Wilhelmsburg

500 zusätzliche Flüchtlinge für die Dratelnstraße

Provisorisches Wohnen: Flüchtlinge werden auch in diesem Container in Lokstedt untergebracht

Provisorisches Wohnen: Flüchtlinge werden auch in diesem Container in Lokstedt untergebracht

Foto: Axel Heimken / dpa

Die Kapazität der Erstaufnahme ist „komplett ausgeschöpft“. Der Bezirk Mitte ist gegen die Erweiterung .

Wilhelmsburg.  Die Innenbehörde will nach Abendblatt-Informationen die Erstaufnahme für Flüchtlinge an der Dratelnstraße in Wilhelmsburg massiv ausbauen: 500 weitere Plätze vornehmlich in Zelten sollen auf der südlichen Fläche, die zuvor als IGS-Parkplatz diente, entstehen. Das bestätigte Behördensprecher Frank Reschreiter dem Abendblatt. Auf der nördlichen Fläche sind bereits Flüchtlinge untergebracht, hier wird die Kapazität auf bis zu 690 Plätze ausgebaut.

Über die Pläne wurde Andy Grote (SPD), Leiter des Bezirksamts Hamburg-Mitte, aus der Innenbehörde informiert. Grote hat der zusätzlichen Aufnahme von bis zu 500 Flüchtlingen an der Dratelnstraße nicht zugestimmt. Das bestätigte Grote auf Abendblatt-Anfrage: „Dieser weitere erhebliche Ausbau der Erstaufnahme ist an der Dratelnstraße nicht mehr vertretbar. Das würde bedeuten, dass eine Gesamtkapazität von bis zu 1300 Plätzen entsteht, und das ist eindeutig zu viel für diesen Standort.“ Grote argumentiert weiter: „Unter Einberechnung der bereits vorhandenen und geplanten Unterkunftskapazitäten auf der Elbinsel werden mit der zusätzlichen Maßnahme insgesamt zwischen 2500 und 3000 Plätze entstehen.“

Am Mittwoch kamen 206 Flüchtlinge in Hamburg an – ein neuer Tagesrekord

Allerdings wird die Innenbehörde ihre Erweiterungspläne für die Fläche an der Dratelnstraße trotzdem zeitnah umsetzen: „Es handelt sich hierbei um eine Notmaßnahme nach Polizeirecht zur Abwendung von Obdachlosigkeit“, sagte Reschreiter. Allein am Mittwoch seien 206 neue Flüchtlinge in Hamburg angekommen, und das ist ein absoluter Tagesrekord. Die Kapazitäten in den elf Erstaufnahmen seien komplett ausgeschöpft und müssten dringend erweitert werden, so Reschreiter weiter.

Der Bezirk Mitte wird wohl noch deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen müssen: Zurzeit prüft die Innenbehörde, so wurde es Bezirksamtsleiter Grote von Staatsrat Krösser mitgeteilt, auch eine Erstaufnahme auf dem Verkehrsübungsplatz in Rothenburgsort einzurichten. Allerdings kritisiert Grote auch diese Pläne: „Mir ist nicht bekannt, dass es vergleichbare aktuelle Notmaßnahmen in anderen Bezirken gibt. Es ist klar, dass wir die Flüchtlinge unterbringen müssen, das kann aber nicht im diesem Maße einseitig dem Bezirk Mitte aufgebürdet werden.“

Wenn es um Flüchtlinge geht, muss auch Billstedt einen großen Beitrag leisten. In dem Stadtteil, der ebenfalls im Bezirk Mitte liegt, sind in drei Einrichtungen in einem Umkreis von nur einigen Hundert Metern fast 1400 Flüchtlinge untergebracht.

Der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete David Erkalp hatte im Abendblatt kritisiert: „Die Stadt benutzt Billstedt als Mülleimer. Die Verteilung der Flüchtlinge über die Stadtteile muss ausgewogen sein.“