HafenCity

Neue Ideen gegen Leerstand und Ladensterben

Irene Abelé vom Atelier Abelé und Hans Krausz von der Enoteca teilen sich die Geschäftsräume am Dalmannkai

Irene Abelé vom Atelier Abelé und Hans Krausz von der Enoteca teilen sich die Geschäftsräume am Dalmannkai

Foto: Klaus Bodig

Geschäftsleute beleben die HafenCity mit überraschenden Konzepten: Ein Weinhändler teilt sich die Räume mit einer Modedesignerin.

HafenCity.  In den vergangenen Monaten haben Schreckensmeldungen über das Ladensterben in der HafenCity in der Stadt die Runde gemacht. Etliche Geschäftsleute gaben auf, und nach wie vor stehen Läden in dem neuen Stadtteil leer. Jetzt gehen die gebeutelten Geschäftsinhaber in die Offensive: Sie versuchen, der HafenCity mit neuen Strategien mehr Leben einzuhauchen. Mit Erfolg.

„Shop-Sharing“ nennt sich ein Konzept, das Irene Abelé und Hans Krausz ausprobieren. Seit zehn Jahren gestaltet Abelé erfolgreich Mode, seit zweieinhalb Jahren betreibt sie ihr Atelier am Dalmannkai. Dort ist sie näher an den Kunden und den großen Passagierschiffen, die sie mit ihren Arbeiten bestückt. Denn die Unternehmerin und ihre Mitarbeiter nähen in ihrer Werkstatt unter anderem Bühnenkostüme für die Künstler, die auf Kreuzfahrtschiffen die Gäste unterhalten.

Doch auch wenn Abelé viele Kunden aus dem ganzen Bundesgebiet hat, macht sich die klassische Laufkundschaft rar am Dalmannkai. Um die hohe Ladenmiete trotzdem zu stemmen, tat sie sich im vergangenen Oktober mit Hans Krausz zusammen, der die Hälfte ihres Ladengeschäfts übernahm. Krausz, ursprünglich erfolgreicher Motivationstrainer, erfüllte sich mit einem eigenen Bistro am Dalmannkai einen Lebenstraum. Seine „Enoteca Enerbanske“ bietet neben kulinarischen Köstlichkeiten und Wein auch südländisches Flair – und damit eine schöne Ergänzung zu Irene Abelés farbenfrohen Kostümen. Das neue Konzept geht auf: Seit der Laden zweigeteilt ist, begleiten deutlich mehr Männer ihre Ehefrauen zum Kleiderkauf. „Die sitzen vorne und trinken einen Wein, während sich ihre besseren Hälften bei der Anprobe mehr Zeit lassen können“, erzählt Krausz lachend.

Auch Nisvican Roloff-Ok, in der Gegend von vielen einfach „Nissi“ genannt, hat sich einiges einfallen lassen, um mehr Menschen an den Dalmannkai zu locken. „Nissis Kunstkantine“ hatte schon von Anfang an etwas Besonderes zu bieten – nämlich die Kombination aus Gemäldeschau und gutem Essen. Doch seit „Nissi“ ihr Konzept ausgeweitet hat, tummeln sich deutlich mehr Kunden in ihrem Laden. Inzwischen gibt es in den gemütlichen Räumen auch Lesungen und Musik, richtige Happenings, mitten im Herzen der HafenCity. Die Homepage gibt Auskunft über ein pralles Programm: An jedem zweiten Freitag im Monat lesen namhafte Autoren, dazu werden Live-Musik und spezielle Menüs geboten.

Gerade wurde in der Kunstkantine ein Jubiläumsfest mit Jazzmusik gefeiert, im Sommer steht ein Fest mit vielen Künstlern auf dem Programm. „Ich bin bis 2017 ausgebucht“, sagt Nissi.

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Video: Hamburg 1

Ein ganz anderes Konzept hat Jürgen Müller entwickelt, um die Gegend in der Nähe des Dalmannkais neu zu beleben. Der sympathische Künstler, eine Ikone in der Hamburger Fotografen-Szene, residiert mit seinem Studio eigentlich an der Peutestraße auf der Veddel. Nun hat er noch eine Galerie am Großen Grasbrook eingerichtet – ausgerechnet dort, wo das Ladensterben zuletzt dramatische Formen angenommen hatte. Im vergangenen Jahr schlossen hier ein Blumen- und ein Saftladen, nur der Optiker, der damals auch in Schwierigkeiten steckte, macht tapfer weiter. Müller präsentiert seine fantastischen Fotos in einem der leer stehenden Läden – „zu Sonderkonditionen“, wie er sagt. Zwar klebt ein „Zu vermieten“-Schild an der Scheibe der Photokunst-Galerie, aber dank der großformatigen, weithin sichtbaren Fotos wirkt der Straßenzug viel belebter. Auch in den Chefetagen der HafenCity ist man von Müllers Initiative angetan, schon wird über künftige gemeinsame Projekte verhandelt. „Ich mache weiter, wenn man mich lässt“, verkündet Müller, „das Ganze fängt gerade an, mir Spaß zu machen.“

Hohe Ladenmieten, relativ wenig Laufkundschaft und mangelnde Unterstützung durch die Stadt – darüber wird in der HafenCity viel und vielfach zu Recht geklagt. Nicht jedoch von diesen vier Unternehmern, die mit eigenen Konzepten gegen Leerstand und schlechte Laune anarbeiten. Dass sich die Gegend noch entwickeln muss und wird – darüber sind sie sich einig. Und auch darüber, dass sie ihren Teil dazu beitragen werden.