Rothenburgsort

„Ein Phänomen, das ungeheure Wucht entfaltet“

Feuerwehrsprecher Thorsten Grams über den schweren Einsatz, das plötzliche Durchzünden und die psychologische Betreuung der Beamten.

Hamburg. Die Hamburger Feuerwehr hatte seit Anfang des Jahres bereits viele Großeinsätze – der Brand am Dienstag in Rothenburgsort war dennoch in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Das Abendblatt sprach mit Feuerwehrsprecher Thorsten Grams über den Einsatz.

Hamburger Abendblatt: Warum war es so schwierig, den Brand in Rothenburgsort zu löschen?

Thorsten Grams: Es handelt sich um ein sehr spezielles Gebäude. Solch ein Bunker hat keine Fenster und nur zwei Türen. Bei einem Brand sammelt sich der Rauch sehr schnell im Raum und bietet kaum Sicht. Die Decken sind aus meterdickem Stahlbeton, es gibt keine Dachluke oder weitere Zugänge. Normalerweise gehen wir immer von zwei Seiten an einen Brand heran. Das war in diesem Fall absolut ausgeschlossen. Und selbst auf einem Weg heranzukommen, war eine große Herausforderung.

Bei den Löscharbeiten kam es plötzlich zu einer Detonation innerhalb des Bunkers. War das vorauszusehen?

Grams: Eine solche Durchzündung entsteht, wenn sich sehr heißer Rauch sammelt, und dann plötzlich Sauerstoff herandringt. Dann kann es zu einer Druckwelle kommen. Eine bevorstehende Durchzündung kann man an der Farbe und der Konsistenz des Rauchs erkennen, wenn er wirklich pechschwarz ist. Aber dann bleibt kaum noch Zeit, um zu reagieren. Eine Durchzündung ist ein plötzliches Phänomen, das aber ungeheure Wucht entfaltet.

Kommt es häufiger zu solchen Durchzündungen bei Bränden?

Grams: Wir kennen Durchzündungen von vielen Schwelbränden. Normalerweise wird die Druckwelle aber dadurch abgeschwächt, dass Fenster und Türen, manchmal auch Raumwände bersten. Diesmal konnte die Druckwelle sich ihren Weg nur durch das Treppenhaus bahnen und mit aller Macht aus dem kleinen Eingang herausschießen. Leider wurden auch Feuerwehrleute im Treppenhaus davon erfasst und verletzt, andere Kollegen mussten das mit ansehen.

Wie wird den Feuerwehrleuten psychologisch geholfen?

Grams: Dass der Oberbranddirektor und der Innensenator Präsenz am Brandherd zeigen, ist ein schönes Zeichen. Wir achten sehr genau darauf, wie sich Kollegen nach einem Einsatz verhalten. Im Zweifel können wir dann sehr schnell einen Seelsorger vermitteln, der den Kollegen hilft, die Eindrücke vom Einsatzort zu verarbeiten.