Ranking

Hamburger Stadtteil überraschend in den Top Ten bei AirBnB

Übernachtungsplattform listet ungewöhnliches Viertel unter den Top Ten weltweit. Für AirBnB ist es der neue Trend-Stadtteil.

Hamburg. Das Reiseverhalten von rund 40 Millionen Übernachtungsgästen hat die Unterkunftsplattform AirBNB untersucht und will so die 16 künftigen Trendstadtteile weltweit ermittelt haben. In dem Ranking findet sich auch ein Hamburger Viertel, mit dem wohl keiner gerechnet hätte. Auf der Liste belegt Hammerbrook den 7. Platz.

Viele Hamburger werden wohl nun fragend die Stirn runzeln; ist der Stadtteil östlich der Innenstadt doch eher für Gewerbe- und Büroimmobilien bekannt, weniger aber für ein florierendes Straßenleben und gemütliche Wohnecken. Vermutlich liegt aber genau darin die Antwort. Hammerbrook liegt nah am Zentrum, viele Bewohner scheinen ihre Wohnungen jedoch noch zu vergleichbar günstigen Preisen zu vermieten – eben weil der Stadtteil auf den ersten Blick nicht sonderlich attraktiv erscheint.

"Gäste schätzen es, in Hammerbrook eine Unterkunft zu finden, die zentral gelegen ist und es ihnen ermöglicht, Freizeitangebote - wie etwa die Deichtorhallen - oder das individuelle Nachtleben der Langen Reihe zu erreichen und wahrnehmen zu können", heißt es in einer Mitteilung von AirBnB auf Anfrage.

Grundsätzlich ziehe es demnach immer mehr Menschen in die "lokalen kleinen Communities", da sie dort eine Stadt nicht nur oberflächlich erleben würden. "Stattdessen haben Gäste in Stadtteilen wie Hammerbrook die Möglichkeit, Zugang zu den Menschen vor Ort zu finden und in ihre Kultur einzutauchen", heißt es von AirBnB weiter.

Ein Hausboot für 114 Euro die Nacht zur Miete

Auf den ersten Blick jung und hip eingerichtet, bekommt man in Hammerbrook eine Privatwohnung schon ab 40 Euro die Nacht vermietet – wenig im Vergleich zu umliegenden Stadtteilen wie etwa St. Georg. Sogar eines der modernen Hausboote, die vor wenigen Jahren in die Kanäle des Stadtteils gezogen sind, kann man von privaten Anbietern für 114 Euro die Nacht mieten.

Wer aber denkt, dass Hammerbrook nun überregional bekannten Traditionsvierteln wie der Sternschanze und St. Pauli den Rang abläuft, liegt falsch. Das ehemalige Arbeiterviertel belegt nicht in absoluten Zahlen den ersten Platz in Deutschland mit den Übernachtungszahlen.

Gewertet hat AirBnB hingegen das prozentuale Wachstum von Buchungen über die Plattform in dem jeweiligen Stadtteil. In Hammerbrook hat es laut der Erhebung eine Steigerung der Übernachtungen in 2015 von 418 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gegeben. Absolute Zahlen, die dieses Wachstum bestätigen, hat AirBnB aber nicht veröffentlicht.

Münzviertel als Aushängeschild

Die meisten Hamburger kennen den Stadtteil nur vom Durchrauschen auf der B4, B5 oder B75. Doch was macht Hammerbrook eigentlich aus? Schlagzeilen bescherte dem Viertel zuletzt der KoZe-Konflikt im Münzviertel nahe des Hamburger Hauptbahnhofs. Ein denkmalgeschütztes Gebäude und eine Kita werden seit geraumer Zeit von den Aktivisten des „Kollektiven Zentrums“ besetzt, immer wieder eskalierte die Lage zwischen Polizisten und Aktivisten.

Eher ein Ausnahmebeispiel für den Stadtteil, denn als ausgesprochen lebendig gilt Hammerbrook nicht. Weil das Viertel während des Zweiten Weltkriegs nahezu vollständig zerstört wurde, kann Hammerbrook im Gegensatz zu seinen Nachbarn nur mit wenigen historischen Gebäuden aufwarten. Das denkmalgeschützte Kontorhaus Leder-Schüler gehört etwa dazu. Als man den Stadtteil wieder aufbaute, legte man den Fokus aufgrund der guten Infrastruktur - samt Bahntrasse und Hafennähe - auf die Industrie und nicht auf Wohnungen.

Industrieromantik in "Klein Venedig"

Wer in Hammerbrook spazieren geht, empfindet den Stadtteil mit seiner Industrieromantik meist als idyllisch. Charmant sind besonders die vielen Kanäle, die sich durch den Stadtteil schlängeln. Denn hier mündet die Bille in die Elbe. Zahlreiche Brücken bescherten Hammerbrook zu Vorkriegszeiten deshalb sogar den Spitznamen „Klein Venedig“.

Stets ist man jedoch auch umgeben von Brachen, Beton und modernen Büroriesen. Mit einem repräsentativen Neubau hat sich vor wenigen Jahren etwa die Deutsche Bahn mit ihrer Zentrale direkt neben der S-Bahnstation Hammerbrook niedergelassen.

Für einen Kontrast dazu sorgt etwa der dreistöckige Club „Klubsen“ mit seinem äußerst beliebtem Live-Programm, das zunehmend auch Nachtschwärmer in den Stadtteil zieht. Bislang jedoch eher ein Einzelfall. Viele Wohnungen und kulturelle Einrichtungen gibt es dort nach wie vor nicht, lediglich 2244 Menschen leben in Hammerbrook. Umso mehr überrascht die Platzierung im AirBnB-Ranking.