Steinwerder

Bewährungsprobe für MSC "Splendida" mit 6600 Zuschauern

Das Kreuzfahrtschiff MSC „Splendida“ am neuen Kreuzfahrtterminal auf Steinwerder

Das Kreuzfahrtschiff MSC „Splendida“ am neuen Kreuzfahrtterminal auf Steinwerder

Foto: Klaus Bodig

Am Mittwoch machte die MSC „Splendida“ in Steinwerder fest. Ein Testlauf für das neue Kreuzfahrtterminal. Eröffnung in zwei Wochen.

Hamburg.  3200 Passagiere wollen mit ihrem Gepäck runter vom Schiff, 3400 neue Passagiere drängen an Bord. Und dann sind da noch rund 180 Tonnen Lebensmittel, die verladen werden müssen – willkommen zum Testanlauf der MSC „Splendida“ am neuen Kreuzfahrtterminal in Steinwerder.

Offiziell eröffnet wird das Terminal erst in knapp zwei Wochen. Bis dahin wird es noch mehrere Probeläufe geben. Nachdem am Sonnabend bereits die „AIDAbella“ anlegte, machte am Mittwoch die MSC „Splendida“ in ihrem neuen Heimathafen fest. Neben dem vollständigen Passagierwechsel wurde dabei zum ersten Mal auch das Beladen mit den Essensvorräten (Proviantierung), geprobt. Tatsächlich handelt es sich um eine Bewährungsprobe: Denn die Passagiere, die am Mittwoch auf dem neuen Terminalgelände mitten im Hafen herumlaufen, sind echte Menschen mit echten Problemen.

Ärger bereitet einigen Passagieren die Suche nach dem Koffer. „Da habe ich schon geguckt!“ Oder: „Der muss doch irgendwo hier sein“, tönt es durch die fußballfeldgroße Ankunftshalle. So mancher Passagier läuft verwirrt her­um und spricht einfach jeden Menschen an, der eine Uniform oder Warnweste trägt. Und davon gibt es genug: Männer und Frauen mit gelben Warnwesten, mit orangenen Warnwesten, mit beigefarbenen Jacken der Reederei, Leute in der dunkelblauen Uniform der Schiffsbesatzung. Nicht immer können sie weiterhelfen, da sie für andere Bereiche zuständig sind oder eigene Probleme haben: Hier fehlt ein Absperrband, dort muss noch eine Beschriftung angebracht werden. Ständig sprechen die Mitarbeiter in ihre Funkgeräte und Handys. Italienische, englische und deutsche Satzfetzen sind zu hören, in der Ferne lärmt eine Kreissäge, und über allem liegt das Klappern der Metallkörbe, in denen die Gabelstapler die Koffer anliefern.

Die Kreuzfahrtprofis Renate und Werner Lehmann aus Kiel lassen sich von dem Gewusel nicht aus der Ruhe bringen. Mit der „Splendida“ waren sie zwölf Tage unterwegs nach Großbritannien und Irland. „So ähnlich läuft das bei Kreuzfahrten doch immer ab“, sagt Renate Lehmann. Mit Ehemann und Koffer schlendert sie zum Ausgang.

Die Verkehrsanbindung des Terminals sorgt bei einigen Passagieren für Unmut

Als vorhersehbares Problem für die Gäste erweist sich die Anbindung des neuen Terminals an den Nahverkehr: Die nächste Bushaltestelle ist fast einen Kilometer entfernt. Wer mit dem eigenen Auto anreist, zahlt Parkgebühren. Der Blick auf den Parkplatz zeigt, dass viele Leute mit Reisebussen zum Terminal gelangt sind. Auf rund 80 der von Bord gehenden Passagiere aber wartet eine böse Überraschung. Am Vorabend habe man ihnen einen kostenlosen Shuttle zum Flughafen versprochen, erzählen sie. Tatsächlich gibt es lediglich einen Shuttle zum Hauptbahnhof. Der stellvertretende Hotelmanager des Schiffs, Michele Valestra, muss beschwichtigen. Auf Italienisch schimpft er in sein Handy und eilt los, für ein Interview bleibt keine Zeit.

Für die 3387 neuen Passagiere und die rund 1370 Crewmitglieder der „Splendida“ beginnt noch am selben Abend die Fahrt nach Norwegen. Eine Herausforderung ist daher auch die Verladung des Proviants. Der zweite Versorgungsoffizier Stefano De Martino erklärt: „Wegen der Tide in Hamburg müssen die Lebensmittel und das Gepäck mittels Kränen und in Metallkörben auf das Schiff geladen werden. Das kostet Zeit.“ Etwa acht Stunden dauere die Proviantierung in Hamburg.

Für die zwölftägige Fahrt lädt das Schiff 40.000 Eier und 33 Tonnen Obst

Zwölf Tage dauert die Fahrt nach Norwegen. Dafür nimmt die „Splendida“ etwa 180 Tonnen Lebensmittel an Bord, darunter etwa 13.000 Liter Milch, mehr als 40.000 Eier und rund 33 Tonnen Obst. Als sogenannter Provision Master kümmert sich Giulio Esposito um die Bestellung der Lebensmittel.

„Zunächst prüfen wir, was noch im Lager ist. Wie viel wir bestellen, hängt auch davon ab, wie lange die Tour dauert, wie viele Passagiere an Bord sind und aus welchen Ländern sie stammen. Die Italiener essen viel Pasta, für die Deutschen brauche ich Kartoffeln und Würstchen – und jede Menge Kaffee zum Frühstück“, sagt Esposito.

Crewmitglied Grygoriy Nogayev beaufsichtigt die Verladung der Lebensmittel. Er ist zufrieden. Gleich hinter der Ladeluke wird das angelieferte Obst und Gemüse gekostet und anschließend im Bauch des Schiffs verstaut. In einem Labyrinth aus Kühlräumen lagern Mangos, Salatköpfe, Melonen, Paprika, Gurken, Möhren ... So riecht es dort auch: erdig, nach Garten. Und während auf der Passagierebene hektisches Treiben herrscht, liegen die Gurken ordentlich in Plastikkisten.