Hamburg

Behörde greift bei Gastronomen in der HafenCity hart durch

Keine Lounge-Möbel oder Fremdwerbung: Wirte, deren Außenbereiche nicht den Vorgaben entsprechen, müssen um Genehmigung bangen.

Hamburg.  Bei Gastronomen in der HafenCity herrscht große Empörung. Grund für ihren Ärger ist ein Schreiben des Bezirksamts Mitte, das alle Gastronomen in dem Stadtteil erhalten haben.

In dem Brief, der dem Abendblatt vorliegt, geht es um „Zulässigkeit von Möblierungen u.a. auf den Sommerterrassenflächen“. Das Bezirksamt erinnert darin „aus gegebenem Anlass“, wie es heißt, an den sogenannten Gestaltungsleitfaden für die HafenCity. Gleichzeitig droht die Behörde damit, künftig Genehmigungen nicht zu erteilen, sollte die Außenmöblierung der Gastrobetriebe den Vorgaben nicht entsprechen. Bis spätestens zur Saison 2017 müssten die Außenflächen „regelkonform genutzt“ werden.

Gastronomen ärgern sich über Vorgaben

„Die Bestimmungen in der HafenCity wachsen uns Gastronomen so langsam über den Kopf“, sagt ein betroffener Gastwirt, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. In der ganzen Stadt seien Lounge-Möbel, bedruckte Sonnenschirme, beleuchtete Werbung und noch vieles mehr in bunten Farben zu sehen. „Doch in der HafenCity knechtet uns das Bezirksamt Mitte als Gastronomen, alles trist und wie einen Einheitsbrei aussehen zu lassen“, wirft er der Behörde vor. „Möchte die Stadt Hamburg die HafenCity nicht als lebendigen Stadtteil?“

Auch Kollegen von ihm stellen sich diese Frage. „Alles Quatsch.“ „Völlig überzogen.“ „Absolute Frechheit.“ So lauten die Kommentare von verschiedenen Wirten in dem Quartier zu den Vorgaben. Sie alle wollen anonym bleiben. Zu groß seien die Bedenken, dass sie sich Probleme einhandeln könnten, wenn sie Kritik an dem Gestaltungsleitfaden üben.

Kräftige leuchtende Farben sind nicht zulässig

Neu sind die Bestimmungen übrigens nicht, nach denen zum Beispiel Lounge-Mobiliar sowie Fremdwerbung auf Markisen, Sonnenschirmen oder Decken nicht zulässig sind. Bereits 2013 hat die damals noch zuständige HafenCity GmbH den „Gestaltungsleitfaden für die Außengastronomie in der HafenCity“ herausgegeben.

In dem aktuellen Schreiben des Bezirksamts wird nochmals darauf hingewiesen, dass als Material für Tische und Stühle „zertifiziertes Holz (Buche, Eiche bzw. Teak) oder Holz-Stahl-kombinierte Möbel“ genutzt werden sollen. „Die Verwendung hochwertiger Kunststoffmöblierung ist dem Standortambiente angepasst zulässig“, heißt es weiter. Kissen in auffälligen Farben müssten jedoch im Einzelfall abgestimmt werden, „Leuchtkraftfarben“ sind generell nicht zulässig.

Behörde bemängelt „Wildwuchs“

Bisher wurden Verstöße gegen diese Gestaltungsregeln laut Gastronomen vor Ort toleriert. Jetzt will das Bezirksamt härter durchgreifen. „Es scheint viel Wildwuchs zu geben“, sagt Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirksamts Mitte, das seit Anfang des Jahres für die Flächen zuständig ist. Es sei bisher einiges durchgegangen. „Statt die dicke Keule rauszuholen, wollen wir die Gastronomen mit dem Schreiben darauf aufmerksam machen, die Standards einzuhalten.“

Ziel sei es, dass sie HafenCity attraktiv aussehe. Es könne nicht jeder so gestalten, wie er lustig ist, heißt es von Seiten der Behörde. „Zudem ist der Gestaltungsleitfaden nichts Neues“, so Sorina Weiland. „Und so hoch sind die Hürden nicht.“

Das sehen die Gastronomen in der HafenCity anders. „Es ist verständlich, dass es Regeln gibt und alles ordentlich aussehen soll“, räumt ein Wirt ein. Aber etwa auf Werbepartner zu verzichten, mit dessen Namen Schirme oder Markisen bedruckt sind, würde gerade kleinen Betrieben erheblich schaden. Er sagt: „Die Gastronomie lebt von Werbepartnern.“ Der Gastronom und seine Mitstreiter verstehen vor allem nicht, warum in anderen Stadtteilen Sonnenschirme mit Getränkewerbung stehen dürfen, dies in der HafenCity aber verboten ist.