Aktionstag

Knallgelbe Treppenstufen sollen Sehbehinderten helfen

Die Stufen vor dem Rathaus sind mit gelber Farbe gekennzeichnet

Die Stufen vor dem Rathaus sind mit gelber Farbe gekennzeichnet

Foto: BSVH

In Hamburg gibt es 30.000 Sehbehinderte. Im öffentlichen Raum haben sie oft Probleme, sogar zu Unfällen kommt es immer wieder.

Hamburg.  Seit Montag ist Hamburg etwas bunter geworden: An Treppen am Gerhard-Hauptmann-Platz, am Rathausmarkt und anderen Orten in Hamburg sind knallgelbe Streifen zu sehen. Doch die farbigen Stufen sollen nicht die Stimmung verbessern, sondern haben einen ernsten Hintergrund. Der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. steckt hinter der Aktion. Sie gehört zu einer bundesweiten Kampagne zum „Sehbehindertentag“ am 6. Juni.

Nach Angaben des Vereins stellen insbesondere Treppen eine große Unfallgefahr dar. „Täglich kommt es auf Treppen zu unzähligen Stürzen und laut statistischem Bundesamt enden jedes Jahr mehr als 1000 davon tödlich“, heißt es in einer Mitteilung. Unfälle würden häufig passieren, weil Stufen nur undeutlich zu erkennen seien. „Wenn die Stufenkanten im gleichen Farbton wie die restliche Stufe gestaltet sind, werden sie nur schwer erkannt und die Treppe wird zur Gefahr – insbesondere für Menschen mit Seheinschränkung.“

30.000 Sehbehinderte in Hamburg

Wichtig sei dabei der Kontrast auf den unterschiedlichen Flächen. Für die Orientierung von 30.000 Sehbehinderten in Hamburg habe er eine große Bedeutung. Vor allem bei öffentlich zugänglichen Gebäuden würde dies zu selten berücksichtigt. „Es sollte mehr für eine kontrastreiche Gestaltung des öffentlichen Raums in Hamburg getan werden“, sagt Melanie Wölwer vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V.

Darauf solle die Aktion aufmerksam machen. „Es gibt zwar Vorschriften zur Gestaltung von Kontrasten, in Hamburg zum Beispiel in den Planungshinweisen für Stadtstraßen, Teil 10 Barrierefreie Verkehrsanlagen (PLAST 10) formuliert. Die Umsetzung dieser PLAST ist jedoch nicht gesetzlich verpflichtend“, so Wölwer. „Das sollte sich ändern.“

„Die Treppe erscheint wie eine Fläche“

„Ich sehe oft nur noch den Himmel und meine Füße“, sagt Heribert Meffert, Initiator und Kuratoriumsvorsitzender des AMD-Netz (altersabhängige Makula-Degeneration) aus Münster. „Wenn eine Treppe aus grauen Stufen vor mir liegt, kann ich die einzelnen Stufen kaum erkennen, die Treppe erscheint wie eine Fläche.“ Der 79-jährige emeritierte Marketing-Professor leidet seit vielen Jahren an der Erkrankung und hat bereits erhebliche Seheinschränkungen.

Um Gegenstände voneinander unterscheiden zu können und Flächen kenntlicher zu machen, helfen Kontraste. Ein weißer Teller hebt sich beispielsweise von einem dunklen Tischset erheblich besser ab als von einer weißen Tischdecke. Für die Wahrnehmung von Objekten ist der Leuchtdichtekontrast ausschlaggebend, also ob sich die Helligkeit einer Oberfläche von der Helligkeit einer anderen Oberfläche unterscheidet. Das gleiche Prinzip gilt sowohl für die häusliche Umgebung als auch für den öffentlichen Raum.

Linke kritisiert den Hamburger Senat

Auch die Linke kritisiert den Hamburger Senat für sein mangelndes Engagement. Der Schutz für Sehbehinderte werde in der Hansestadt nicht konsequent umgesetzt. Lob gab es für die gelben Treppenstufen. „DIE LINKE unterstützt diese Aktion und fordert den Senat auf, die UN-Behindertenrechtskonvention konsequent umzusetzen“, erklärt dazu Cansu Özdemir, inklusionspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft.

Die Vorgaben der Markierungen von Stufen sollten konsequent für die Stadt Hamburg umgesetzt werden. „Sie müssen im Landesaktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschrieben werden. Wir fordern den Senat auf, die für die Umsetzung erforderlichen finanziellen Mittel bereit zu stellen“, so Özdemir.