Eurovision Song Contest

Ann Sophie beweist Humor: "We are the Zeroes of our time"

Nach der Niederlage postet die Hamburgerin ein humorvolles Video, schickt Glückwünsche nach Schweden und bedankt sich bei ihren Fans.

Wien/Hamburg. Nach ihrer bitteren Niederlage beim Eurovision Song Contest (ESC) beweist die deutsche Soulsängerin Ann Sophie (24) Humor. Sie veröffentlichte auf ihrer Facebook-Seite ein Video, bei dem sie mit Background-Sängerinnen den schwedischen Siegersong „Heroes“ nachmacht.

Jedoch singt sie nicht wie beim Original die Zeile „We are the Heroes of our Time“, sondern „We are the Zeroes of our Time“. Weiter schickte die 24-Jährige Glückwünsche nach Schweden: "Congratufuckinglations to Måns! He deserved it so much and I wish him all the best for his future ! Great song, great performance, great guy!"

Außerdem bedankte sie sich bei ihren Fans für die Unterstützung und gibt sich für die Zukunft optimistisch: "Thank you for all your support - I am not sad, this only makes me stronger. You make me stronger ! Since yesterday I have 10000 new Followers and Facebook likes - Thank you! Each and everyone of you counts and I am only doing this for us ! I will keep working, keep making music and doing what I love !"

Bittere Niederlage für Ann Sophie

365 Punkte für Schweden, 0 Punkte für Deutschland und für Gastgeber Österreich. Für die Hamburger Sängerin Ann Sophie war der Abend beim 60. Eurovision Song Contest in Wien bitter. Nach Ansichten der ARD hätte die 24-Jährige einen besseren Platz verdient gehabt. "Das war wirklich ein großartiger Auftritt", sagte Unterhaltungschef Thomas Schreiber am Sonntag. "Für Ann Sophie kann ich nur sagen, dass wir hinter ihr stehen und auch weiter mit ihr arbeiten wollen."

Italien hätte nach reinem Zuschauervoting gewonnen

Ann Sophie ist beim ESC oft nur ganz knapp an den Punkten vorbeigeschrammt. Dies ergibt sich aus der vorläufigen Analyse des Jury- und Tele-Votings. „Sie hat in der Summe mehrfach den 11., 12. oder 13. Platz belegt“, sagte ESC-Experte Irving Wolther am Sonntag. Punkte gibt es nur für die ersten zehn Plätze.

„Das ist wie ein vierter Platz im Sport. Man geht knapp leer aus“, sagte Wolther. Das Problem für die 24-jährige Hamburgerin seien eher die Jurys als die TV-Zuschauer gewesen. Die Zuschauer am Fernseher hätten auch einen anderen Sieger gekürt, sagte Wolther: „Italien hätte bei ihnen haushoch gewonnen, vor Russland und Schweden.“

"Null Punkte sind halt null Punkte"

Die Betroffene selbst gab sich Tapfer und gratulierte dem Sieger. "Es war wundervoll auf der Bühne zu stehen, und hat super viel Spaß gemacht. Aber null Punkte sind halt null Punkte. Der Sieg sei dem Gewinner gegönnt." Sie sehe dennoch alles weiter positiv und werde "natürlich weiter Musik machen, weil ich das liebe. Aber traurig bin ich auch."

Auch nach Meinung von "Dr. Eurovision", Irving Wolther, muss sich die Sängerin nicht für ihren Auftritt mit dem Soul-Song "Black Smoke" schämen. Wolther, der als Sprach- und Kulturwissenschaftler über den Eurovision Song Contest promovierte, erklärt, weshalb die deutsche Teilnehmerin dennoch so schlecht abschnitt.

"Der Ehrgeiz war ihr anzusehen"

Was war das Besondere am ESC 2015?

Wolther: Das große Unterscheidungsmerkmal war die Liebe zum Detail. Der Veranstalter hat sich unheimlich Mühe gegeben. Man hat aus den Fehlern gelernt, die andere Städte in der Vergangenheit gemacht haben.

Also geben Sie gute Noten für Österreich?

Wolther: Die Künstler, Delegationen und Fans haben das Gefühl bekommen, dass das ganze Land hinter der Veranstaltung steht. Das gab es so noch nie. Der Contest hatte mit „Building Bridges“ auch ein geniales und passendes Motto.

Wie war die musikalische Qualität?

Wolther: Das Finale hatte eine bemerkenswerte musikalische Bandbreite. Von Balkan-Balladen über Mainstream-Pop bis Elektro. Das Halbfinale hat tatsächlich praktisch alle schwächeren Songs ausgesiebt.

Wie sahen Sie Ann Sophie?

Wolther: Ann Sophie hat eine ganz souveräne Performance abgeliefert - und sich im Vergleich zu den anfänglich eher hektischen Auftritten deutlich gesteigert. Ihren eigentlich positiven extremen Ehrgeiz merkt man vielleicht etwas zu sehr auf der Bühne. Lena war es damals ziemlich egal, ob sie gewinnt. Ann Sophie hat nichts falsch gemacht. Der Song ist ein guter Radiosong, aber auf der Bühne schwer zu inszenieren. Da gerät man leicht in Vergessenheit.

Wäre Deutschland mit Andreas Kümmert erfolgreicher gewesen?

Wolther: Als Typ hätte er vielleicht mehr hervorgestochen. Aber er wäre angesichts seiner Schwierigkeiten, mit solchen Events umzugehen, eine tickende Zeitbombe gewesen. Der Stress eines ESC ist ungeheuer.

Wie schlimm sind die null Punkte?

Wolther: Statistisch sind es wahrscheinlich die schlechtesten Null-Punkte aller Zeiten, da so viele Länder abgestimmt haben. Es ist eine bittere Niederlage. Aber es sind nicht die schlechtesten Songs, die oft auf den hinteren Rängen landen. Meist sind es die ohne Ecken und Kanten. Es war einfach ein sehr starkes Feld.

Und Schweden hat alles richtig gemacht?

Wolther: Der schwedische Song ist ein mittelmäßiges Lied mit sensationeller Performance. Das Land ist im Musik-Business die führende Nation. Sie haben ein Gespür für Mainstream. Nicht umsonst sind Komponisten und Arrangeure aus Schweden international gesucht. Diesmal haben auch Russland, Georgien und Spanien solche Leute im Team gehabt.

Bei Bojana Stamenow aus Serbien hat der Saal getobt.

Wolther: Serbien war nur Fan-Favorit. Der Jury war der Song zu berechnend auf die schwule Fan-Gemeinde zugeschrieben. Beim serbischen Vorentscheid hatte das Lied noch einen anderen Text. Mit einer Regenbogen-Botschaft hätte Stamenow in Serbien nicht gewonnen. (HA/dpa)