Reitbahn Alt Wien

Ponyreiten unter Polizeischutz auf dem Hamburger Dom

Stefan Kaiser, der Betreiber des Ponykarussells Alt Wien, sagt, man werde sich "nicht einschüchtern" lassen

Stefan Kaiser, der Betreiber des Ponykarussells Alt Wien, sagt, man werde sich "nicht einschüchtern" lassen

Foto: Roland Magunia

Nach dem Angriff, bei dem zwei Mädchen verletzt wurden, ermittelt der Staatsschutz. Betreiber weist Vorwurf der Tierquälerei zurück.

Hamburg.  Kurz bevor der Hamburger Dom öffnet, hat Stefan Kaiser wenig Zeit. In ein paar Minuten wollen die ersten Kinder aufsitzen. Der Betreiber der Reitbahn Alt Wien steht in seinem Fahrgeschäft und striegelt den Wallach Pipe. Kaum sind die ersten Pferde zu sehen, lassen sich Kinder auf dem Holzsteg nieder, der rund um die Manege des Pony-Karussells führt. „Auf geht’s, Jungs. Allez“, ruft Kaiser, nun mit einer Reitgerte in der Hand. Auf sein Kommando hin trotten die Ponys wie gewohnt durch den Sand. Immer im Kreis. Wieder und wieder.

Alles wie immer. Und doch ist alles anders an diesem Sonntag. Nicht nur, dass vor dem Fahrgeschäft Polizisten der Dom-Wache stehen. Sondern auch, dass mehrere Fernsehteams mit Kaiser über den Vorfall sprechen wollen, der bundesweit Schlagzeilen gemacht hat. Bei einem Angriff angeblicher Tierschützer auf sein Ponykarussell waren am Freitagabend zwei Mädchen, 6 und 10 Jahre alt, verletzt worden.

Wie genau sich der Angriff abspielte, wird noch ermittelt

Gegen 18.30 Uhr hätten vier Männer den Reitsalon gestürmt, erzählt Kaiser. „Die sahen aus wie Punker, teils mit gefärbten Haaren, schwarzen Rucksäcken, Piercing im Gesicht und dunklen Brillen.“ Die Männer hätten unter Gebrüll rot-weißes Flatterband um den Steg gezogen, auf dem vor allem Eltern standen, um ihren Kindern beim Reiten zuzusehen. „Diese Irren sprangen herum, knallten mit den Springerstiefeln laut aufs Holz und versuchten die Kinder von den Pferden herunterzureißen“, sagt der 45-Jährige.

Wegen der hektischen Bewegungen und ungewohnten Geräusche seien die sechs Ponys durchgegangen. „Meine Mitarbeiter konnten sie glücklicherweise beruhigen und die Kinder sichern.“ Kaiser widerspricht Zeugenaussagen, wonach die Kinder aus dem Sattel geflogen und kopfüber mit dem Fuß im Steigbügel gehangen hätten. Er habe beobachtet, wie eines der Mädchen, als es zu seinen Eltern laufen wollte, über den kleinen, die Manege umgebenden Zaun gestolpert sei und sich dabei verletzt habe. Zwei Mädchen erlitten Prellungen und Schürfwunden. Eines von ihnen wurde ins Krankenhaus eingeliefert und nach ambulanter Behandlung wieder entlassen.

Ist das Ponyreiten auf dem Hamburger Dom noch zeitgemäß?

Wie sich die Tat genau abspielte, wird noch ermittelt. Aktuell kursieren unterschiedliche Versionen. „Es gibt widersprüchliche Zeugenangaben“, sagt Polizeisprecherin Tanja von der Ahé. Offenbar ergriffen die Täter die Flucht, als Passanten sich auf sie stürzen wollten. Ein Polizist, der den Dom privat besuchte, konnte einen 21 Jahre alten Randalierer festhalten. Dieser wurde kurz darauf von einer Streife festgenommen und nach erkennungsdienstlicher Behandlung wieder entlassen.

Die Staatsschutzabteilung der Polizei ermittelt wegen Körperverletzung. CDU-Innenexperte Dennis Gladiator fordert nun eine rasche Aufklärung des Falls. „Das sind keine Tierschützer, sondern primitive Straftäter. Wer solche Aktionen durchführt und Kinder verletzt, muss dafür konsequent bestraft werden. Ich hoffe, dass alle Täter schnell gefunden werden.“

Das Ponykarussell steht in der Kritik

Das Ponykarussell steht seit geraumer Zeit im Fokus von Tierschützern. Die Tierrechtsorganisation PETA fordert ein Verbot, auch die Bürgerschaftsabgeordnete Christiane Blömeke (Grüne) hat aus ihrer Abneigung gegen das Fahrgeschäft öffentlich keinen Hehl gemacht. „Die Wirbelsäule und die Beine von Ponys und Pferden sind nicht für stundenlanges Im-Kreis-Laufen ausgelegt. Schmerzhafte Gelenk- und Wirbelschäden sind häufig die Folge“, heißt es dazu von PETA. „Der Lärm der Fahrgeschäfte und die Menschenmassen können zusätzlich Stress bei den Ponys auslösen.“ Den Vorwurf der Tierquälerei weist Kaiser zurück. „Wir haben hier 15 Tiere, die alle paar Stunden ausgetauscht werden, die alle unter tierärztlicher Betreuung stehen. Wir lieben unseren Ponys, ihnen geht es bestens!“ Tatsächlich hält das Fahrgeschäft nach Angaben der Behörden alle Tierschutzauflagen ein.

Der Schaustellerbetrieb Kaiser reist in vierter Generation von Rummel zu Rummel – und sieht sich wachsenden Anfeindungen gegenüber. So hatte ein „Tierschützer“ 2014 auf Facebook zu einem Flashmob aufgerufen, als das Ponykarussell auf der Ahlener Maikirmes gastierte. Von den Angriffen auf die Attraktion werde sich seine Familie „nicht einschüchtern“ lassen, sagt Kaiser. „Wir machen weiter.“ Auf die leichte Schulter nehme er die Attacke aber nicht. „Jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern. Aber was passiert ist, war Willkür, und hochgefährlich.“

An Sonntag wurde auf dem Dom gegen die Reitbahn protestiert

Am Sonntag standen Aktivisten der Tierrechtsinitiative Hamburg, die für eine Volkspetition unter dem Motto „keine lebenden Tiere auf dem Hamburger Dom“ kämpft, an den Eingängen zum Dom, um gegen das Ponykarussell zu protestieren. Die Reitbahn selbst war gut besucht.

„Das Ponyreiten macht so vielen Kindern viel Spaß und bringt sie in Kontakt mit Tieren. Ich hoffe, die zuständige Behörde hält dem Druck der Grünen stand und verbietet es nicht“, sagt der FDP-Bürgerschaftsabgeordnete Wieland Schinnenburg.