St. Michaelis

Roma-Familien leben weiter in Kirchenwohnungen

Ein kleiner Junge steht nach der Besetzung in einer Kirchenbank im Hamburger Michel

Ein kleiner Junge steht nach der Besetzung in einer Kirchenbank im Hamburger Michel

Foto: Christian Charisius / dpa

Die 40 Roma hatten aus Angst vor einer Abschiebung den Michel besetzt. Seitdem stehen sie unter kirchlicher Obhut.

Hamburg.  Es war eine aufsehenserregende Protestaktion und ein verzweifelter Hilferuf: 40 Roma, darunter zahlreiche Kinder, haben im September den Hamburger Michel besetzt. Nach Angaben der Gruppe „Vereinigte Roma Hamburg“ drohe ihnen die Abschiebung, nachdem ihre Asylanträge abgelehnt worden waren. Nach mehreren Beratungsrunden mit der Stadt Hamburg entschied die Kirche unter Federführung von Pröpstin Ulrike Murmann, die Roma in kirchliche Obhut zu nehmen. Ein konkreter Ausreisebeschluss lag zu dem Zeitpunkt noch nicht vor.

Knapp vier Monate nach der spektakulären Aktion leben die Roma weiter in Hamburg. „Sie sind in kirchlichen Wohnungen untergebracht“, sagt der Sprecher des Kirchenkreis Ost, Remmer Koch, dem Abendblatt. Es handele sich dabei um Wohnungen im Gebiet des Kirchenkreises. Auch im Gemeindehaus des Michel wohne seitdem eine Familie. In allen Fällen werden sie nach Angaben des Sprechers von Kirchengemeinden und ehrenamtlichen Unterstützern betreut. Der Kirche ist wichtig zu betonen, dass es sich nicht um Kirchenasyl handelt.

Parallel hat die kirchliche Flüchtlingsberatungsstelle Fluchtpunkt begonnen, weitere rechtliche Möglichkeiten der abgelehnten Asylbewerber zu prüfen. Die Unterlagen aus dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge seien angefordert worden, hieß es. Ergebnisse lägen aber noch nicht vor. Allzu groß sind die Chancen der Roma in Deutschland bleiben zu können, allerdings nicht: Sie stammen alle Balkanländern, die als sichere Herkunftsländer eingestuft werden.