Cap San Diego

Für einen Schluck: 500 Whisky-Fans pilgern nach Hamburg

Auf der Cap San Diego stellte die schottische Whiskydestillerie Ardbeg ihre diesjährige Sonderabfüllung vor

Auf der Cap San Diego stellte die schottische Whiskydestillerie Ardbeg ihre diesjährige Sonderabfüllung vor

Foto: Daniel Schaefer

In Hamburg stellte die schottische Brennerei Ardbeg am Wochenende ihre neue Sonderabfüllung vor. Die Fans kamen aus ganz Deutschland.

Hamburg.  Sie kamen aus Franken und der Steiermark in Österreich, aus dem Ruhrpott und auch aus dem Thüringer Wald: Rund 500 begeisterte Whisky-Fans haben sich an diesem Wochenende auf den Weg nach Hamburg gemacht - und das alles für einen Schluck ihres kräftig-getorften Lieblingsdestillats. Auf der Cap San Diego im Hamburger Hafen stellte die schottische Whiskydestillerie Ardbeg anlässlich des gleichnamigen "Ardbeg Day" am Sonnabend ihre diesjährige Sonderabfüllung vor.

Bereits Stunden vor der offiziellen Präsentation des „Dark Cove“ harrten zahlreiche Whisky-Jünger vor dem historischen Stückgutfrachter aus. „Es ist unglaublich, dass so viele Menschen extra für dieses Event nach Hamburg kommen“, sagt auch Thomas Zilm, Markenbotschafter von Ardbeg in Deutschland. Für ihn jedoch geht es um mehr, als nur um das flüssige Produkt. „Es ist wie eine Familie, die einmal im Jahr zusammenkommt.“

Kleine Destillerie mit weltweiter Fangemeinde

Der sogenannte „Ardbeg Day“ findet seit 2012 im Zusammenhang mit dem Islay Festival of Malt und Music statt, bei dem zahlreiche Brennereien der schottischen Insel Islay abwechselnd ihre Türen für begeisterte Whisky-Enthusiasten öffnen. Mit einer Jahresproduktion von 1,4 Millionen Liter Single Malt Whisky gehört Ardbeg, mittlerweile im Besitz des französischen Mutterkonzerns Moët Hennessy Louis Vuitton, zwar zu den eher Kleinen der Branche, besitzt jedoch eine große Fangemeinde weltweit, die sich mittlerweile im sogenannten Ardbeg Committee organisiert hat.

Rund 500 Mitglieder haben sich für diesen Sonnabend eines der begehrten Tickets für die exklusive Präsentation der neuen Jahresabfüllung besorgt. Mit dem neuen „Dark Cove“ verweist die im Jahr 1815 gegründete Brennerei auf die Schmugglervergangenheit ihrer Insel. „Whisky zu destillieren und anschließend zu schmuggeln, war einst weit verbreitet auf Islay“, sagt Markenbotschafter Thomas Zilm. „Und bevor Ardbeg offiziell gegründet wurde, dienten die Inselklippen als besonders berüchtigte Verstecke für Schmuggler.“ Von den Felsen der Ardbeg Cove seien einst pechschwarz bemalte Boote mit Whisky zum schottischen Festland aufgebrochen – unbemerkt von den Zollbehörden, versteht sich. Ein guter Whisky, das ist eben nicht nur das Produkt, sondern auch die passende Geschichte dazu.

Immer mehr Whiskys ohne Altersangabe

Nach wie vor ist die hohe Nachfrage nach Single Malt Whisky ungebrochen. Kritiker bemängeln jedoch, dass aufgrund der explodierten Nachfrage, die vor einigen Jahrzehnten nicht zu erwarten war, einige Hersteller Schwierigkeiten hätten, diese zu befriedigen. Immer mehr ältere Bestände seien inzwischen aufgezehrt, heißt es.

Da bei einer Altersangabe von Single Malt Scotch per Gesetz das jüngste enthaltene Destillat angegeben werden muss, weichen viele Produzenten auf sogenannte No-Age-Statement-Whiskys, das heißt Whiskys ohne Altersangabe aus, um flexibler reagieren zu können. Auch bei Ardbeg hält man die Reifezeiten der Abfüllungen - mit Ausnahme des „Ardbeg Ten“ - streng unter Verschluss. Aus gutem Grund, wie Thomas Zilm erklärt: „Man muss den Whisky abfüllen, wenn er gut ist und sollte sich nicht von irgendwelchen Zahlen ablenken lassen.“

Der Satz „Je älter ein Whisky, desto besser“ sei sowieso Unfug. „Der Whisky wird mit zunehmenden Alter vor allem eines: weniger und damit teurer“, so Zilm. Schuld daran ist der sogenannte „Angels Share“, der Schluck der Engel. Er bezeichnet den Anteil eines Whiskys, der im Laufe seiner Lagerung aus dem Fass verdunstet.

Fass bestimmt maßgeblich den Geschmack

Im Falle des "Dark Cove" durften die Engel gleich von zwei verschiedenen Fässern versuchen. Denn die neue Jahresabfüllung reifte zum Teil in Ex-Bourbon-Fässern und zudem in speziellen Dark-Sherry-Fässern. Letztere verleihen dem Whisky eine intensiv dunkle Farbe und ein würziges und vollmundiges Aroma. Bis zu 70 Prozent des Geschmacks eines Whiskys komme ausschließlich durch das Fass, erläutert Thomas Zilm. Der Grund, warum trotz ähnlicher Rohstoffe bei jedem Whisky ein anderes Ergebnis herauskomme. Genau das sei es, was Whisky für viele Konsumenten so interessant und abwechslungsreich mache. Da nimmt man auch eben mal Tausend Kilometer auf sich, um einen Schluck der neuen Abfüllung zu probieren.

Die Fans jedenfalls sind nach stundenlangem Warten zufrieden. „Eine sehr schöne Kombination“ lobt Gerson Kircher, der extra aus der hessischen Rhön angereist ist, um den neuen Whisky zu probieren. Gemeinsam mit einem Freund Percy Grüterich, bietet Kircher als sogenannter „Rhön-Schotte“ spezielle Whisky-Wanderungen durch das Mittelgebirge an. Auf einer Strecke von sieben bis zehn Kilometern werden abwechselnd verschiedene Whiskys verkostet. „Dieser Whisky ist tatsächlich mal etwas neues, ganz ungewohnt für einen Ardbeg“, lobt Percy Grüterich. „Er passt hervorragend zu einer nebligen Herbstwanderung.“ Die weite Anreise in die Hansestadt, da sind sich beide einig, haben sie nicht bereut.