Amtsgericht Mitte

Betrunkener Radfahrer fährt Siebenjährigen um – Geldstrafe

Ein Radfahrer fuhr einen Siebenjährigen an. Nun muss er 4000 Euro Geldstrafe zahlen.

Ein Radfahrer fuhr einen Siebenjährigen an. Nun muss er 4000 Euro Geldstrafe zahlen.

Foto: Michael Rauhe

Der Junge erlitt Platzwunden am Kopf und ein Schleudertrauma. Urteil des Gerichts: Angeklagter muss 4000 Euro Strafe zahlen.

Neustadt.  Die entscheidenden Momente in der Erinnerung von Erkan P., 49, sind wie ausgelöscht. Sie reißt am Abend des 2. August 2014 ab, als er sich nach viel Bier und Sangria beim Christopher Street Day auf sein Mountainbike setzt und losradelt. Und setzt wieder ein, als er vor Schmerzen gekrümmt auf einer Straße liegt und ein paar Meter weiter einen von vielen Menschen umringten Jungen sieht.

„Der hat mich so mit großen Kulleraugen angeschaut, der war schockiert“, sagt Erkan P. vor Gericht. „Ich kann das nicht vergessen“. Als er an jenem Abend selbst vor Schmerzen aufstöhnt – wie er später erfährt, hat er sich zwei Rippen gebrochen – habe er von Passanten gleich zu hören bekommen: „Guck mal, jetzt jammert der auch noch.“

Der Junge mit den Kulleraugen ist Clemens, sieben Jahre alt. Erkan P. ist am 2. August, gegen 22.30 Uhr, betrunken an der Kreuzung Neuer Krahn/ Brooksbrücke in der Altstadt erst über eine rote Ampel und dann in eine Fußgängergruppe gerast. Dort traf er mit hohem Tempo den Siebenjährigen, der gerade mit seinem Vater bei Grün die Straße überquerte. Der Junge erlitt durch den Zusammenprall Platzwunden an der Oberlippe und am Augenlid, Schürfwunden am Knie, ein Schleudertrauma, zudem lockerten sich zwei Zähne.

Erkan P. beteuert seine Reue

Die Staatsanwaltschaft hat den Unfall als gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und fahrlässige Körperverletzung angeklagt. Erkan P. hätte sich in diesem Zustand, so schwer alkoholisiert (mindestens 1,7 Promille), nie aufs Fahrrad setzen dürfen. Hätte vorhersehen müssen, dass es mit einiger Wahrscheinlichkeit zu einem Unfall kommen konnte, sagt die Staatsanwältin. Am Freitag beschäftigte der Fall das Amtsgericht Mitte.

Dort beteuert Erkan P. seine Reue, wieder und wieder. Er habe 800 Euro Schmerzensgeld an den Jungen gezahlt und sich per Brief bei ihm entschuldigt, er hätte auch noch mehr gezahlt, um die „Schmach“ zu tilgen und die Sache in Ordnung zu bringen. „Es tut mir wirklich so unendlich leid, ich würde alles geben, um es ungeschehen zu machen.“ Nach dem Unfall habe es jedenfalls „Klick“ bei ihm gemacht. Er habe einen ambulanten Alkoholentzug durchgestanden. „Seitdem fühle ich mich wirklich viel besser“, sagt er.

Alkoholisiert im Auto erwischt

Dass es ein Problem mit Alkohol geben könnte, hätte dem Angeklagten indes schon vor dem Unfall klar sein müssen, sagt die Staatsanwältin. Denn im Mai 2014, also drei Monate zuvor, sei er alkoholisiert am Steuer seines Autos erwischt worden. Im späteren Verfahren wurde deshalb sein Führerschein für ein Jahr eingezogen. „Ich war Single, habe häufig getrunken und mein Alkoholproblem leider viel zu lange auf die leichte Schulter genommen“, sagte Erkan P. gestern.

Das Amtsgericht zieht in seinem Urteil beide Taten zusammen und bildet eine (Gesamt-)Geldstrafe von 4000 Euro (80 Tagessätze à 50 Euro). Viel Geld für Erkan P., der bereits hohe Kredite aufnehmen musste, um seine bisherigen Anwalts-, Gerichts- und Schmerzensgeldkosten zu bezahlen.