Demo gegen Sexualkunde

Polizei untersucht Gewaltszenen bei eskalierter Eltern-Demo

Am Sonnabend kam es in der Innenstadt zu Übergriffen zwischen streng gläubigen Eltern und Gegendemonstranten. Die Polizei wird für den Einsatz von Schlagstöcken kritisiert. Ein Video sorgt für Wirbel.

Hamburg. Rund 1000 Gegendemonstranten haben am Sonnabend in Hamburg gegen eine Demonstration von Eltern gegen den Sexualkundeunterricht an Grundschulen protestiert. Einige Teilnehmer hätten versucht, die rund 150 Teilnehmer der Eltern-Demo auf ihrem Weg vom Hauptbahnhof zum Rathaus immer wieder zu blockieren, sagte ein Polizeisprecher.

Die Gegendemonstranten protestierten zunächst farbenfroh und friedlich, zeigten Transparente und sangen. Das Hamburger Aktionsbündnis "Vielfalt statt Einfalt" hatte zu der Kundgebung aufgerufen. SPD, Grüne, Linke und einige Kirchengemeinden hatten sich dem Aufruf angeschlossen. Die 150 Teilnehmer der Demonstration “Besorgte Eltern“ trugen wiederrum Plakate mit Aufschriften wie “Eine Grundschule ist kein Swingerclub“. Das streng religiöse Bündnis fordert, Sexualkunde nicht in der Grundschule zu unterrichten.

Mehr als hundert Polizeibeamte trennten die beiden Gruppen. Am frühen Nachmittag zog die Gruppe dann von Polizisten und Gegendemonstranten umringt durch die Mönckebergstraße zum Rathaus. Nach Angaben der Polizei gab es einige „Rangeleien“. Später wurde auf beiden Seiten vereinzelt mit Schneebällen, Böllern und Flaschen geworfen. Eine 15-jährige Teilnehmerin der Eltern-Demo erlitt dabei eine Kopfplatzwunde. Die Polizei setzte Schlagstöcke ein und nahm mindestens einen Gegendemonstranten in Gewahrsam.

Video sorgt für Wirbel

Am Sonntag fand ein Videomitschnitt von vermeintlicher Polizeigewalt rasche Verbreitung in den sozialen Netzwerken. Darin ist nach einem Kameraschwenk zu sehen, wie mehrere behelmte Polizisten einen Mann am Hauptbahnhof zu Boden drücken und treten. Das Video soll bei der Demonstration am Sonnabend entstanden sein und ist bei YouTube zu sehen.

Gegenüber der „Mopo“ gab sich der im Video gezeigte Mann als Mitglied der IG Metall zu erkennen. Er habe für die Gewerkschaft Videoaufnahmen der Demonstration und gemacht und sei den Beamten in keiner Weise feindselig gegenübergetreten. Er wolle nun Anzeige erstatten.

Polizeisprecher Andreas Schöpflin kündigte gegenüber dem Abendblatt an, den Fall zu untersuchen. „Wir werden genau aufarbeiten, ob in diesem Fall ein Fehlverhalten vorlag. Es ist jedoch eindeutig festzuhalten, dass dieses Video nur einen kleinen Ausschnitt der Gesamtsituation zeigt. Niemand kann darauf sehen, was möglicherweise vorausgegangen ist“, so Schöpflin weiter.

Der Polizeisprecher spricht von einem „hochgradig aggressiven Auftreten“ von Gegendemonstranten, ohne das Wirken der Beamten hätte es viele Verletzte geben können. „Die Polizei hat den Auftrag, Versammlungen zu schützen. In dem Fall haben wir das auch getan“, sagte Schöpflin. In sozialen Netzwerken wurde der Einsatz von Schlagstöcken dagegen noch am Tag der Demonstration scharf kritisiert. Teilnehmer sprachen davon, dass einige Gegendemonstranten „regelrecht aus dem Weg geknüppelt“ worden seien.

Zunächst friedlicher Gegenprotest

Zuvor hatten sich die Gegendemonstranten auf dem nahe gelegenen Hansaplatz in St. Georg versammelt. Vor allem Regenbogenfahnen bestimmten das Bild als Symbol für sexuelle Vielfalt. Stefan Mielchen, Vorsitzender vom Aktionsbündnis "Vielfalt statt Einfalt", forderte eine zeitgemäße Sexualpädagogik für Kinder, die die Vielfalt der sexuellen Orientierungen berücksichtigt. Kinder sollten dafür sensibilisiert werden, welche Art von Berührung sie wollen und welche nicht. Dies dürfe nicht als Sexualisierung diffamiert werden.

„Besorgte Eltern“ ist eine bundesweite Initiative, deren Mitglieder als streng gläubig gelten. In den vergangenen Monaten waren bereits in Frankfurt, Köln, Dresden und anderen Städten Mitstreiter auf die Straße gegangen.