Parteitag in Wilhelmsburg

Rechtsruck? AfD Hamburg wählt neuen Parteivorstand

Der bisherige Landesvorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD) Hamburg, Jörn Kruse, spricht während des Landesparteitags

Der bisherige Landesvorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD) Hamburg, Jörn Kruse, spricht während des Landesparteitags

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Landeschef Kruse will nicht wieder antreten. Bei der Wahl seiner Nachfolge entscheidet sich, ob die AfD Hamburg nach ganz rechts rückt.

Hamburg.  Rund drei Monate nach dem Rechtsruck in der AfD auf Bundesebene wählt der bislang wirtschaftskonservativ geführte Landesverband Hamburg einen neuen Vorstand. Die Kandidaten stellen sich am Sonnabend auf dem Parteitag im Bürgerhaus Wilhelmsburg vor.

AfD folgt offenbar Rechtsruck der Bundespartei

Sicher ist bislang, dass der Parteivorsitzende Jörn Kruse nicht mehr antritt. Gleiches gilt für Schatzmeister Walter Strack und Schriftführer Detlef Ehlebracht. Alle drei begründeten ihren Schritt mit dem Rechtsruck in der Bundespartei durch die Abwahl des Parteigründers Bernd Lucke und die Übernahme des Bundesvorsitzes durch die nationalkonservative Frauke Petry.

Als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge an der Hamburger Spitze gilt der von Kruse als "Law-and-Order"-Mann bezeichnete, frühere Innensenator Dirk Nockemann, einst Mitglied der rechtspopulistischen Schill-Partei. Von einem Zerwürfnis zwischen Nockemann und ihm wollte der als gemäßigt geltende Kruse nichts wissen. Von der Aussprache über die Situation des Landesverbands wurden die Medien per Parteitagsbeschluss ausgeschlossen.

Kruse sprach sich zuvor gegen eine ungebremste Einwanderung aus: „Die jetzige Zuwanderung ist nicht nachhaltig. Jemand muss das stoppen, aber dazu sind die Altparteien zu feige.“ Bei seinem Abschied als Parteivorsitzender verkündete Kruse, er wünsche sich einen "Teamplayer" als Nachfolger. Er forderte die Parteimitglieder auf, bei der Wahl am Nachmittag „kluge Entscheidungen zu treffen.“

Kruse will AfD trotz Kritik an Bundespartei nicht verlassen

Lucke hat inzwischen eine neue Partei mit dem Namen ALFA (Allianz für Fortschritt und Aufbruch) gegründet, für deren Ziele Noch-AfD-Chef Kruse große Sympathien hegt. „Die neue Partei ist die, von der ich glaubte, sie 2013 schon mit der AfD gegründet zu haben“, sagte Kruse zuletzt. Die AfD verlassen wolle er dennoch nicht. Kruse, der auch die Bürgerschaftsfraktion seiner Partei anführt, begründete dies mit dem Wählerauftrag.

Er sei bei der Bürgerschaftswahl im Februar für das AfD-Programm gewählt worden, sagte er. „Dem fühle ich mich verpflichtet, aber nicht dem, was die Bundespartei macht.“ Die AfD hatte bei der Bürgerschaftswahl unter Kruses Führung erstmals den Sprung in ein westdeutsches Landesparlament geschafft und acht Mandate geholt.

Es ist bereits das zweite Mal, dass in der AfD gleich mehrere Vorstände ihren Hut nehmen. Im Oktober 2014 warfen vier von neun Vorstandsmitgliedern das Handtuch und begründeten dies mit dem Einfluss von Ex-Mitgliedern der rechtspopulistischen Schill-Partei - allen voran der ehemalige Kurzzeit-Innensenator Dirk Nockemann, mit dem Kruse in der Fraktion seit Monaten im Clinch liegt.