Hamburger Hauptbahnhof

Dramatischer Hilferuf der Flüchtlingsbetreuer

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Hanna-Lotte Mikuteit

Die Situation am Hauptbahnhof spitzt sich zu. Unterstützerin Emma Louise Meyer bittet in einem bewegenden Video um Unterstützung.

Hamburg. „Hilfe“ steht in großen Buchstaben auf dem weißen Papier. Sonst ist zunächst nichts zu sehen. Es folgen weitere Blätter mit Worten. „Wir brauchen Helfer, bitte.“ Emma Louise Meyer hat das Video mit dem dramatischen Appell ins Internet gestellt. Seit zwei Monaten betreut die 23-Jährige ehrenamtlich am Hauptbahnhof die durchreisenden Flüchtlinge – jetzt ist sie am Ende mit ihrer Kraft.

„Wir sind viel zu wenige“, sagt die Studentin in dem Sieben-Minuten-Streifen, der bei Youtube zu sehen ist. Vor einigen Wochen seien noch so viele Helfer da gewesen, dass einige wieder weggeschickt werden mussten. Inzwischen habe sich das Blatt aber gewendet. Gerade nachts und am frühen Morgen komme es vor, dass zwei Helfer sich um 500 Flüchtlinge kümmern müssten.

„Es nützt nichts, warme Kleidung zu haben, wenn niemand da ist, um sie zu verteilen“, sagt die junge Hamburgerin und man sieht ihr die Verzweiflung an. Ähnlich wie viele andere aus dem Team der freiwilligen Unterstützer hat Meyer Schichten von 24 Stunden und mehr geschoben, um Flüchtlinge zu betreuen, die auf ihrer Reise nach Dänemark und Schweden in Hamburg stranden. Manche würden nach einer Nachtschicht gleich weiter an die Universität fahren, sagt sie.

Ausnahmezustand am Hauptbahnhof

In den vergangenen Tagen hat sich die Situation noch verschärft, weil auf Fähren Richtung Schweden nicht genug Plätze zur Verfügung stehen und die Aufnahmekapazitäten an Land etwa Rostock erschöpft sind. Teilweise müssten die Fluchtsuchenden deshalb länger in Hamburg bleiben. Es gibt zwar eine Liste mit Übernachtungsplätzen, aber trotzdem übernachten Menschen auch auf den Bänken der umliegenden Busstationen. „Schlafplätze sind toll, aber was nützt es, wenn niemand die Menschen hinbringen kann“, sagt Emma Louise Meyer.

Am Hauptbahnhof herrscht seit Wochen Ausnahmezustand. Teilweise kommen bis zu 1500 Menschen am Tag in Hamburg an, darunter auch viele Familien mit kleinen Kindern. Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat vier Zelte aufgestellt, wo die Flüchtlinge betreut werden. Darunter auch eine mobile Kita, die täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet ist.

Wird Anlaufstelle ins Biberhaus verlegt?

Die Deutsche Bahn stellt nach den Worten von Sprecher Egbert Meyer-Lovis Toiletten und Heizungen zur Verfügung und sorgt für die Müllentsorgung. Engpässe gab es zuletzt bei der medizinischen Versorgung. Diese soll nach Angaben des Paritätischen Wohlfahrtsverband weiter ausgebaut werden. Auch gibt es nach Abendblatt-Informationen Verhandlungen mit dem Bezirk Hamburg-Mitte, die Anlaufstelle für Flüchtlinge ins Bieberhaus am Hachmannplatz zu verlagern.

Ohne das Freiwilligen-Netzwerk wäre die Lage möglicherweise schon eskaliert. Aber jetzt brauchen die Helfer Hilfe. „Kommt, packt an, bringt positive Energie mit“, ruft Helferin Meyer alle Hamburger auf. „Wir brauchen Menschen mit Zeit.“

Die Initiative Refugees Welcome Karoviertel fordert jetzt die Stadt Hamburg auf, zu helfen. „Ohne die massive Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, der Bahnhofsmission und diversen anderen Gruppen würde am Bahnhof längst blanke Not herrschen“, sagt Tina Fritsche von der Initiative am Mittwoch. Gleichzeitig sieht sie den Senat in der Pflicht. „Es ist empörend, dass die Hamburger Politik offenbar nicht gewillt ist, diesen Menschen adäquat zu helfen.“

Aktivistin wünscht sich regelmäßige Hilfe

Den Helfer-Hilferuf bei Youtube haben inzwischen schon mehr als 7000 Menschen gesehen. „Einige Unterstützer haben sich schon gemeldet“, sagt Aktivistin Meyer. Aber das reiche nicht, vor allem regelmäßige Hilfe sei notwendig.

Interessenten können sich entweder direkt am Info-Point in der Wandelhalle am Hauptbahnhof melden oder eine E-Mail schreiben an helferinnenamhbf@yahoo.de. Bei Facebook läuft der Kontakt über die Helfergruppe Hamburg Hauptbahnhof.