Landgericht Hamburg

18 Monate Haft für Reizgasangriff in Neuengamme

Der 45-Jährige muss für seine Attacke auf ehemalige Zwangsarbeiter bei einer Gedenkveranstaltung in Bergedorf definitiv ins Gefängnis, urteilte das Landgericht. Der Täter hatte auf eine Bewährungsstrafe gehofft.

Neustadt . Sie wurden als Kinder und Jugendliche unmenschlichen Qualen ausgesetzt, ausgebeutet und geschunden, als Opfer der Nationalsozialisten im Konzentrationslager Neuengamme. Und dann der Anschlag, ausgerechnet bei einer Gedenkveranstaltung in Bergedorf, zu der die ehemaligen Zwangsarbeiter als Ehrengäste eingeladen waren: Ein Mann sprühte den mittlerweile hoch betagten Männern und Frauen Reizgas ins Gesicht.

Wegen dieser Attacke vom 21. September 2012 wurde Frank A. bereits zu 18 Monaten Haft verurteilt. Gestern vor dem Landgericht kämpfte der 45-Jährige darum, dass diese Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird.

„Was mir vorgeworfen wird, ist richtig“, räumte der Angeklagte ein. „Ich weiß auch nicht, welcher Teufel mich da geritten hat.“ Er habe seinerzeit unter anderem wegen des Todes seiner Mutter in einer Lebenskrise gesteckt, sich aber mittlerweile stabilisiert. „Ich bitte um Verzeihung für das körperliche und seelische Leid“, das er den betagten Menschen angetan habe.

In einer früheren Verhandlung hatte Frank A. betont, kein Neonazi zu sein. Gleichwohl hatte er ein halbes Jahr vor dem Anschlag von Bergedorf dem Holocaust-Leugner Horst Mahler judenfeindliche Hetzschriften ins Gefängnis geschickt. Und dann also die Reizgas-Attacke auf sieben teils gebrechliche Menschen bei der Veranstaltung, auf der im Gedenken an die Zwangsarbeiter ein Mahnmal eingeweiht werden sollte.

Angriff als gefährliche Körperverletzung gewertet

Das Amtsgericht Bergedorf hatte den Angriff als gefährliche Körperverletzung gewertet. In der Berufungsverhandlung bestätigte das Landgericht die Strafe. Die Revision vor dem Oberlandesgericht hatte allerdings Erfolg, so musste sich das Landgericht jetzt wieder mit dem Strafmaß beschäftigen.

Die 18-monatige Freiheitsstrafe könne auf keinen Fall zur Bewährung ausgesetzt werden, urteilte jetzt das Landgericht. Der Anschlag sei „geprägt von der Niedertracht“ des Angeklagten und „besonders gemein und widerwärtig“. Frank A. habe Menschen, die in ihrer Jugend Opfer eines menschenverachtenden Regimes wurden, erneut „in unerträglicher und menschenverachtender Weise behandelt“.

In Bergedorf wurden in der Nazi-Zeit Tausende Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge eingesetzt.