Wilhelmsburg

Kinder-Fußballturnier endet mit Massenschlägerei

Ein Fußball liegt auf einem Spielfeld (Symbolbild)

Ein Fußball liegt auf einem Spielfeld (Symbolbild)

Foto: Claus Bergmann / picture alliance / dpa

Bei dem Spiel der E-Jugend kam es zu Handgreiflichkeiten. Erster Jugendleiter fordert Ausweitung des Spielfeldabstands für Eltern.

Hamburg. Eine Schlägerei während eines Fußballspiels der E-Jugend in Hamburg-Wilhelmsburg mit Eltern und Kindern wird für die Beteiligten möglicherweise strafrechtliche und sportliche Konsequenzen haben. Nach der Auseinandersetzung am Sonntagnachmittag ermittelt das Landeskriminalamt wegen Körperverletzung. Auch der Hamburger Fußball-Verband kündigte an, es werde eine Verhandlung vor dem Jugendrechtsausschuss geben.

Der stellvertretende Jugendleiter von FC Bergedorf 85, Sören Asch, distanzierte sich von der gewalttätigen Auseinandersetzung. "Wir lehnen Gewalt ab", sagte er gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Für den Montagabend habe er eine Vorstandsitzung mit den Trainern und beteiligten Eltern einberufen, so Asch. Er forderte zudem, dass der verbindliche Spielfeldabstand von 15 Metern auch für Eltern der E-Jugendmannschaften eingeführt werden solle. Der FC Bingöl kündigte eine schriftliche Stellungnahme an.

Situation eskalierte nach einem Foul

Es war das Endspiel des Hallenfußball-Turnier In der Sporthalle der Gewerbeschule an der Dratelnstraße standen sich am Sonntagnachmittag die acht- bis zehnjährigen Spieler von FC Bingöl und FC Bergedorf 85 gegenüber. Das erste Tor fiel in der 7. Spielminute. Kurz darauf gab es das erste Foul. Die Stimmung war ziemlich aufgeheizt, sagt ein Beobachter.

Dann eskalierte die Situation. Anlass war nach Angaben der Polizei eine Schiedsrichterentscheidung wegen unsportlichen Verhaltens. Einer der Jungkicker von Bergedorf 85 musste vom Platz. Trotzdem ließen die beiden Kontrahenten nicht voneinander ab. Das rief wiederum Eltern und Zuschauer auf den Plan. Sie liefen auf das Spielfeld, mischten sich in den Streit ein.

Vater soll Kinder geschlagen haben

Dabei soll der Vater (43) eines Spielers von FC Bergedorf 85 zwei Kinder (8, 10) der gegnerischen Mannschaft geschlagen haben, so ein Polizeisprecher. Ebenso sollen sich Trainer (33) beziehungsweise Betreuer (34) der Mannschaften an der Schlägerei beteiligt haben. Zwei Männer im Alter von 26 und 44 Jahren erlitten leichte Blessuren. Was genau passiert ist, ist noch unklar. Die Beteiligten beschuldigen sich gegenseitig, jeweils die andere Partei angegriffen zu haben.

"Insgesamt waren 15 bis 20 Eltern in die Schlägerei verwickelt", sagte der Trainer der Bergedorfer Kicker, Steven Rieck, dem Abendblatt. "So etwas ist in meiner Trainerlaufbahn noch nie vorgekommen." Einen Grund für die Eskalation sieht er auch in der engen Halle, in der sich 250 Menschen drängten. Berichten von Beobachtern zufolge soll er einen Faustschlag abbekommen und auch zurückgeschlagen haben. Gegenüber dem Abendblatt wies Rieck das zurück. "Wir wollten schlichten und haben Zivilcourage bewiesen."

Die Polizei war mit sechs Streifenwagen im Einsatz. Das Spiel wurde abgebrochen und soll am 24. Januar nachgeholt werden. Jetzt ermittelt das Landeskriminalamt 183 und auch der Hamburger Fußball-Verband (HFV) kündigte an, es werde eine Verhandlung vor dem Jugendrechtsausschuss geben. Der Ausschuss ist das Jugendsportgericht des Verbands und kann auch Strafen für Vereine aussprechen.

Jedes Jahr 50 bis 60 gewaltsame Zwischenfälle

Der Vorfall sei ungewöhnlich, sagte HFV-Geschäftsführer Karsten Marschner. „In dieser Form und in dieser Altersklasse auf jeden Fall.“ Es komme allerdings jedes Jahr zu 50 bis 60 gewaltsamen Zwischenfällen bei den rund 60.000 Spielen der Verbands-Mannschaften. „Das ist ein Promillebereich, den Sie wahrscheinlich nicht mehr rauskriegen, leider“, sagte Marschner.

Der FC Bingöl 12 ist ein türkisch-kurdischer Verein aus Wilhelmsburg. Ein Jugendtrainer des FC Bergedorf 85 betonte, auch in seinem Verein spielten zahlreiche Kinder mit Migrationshintergrund. Bei der Auseinandersetzung sei es aber nicht um Nationalitäten gegangen: „Das sind einzelne Personen, die ihr Hirn verlieren.“ Der Jugendtrainer war aber nicht selbst bei dem Turnier dabei gewesen.

Neue Regel: DFB stellt Fußball-Eltern ins Zwangs-Abseits

Erst im September 2015 hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) für die G- und F-Jugend eine neue verbindliche Anweisung erteilt: Danach müssen Eltern seitdem mindestens 15 Meter Abstand vom Spielfeld halten. Hintergrund: Der Einfluss von Müttern und Vätern auf das Spielgeschehen hatte so stark überhandgenommen, dass der DFB die Reißleine gezogen hatte. Für die E-Jugend gilt diese Regel bislang nicht.