Jugendamt

Fall Tayler: Schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter

Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard

Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard

Foto: Axel Heimken / dpa

Könnte der kleine Junge noch leben? Dem Abendblatt liegt ein unveröffentlichter Bericht über Versäumnisse im Fall Tayler vor.

Hamburg.  Zwei Monate nach dem gewaltsamen Tod des einjährigen Tayler hat die Jugendhilfeinspektion dem betreuenden Jugendamt Hamburg-Altona Versäumnisse vorgeworfen. Es sei "nicht nachvollziehbar, dass angesichts eines (...) dokumentierten Misshandlungsverdachts von einer Rückführung gesprochen wird, ohne ein tieferes Verständnis der Familie und ihrer Lebensbedingungen erhalten zu haben", heißt es in einem bislang unveröffentlichten Bericht der Jugendhilfeinspektion, der dem Hamburger Abendblatt vorliegt. Er soll am Montag offiziell vorgestellt werden.

Demnach gab es offenbar keine weitere Prüfung, ob der kleine Tayler nach dem im Sommer 2015 festgestellten Schlüsselbeinbruch wieder in seine Familie hätte zurückkehren dürfen. Offenbar sei die zuständige "fallführende Fachkraft" im Jugendamt nicht davon ausgegangen, dass die Mutter oder ihr Lebensgefährte für die Verletzungen verantwortlich sind. "Unklar bleibt, wie sie zu der Einschätzung kam", schreiben die Prüfer. Es müsse davon ausgegangen werden, dass die Fachkraft die Rückführungsentscheidung allein getroffen habe, was im Widerspruch zu den Vorschriften steht.

Familienhelferin fehlte der notwendige Sachverstand

Grundsätzlich kritisieren die staatlichen Prüfer zudem, dass das Jugendamt nach der Rückführung die Hilfsmaßnahmen an das Rauhe Haus ausgelagert hat. Das sei Aufgabe des Jugendamts, so die Prüfer. Sie attestieren der Fachkraft des Rauhen Hauses ein Fehlen des "notwendigen Sachverstandes". Danach hätten die Verletzungen bei Tayler kurz vor seinem Tod dem Jugendamt oder dem Institut für Rechtsmedizin gemeldet werden müssen.

Immer wieder kritisieren die Prüfer, dass hastig und ohne zeitliche Not entschieden worden sei. Zwar kommen sie zu dem Schluss, dass es keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Handeln des Jugendamtes und dem Tod des Jungen gebe. Dennoch könne nicht ausgeschlossen werden, "das eine sorgfältige und wiederholte Risikobewertung mit entsprechender Wirkung auf das jugendamtliche Handeln andere Bedingungen für die Sicherheit des Kleinkindes geboten hätte".

Obduktionsergebnis der Babyleiche steht noch aus

Der zwölf Monate alte Tayler war am 19. Dezember 2015 an einem mutmaßlichen Schütteltrauma gestorben. Der Obduktionsbericht soll voraussichtlich Ende des Monats vorliegen. Durch ihn hoffen die Ermittler auch herauszufinden, wann genau die Tat geschah. Tayler war am 12. Dezember ins Krankenhaus gebracht worden und sieben Tage später gestorben. Gegen die 23-jährige Mutter aus Altona-Nord und ihren Freund wird wegen eines Tötungsdelikts ermittelt. Beide sind derzeit auf freiem Fuß.

Ein knappes halbes Jahr vor seinem gewaltsamen Tod war Tayler nach einer Verletzung am Schlüsselbein mit Zustimmung der Mutter in einer Pflegefamilie gewesen. Auf ihr Drängen kam das Baby im Oktober wieder zurück.