HafenCity

Gast bei Brand im Hotel 25hours lebensgefährlich verletzt

Das Restaurant Neni ist komplett zerstört. Ermittler vermuten eine heruntergebrannte Kerze als Brandursache. 300.000 Euro Schaden.

HafenCity.  Ein Feuer und ein tragischer Unglücksfall im 25hours-Hotel Altes Hafenamt erschüttern Mitarbeiter und Gäste. Donnerstagnacht um 3.18 Uhr wurde im Restaurant Neni im erst kürzlich eröffneten Standort an der Osakaallee Alarm ausgelöst. Als die Feuerwehr wenige Minuten später mit zwei Löschzügen und 50 Mann eintraf, hatten Mitarbeiter bereits angefangen, das ausgebuchte 49-Zimmer-Hotel zu evakuieren. Was anfangs keiner wusste: Ein Gast war im brennenden Restaurant eingeschlossen.

Der 36-jährige Mann aus Österreich war mit Kollegen aus der IT-Branche nach Hamburg gereist – er ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Salzburg. Er hatte das Feuer offenbar in seinem Zimmer gerochen und war durch die Lobby ins Restaurant geeilt, um dort nach dem Rechten zu sehen.

Zunächst versuchte er nach Angaben der Feuerwehr noch, den Brand mit einem Feuerlöscher zu bekämpfen. Dann erkannte er wohl die Aussichtslosigkeit des Unterfanges, konnte aber das Restaurant nicht wieder verlassen. Die Tür, an der er rüttelte, ließ sich nach außen nicht öffnen. Er versuchte noch zu telefonieren, dann brach der Österreicher mit einer schweren Rauchvergiftung zusammen. Weil er lebensbedrohlich viel Kohlenmonoxid eingeatmet hat, wurde er mit einem Rettungsflieger nach Berlin gebracht. „Dort gibt es eine Spezialklinik für sehr schwere Rauchgasvergiftungen, in der durch Überdruck versucht wird, das Kohlenmonoxid aus dem Blut zu bekommen“, so ein Feuerwehrsprecher.

Ermittler vermuten heruntergebrannte Kerze als Ursache

Das Feuer brach nach ersten Erkenntnissen in einer Sitzecke im Restaurant aus. Als Ursache vermuten die Brandermittler eine heruntergebrannte Kerze. Weil die Rauchentwicklung sehr stark war, wurden vorsorglich auch die anderen Gäste ärztlich untersucht, bevor sie in umliegenden Hotels und im unmittelbar daneben liegenden 25hours HafenCity untergebracht wurden.

Nina Quitmann, Direktorin beider Häuser, steht der Schrecken noch ins Gesicht geschrieben, als sie Donnerstagmittag vor dem Alten Hafenamt steht. Das hübsche, Mitte des 19. Jahrhunderts erbaute Backsteinhaus mitsamt dem neuen Anbau ist abgesperrt. Die Fenster stehen offen, über den Fensterbänken hängen Federbetten und Kopfkissen zum Lüften. Ein durchdringender Brandgeruch ist auch hier draußen, hinter dem rot-weißen Absperrband der Polizei, noch wahrzunehmen.

Drinnen sind die Brandermittler des LKA 45 auf Spurensuche. Ein Blick durch die zerborstenen Scheiben lässt das Ausmaß des Schadens nur erahnen. „Das Restaurant ist komplett zerstört und fast alle Zimmer sind durch Rauch oder Löschwasser nicht benutzbar“, sagt Nina Quitmann. „Doch das ist sekundär, das kriegen wir wieder hin. Am Allerwichtigsten ist, dass der Gast sich wieder erholt.“

Schaden in Höhe von 300.000 Euro

Dennoch: Die Direktorin und ihre 120 Mitarbeiter trifft die Zerstörung, die der Brand angerichtet hat, schwer. „Heute Morgen haben viele von uns mit Tränen in den Augen vor dem Alten Hafenamt gestanden. Wir haben alle viel Herzblut in das Projekt gesteckt“, sagt sie. Beim Blick durch die gläserne Eingangstür in die Lobby ist das durchaus zu sehen: Fußboden, Tresen und Regale der Rezeption sind aus dunklem Holz, davor steht eine Sitzecke mit gemütlichen Plüschmöbeln. „Unsere Gäste sollen das Gefühl haben, nach Hause zu kommen“, sagt Nina Quitmann. Nach dieser Devise habe man auch das Restaurant eingerichtet. Unter einer Blumenampel sind Stufen zu erkennen, die abwärts führen: über diese ist der österreichische Gast ins Restaurant gelangt.

Ebenso wie das Hotel hat auch das Neni bis auf Weiteres geschlossen. Das werden viele Gäste bedauern, denn das Restaurant mit seinem besonderen Konzept war extrem beliebt. Mittags wurden die Tische doppelt, abends dreifach gebucht. Die Küche von Haya Molcho, der Frau des berühmten Pantomimen Samy Molcho, nennt sich ostmediterran. Das Besondere: Die Gäste sitzen an großen Tischen, die Speisen werden geteilt. „Das ist sehr kommunikativ und ist gut angekommen“, so die Direktorin.

Die Dauer der Schließung schätzt Kai Hollmann auf zwei Wochen. „Die Kosten des Schadens dürften sich auf rund 300.000 Euro belaufen“, sagt der 25hours-Mitbegründer, der in Hamburg mehrere Hotels besitzt. Gerade ist er zum zweiten Mal an diesem Tag mit dem Auto vorgefahren, um mit Brandermittlern und Mitarbeitern zu sprechen. „Es ist wirklich tragisch. So etwas habe ich in meinen 35 Berufsjahren noch nicht erlebt“, sagt Hollmann. Auch er betont, wichtiger als der materielle Schaden sei die schnelle Genesung des verletzten Gastes. „Wäre er in seinem Zimmer geblieben, wäre ihm nichts passiert“, sagt Nina Quitmann betroffen.