Tarifkonflikt

Warum Hamburger Erzieher vor allem aus Solidarität streiken

Eltern-Grüppchen beim Picknicken in der Rathausdiele

Eltern-Grüppchen beim Picknicken in der Rathausdiele

Foto: Juliane Kmieciak

Die Gehälter in der Hansestadt sind höher als in anderen Bundesländern. Trotzdem könnte der Arbeitskampf noch wochenlang weitergehen.

Hamburg. So gemütlich sah Protest selten aus. Mit klein geschnittener Rohkost sowie Keksen und Getränken saßen am Freitag rund 250 Eltern, Kinder und auch ein paar Erzieher in der Hamburger Rathausdiele auf Decken – und picknickten.

Für ein Frühstück hätte es sicher einen besseren Ort gegeben, für ihr Anliegen aus Sicht der Teilnehmer aber nicht. Mit dem Protest-Frühstück wollten sie ihren Forderungen nach einer besseren Bezahlung für Erzieher genau dort Gewicht verleihen, wo sie gehört werden sollte: im Rathaus, in der Politik.

Bereits seit dem 8. Mai sind in Hamburg die Erzieher der kommunalen Kitas im Streik. Bis zu 25.000 Kinder sind von dem Ausstand betroffen. Viele Eltern sind durch den Streik ex­trem belastet. Manche befürchten, ihren Job zu verlieren, wenn sie ihre Kinder noch länger zu Hause betreuen müssen. Ver.di und GEW fordern für die bundesweit 240.000 Beschäftigten eine bessere tarifliche Eingruppierung – im Schnitt geht es etwa um zehn Prozent mehr Lohn und Gehalt.

Tatsächlich streiken die Hamburger Erzieher aber vor allem aus Solidarität: Weil der bundesweite Tarifvertrag in der Hansestadt nicht gilt, werden sie bereits deutlich besser bezahlt als ihre Kollegen in anderen Bundesländern. Während diese in der Tarifgruppe S 6 sind, werden die Hamburger Erzieher nach S 8 bezahlt. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass gerade wir so ex­trem bestreikt werden“, sagt Katja Nienaber, Geschäftsführerin der Elbkinder Tagesstätten, die 180 städtische Kitas betreibt. „Bei uns verdient eine Erzieherin als Berufsanfängerin 2478 Euro monatlich. Mit zunehmender beruflicher Erfahrung steigt das Gehalt auf bis zu 3319 Euro an.“ Höhere Eingruppierungen, wie jetzt gefordert, seien in Hamburg also schon längst umgesetzt.

Auf Bundesebene fordern die Gewerkschaften eine Entlohnung entsprechend der Tarifgruppe S 10. Das gilt als nicht finanzierbar, weil den Kommunen das Geld dafür fehlt. Finden Gewerkschaften und Arbeitgeber einen Kompromiss, würde der wahrscheinlich der in Hamburg bereits geltenden Entlohnungsstufe S 8 entsprechen.

Das gute bundesweit erzielte Ergebnis könnte sich dann aber doch in Hamburg auswirken. Denn die Gewerkschaften in der Hansestadt fordern bereits eine Entlohnung nach Tarifgruppe S 11 – und könnten dann, wenn der bundesweite Streik bereits befriedet ist, beginnen, sich für ihre eigenen Interessen einzusetzen. Dann ginge der Kita-Streik in Hamburg in eine weitere Runde.

Die Elbkinder Tagesstätten, die etwa ein Drittel der Hamburger Kinder betreuen, würde dieses Modell jährlich 15 Millionen Euro kosten. Dafür reiche das Entgelt nicht, das sie von der Stadt bekämen, sagt Franziska Larrá, ebenfalls Geschäftsführerin des städtischen Trägers. Insgesamt müsste die Stadt Hamburg dann pro Jahr 30 bis 40 Millionen Euro mehr für die Kinderbetreuung zahlen. Dennoch hoffen Kita-Träger und Eltern, dass Gewerkschaften und Arbeitgeber schnell wieder an einen Tisch kehren und sich einigen. Auf ein baldiges Streikende drängt unter anderem der Landeselternausschuss (LEA), der dafür am 26. Mai in der Innenstadt demonstrieren will. Die Elbkinder-Geschäftsführerinnen stellen in Aussicht, dass zu den 150 Kitas, die derzeit Notbetreuungen anbieten, bald weitere dazukommen. Es gibt eine entsprechende Anweisung aus dem rot-grünen Regierungslager.