgetragen wird, direkt am Rathaus vorbei. Und nicht nur das: Dieser Abschnitt führt direkt in die Mönckebergstraße, wo das Ziel der Cyclassics liegt.

Daher werden die Bauarbeiten für das Radrennen am kommenden Wochenende nicht nur unterbrochen. Für die Zieleinfahrt müsse aus Sicherheitsgründen auch ein Teilstück der Johannisstraße eine provisorische Deckschicht erhalten, um den Höhenunterschied zum bereits fertigen Fahrstreifen auszugleichen, erklärte die Wirtschaftsbehörde auf Anfrage. „Die Kosten dafür betragen 30.000 Euro.“ Diese Deckschicht werde anschließend abgefräst und das Material wiederverwendet.

Mit anderen Worten: In diesen Tagen sind die Bauarbeiter damit beschäftigt, die Johannisstraße – wenn auch provisorisch – wieder befahrbar zu machen, damit am Wochenende das Radrennen stattfinden kann. „Bei der Planung der diesjährigen Cyclassics waren die Bauarbeiten am Großen Burstah Thema und sind mit eingeplant und eingepreist worden“, erklärte die für den Verkehr zuständige Verkehrsbehörde.

Für die Cyclassics wird am Rathaus die Straßenbaustelle provisorisch hergerichtet, damit die Profis dort fahren können – für 30.000 Euro. Halten Sie das für gerechtfertigt?

Zur Begründung für dieses Vor­gehen führt die Behörde an, die Cyclassics zählten zu den wichtigsten Sportveranstaltungen in Hamburg und in Deutschland. „Es ist Europas größtes Straßenradrennen und das einzige Rennen in Deutschland mit Prädikat „UCI ProTour“ (seit 2011 „UCI WorldTour“).“ Bei der Wahl des Termins habe man aufgrund „des internationalen Kontextes“ zudem kaum Spielraum, erklärte die Behörde weiter.

Ferner sei die Strecke so angelegt, dass sie die Attraktivität Hamburgs für Fahrer und Zuschauer im Fokus habe. „Gerade der Innenstadtbereich ist ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für das Rennen. Die Sportstadt Hamburg hat damit ein wichtiges Highlight, das Strahlkraft hat und einen hohen Mehrwert für die Stadt – monetär, aber auch marketingseitig“, erklärte die Behörde.

„Baustellen sind jedes Jahr ein großes Thema, das uns richtig viel Geld kostet“, sagte Cyclassics-Rennleiter Michael Haas dem Abendblatt. „In diesem Fall war der Preis von vornherein eingetaktet. Jetzt liegt auf diesem Streckenabschnitt wahrscheinlich der am besten zu befahrende Belag der gesamten Cyclassics.“

Die Bautätigkeiten sind Teil der Neugestaltung des öffentlichen Raums im Business Improvement District (BID) „Nikolaiquartier“, die im März vergangenen Jahres starteten. Rund 9,3 Millionen Euro investieren die 60 Grundeigentümer, um den größten BID Deutschlands zu einem Vorzeigeprojekt für die Zusammenarbeit von Staat und privater Wirtschaft bei der Entwicklung des öffentlichen Raums werden zu lassen.

Ziel des BID „Nikolaiquartier“ ist die Werterhaltung der Immobilien und die Steigerung des Umsatzes. Hierzu soll der Bereich kundenfreundlicher gestaltet werden. So werden in insgesamt 14 Bauabschnitten mehrere Straßen, wie zum Beispiel Börsenbrücke, Neß, Trostbrücke und Brodschrangen, die Gehwege und die Stadtmöblierung erneuert. Zuletzt stand der Bereich des Großen Burstah im Mittelpunkt. Hier wurden die meisten Bauarbeiten inzwischen abgeschlossen.

Die Straßenbauarbeiten in unmittelbarer Nähe des Rathauses sollen noch in diesem Jahr beendet werden. Die Herstellung der Gehwegbereiche werde bis Mitte kommenden Jahres andauern, heißt es auf der Internetseite des BID „Nikolaiquartier“.

Zuletzt hatte der rot-grüne Senat in der vergangenen Woche die Einrichtung von zwei weiteren BIDs beschlossen. In Harburg werden der historische Marktplatz Sand und der Bereich Hölertwiete umgestaltet. In der Hamburger City wird der seit fünf Jahren bestehende BID rund um die Große Bleichen weitergeführt. Damit sind in Hamburg bislang 25 derartige Gebiete geschaffen worden. Seit der Einrichtung des ersten BID im Jahr 2005 kamen fast 40 Millionen Euro an privaten Investitionen zusammen. Damals wurden der BID „Sachsentor“ und der BID „Neuer Wall“ gegründet.