St. Pauli

Hier entsteht Hamburgs schönster Flutschutz

Außen Flaniermeile, innen Hochwasserschutz – so soll es nach der Fertigstellung am Baumwall einmal aussehen

Außen Flaniermeile, innen Hochwasserschutz – so soll es nach der Fertigstellung am Baumwall einmal aussehen

Foto: Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt

Zwischen Baumwall und Landungsbrücken beginnen die Arbeiten zum zweiten Bauabschnitt der Promenade, die das Hochwasser abhalten soll.

Hamburg.  Zwischen Landungsbrücken und Überseebrücke hat in dieser Woche der zweite Abschnitt zum Umbau der großen Hamburger Hafenrand-Promenade begonnen. Der erste Teil vor dem City Sporthafen wurde am Freitag beendet, zwei Monate früher als zuletzt geplant, wie die Umweltbehörde jetzt mitteilte, die das insgesamt 78,1 Millionen Euro teure Bauprojekt federführend betreut. Zwar wird die gesamte, rund 625 Meter lange Flaniermeile am Hafen nun breiter und bekommt mit treppenartigen Einschnitten ein architektonisch völlig neues Gesicht – aber in erster Line handelt es sich dabei um ein neues Hamburger Bollwerk gegen Sturmfluten. „Hochwasserschutzanlage Niederhafen“ – so lautet dann auch der offizielle Titel der Baumaßnahme, die nun mit ihrem zweiten Abschnitt Ende 2018 abgeschlossen sein wird.

Der Bau der Promenade bildet dabei den Abschluss eines auf viele Jahre angelegten Hochwasserschutzprogramms, mit dem Hamburg seit 1990 seine Deiche und Flutmauern um mehr als einen Meter erhöht, um für einen Meeresspiegelanstieg gewappnet zu sein – was offensichtlich eine Daueraufgabe ist: Denn 2017 startet Hamburg wieder ein neues Hochwasserschutzprogramm, um die Anlagen noch einmal zu erhöhen. Allerdings ist bei der neuen Promenade bereits eine „Ausbaureserve“ von 80 Zentimetern gleich mitgeplant worden.

Am Niederhafen zwischen Baumwall und Landungsbrücken überließ man die Sache aber nicht nur Ingenieuren, sondern baut auch nach den Entwürfen der international renommierten Londoner Architektin Zaha Hadid, weil der Standort eben auch von „überregionaler touristischer Bedeutung“ sei und weiter an Bedeutung gewinnen solle. Im ersten Abschnitt prägen daher nun Treppenkegel die Promenade. Sie reichen von der neuen Höhe von mehr als acht Meter über Normalnull wasserseitig auf bis zu 5,40 Meter herunter und werden teils auch über Rampen erschlossen. Spaziergänger können daher dort näher am Wasser sitzen, würden dort unten aber bei schweren Sturmfluten auch nasse Füße bekommen.

Die Treppenanlagen zur Straße hin sollen indes von dort den Blick auf Promenade und Schiffsmasten ermöglichen. „Gestalterisch wird dieses Konzept fortgeführt“, sagt Behördensprecher Jan Dube. Geplant sind nun vier neue Treppenpodeste. Wie bisher schon soll im Inneren des neuen Bauwerks wieder eine Parkgarage gebaut werden, das frühere Restaurant an der Überseebrücke muss indes für den neuen Hochwasserschutz weichen. Weil die Stadt dafür einen langjährigen Sondernutzungsvertrag gekündigt hatte, war der Pächter gerichtlich gegen die Kündigung vorgegangen. Inzwischen ist laut Behörde eine Einigung erzielt, und das kastenartige Gebäude wird in diesen Tagen abgerissen.

Komplett neues Bauwerk

Die gesamte neue Flutschutz-Promenade muss dabei als ein komplett neues Bauwerk hergestellt werden, weil eine Erhöhung und Verbreiterung der alten Anlage technisch als zu schwierig galt. Die Fundamente hätte eine Aufstockung nicht mehr getragen, hieß es bei den Planern.

Dabei ist die alte Promenade nicht wirklich alt: Sie wurde nach der Sturmflut 1962 gebaut. Damals verlegte man die neue Hafenrandlinie gut 20 Meter weiter in die Elbe hinein. Und auch bei der neuen Anlage werden dem Strom wieder ein paar Meter abgeknapst, um die neue geforderte Mindestbreite von zehn Metern zu erhalten.

Wo künftig also noch mehr Hamburger und Touristen an der Elbe flanieren sollen, befand sich vom 17. bis ins 20. Jahrhundert noch ein großer Handelshafen: der Niederhafen. Historische Fotos zeigen heute, wie Ende des 19. Jahrhunderts noch etliche Segelschiffe dort am Kai lagen. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurde der Umschlag eingestellt, die alten Schuppen abgerissen und durch einen großen Parkplatz ersetzt. Von einer „überregionalen touristischen Bedeutung“ ahnte man da offensichtlich noch nichts.