Billstedt

Ganztagsschulen gefährden Kinderclubs in Hamburg

Weil es kein Geld mehr von der Behörde gibt, droht dem Schulkinderclub Öjendorfer Höhe in Billstedt nach 65 Jahren das Aus. Die Einführung von Ganztagsschulen bedrohen besonders solche Einrichtungen.

Billstedt/Bahrenfeld. Weil es keine Gelder mehr von der Behörde gibt, droht dem Schulkinderclub Öjendorfer Höhe in Billstedt nach 65 Jahren das Aus. Durch die Einführung der ganztägigen Bildung und Betreuung an den Grundschulen sind vor allem Einrichtungen betroffen, die sich tagsüber um Kinder und Jugendliche kümmern. Auch die Kita Wichmannstraße in Bahrenfeld muss nach 19 Jahren schließen – sehr zum Bedauern von Eltern und Kindern.

„Viele Kinder haben schon schwere Sachen durchgemacht, sie werden im Schulkinderclub aufgefangen und klasse betreut“, sagt Bianca Beier. Ihr Sohn Fabian-Maurice, 7, besucht nachmittags den Club, der speziell auf Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen oder Kinder mit Lernschwierigkeiten zugeschnitten ist. Der Allgemeine Soziale Dienst und die Familienhilfe vermitteln die Kinder und Jugendlichen in diese Einrichtung. In der Betreuung an seiner Schule, ist sich seine Mutter sicher, würde der Förderschüler in den großen Gruppen untergehen.

Anders als in der Nachmittagsbetreuung in den Schulen sind die Gruppen im Schulkinderclub kleiner – ideal, um auf Förderschüler wie Fabian-Maurice eingehen zu können. 27 Kinder im Alter von sechs bis 18 Jahren werden dort bislang betreut. „Bei der Hausaufgabenbetreuung kommt eine Hausaufgabenhilfe auf vier Kinder, sodass auch Kinder mit Problemen nicht durchs Raster fallen“, sagt Bianca Beier. Ihr Sohn musste im ersten Schuljahr Nachhilfe in Deutsch nehmen, „jetzt ist dank des Schulkinderclubs das Defizit behoben, er ist auf dem Stand der anderen“, sagt sie. Der Club hat bis 19.30 Uhr und auch in den Ferien geöffnet. Nun sollen Fabian-Maurice und die anderen Kinder in die Nachmittagsbetreuung ihrer Schulen wechseln. Er wird dort untergehen, ist sich seine Mutter sicher.

Die Schließung sei bedauerlich, aber unvermeidbar, so Franziska Larrá vom städtischen Kita-Träger Elbkinder. Sie sagt: „Wir haben dort super Erfolge erzielt.“ Auch mit Jugendlichen, die älter sind als 14 Jahre und eigentlich aus dem Kitagutscheinsystem herausfallen. Etwa fünf von ihnen sind dort noch in der Betreuung, finanziell gefördert von der Behörde. Manche der Jugendlichen, sagt Frau Larrá, drohten ins kriminelle Milieu abzurutschen. Mit dem Wegfall der Hortgutscheine fehlten nun die finanziellen Mittel. Von ehemals vier Schulkinderclubs der Elbkinder bleibt lediglich der Club am Billbrookdeich.

Für den Standort Öjendorfer Höhe hatte die zuständige Sozialbehörde dem Träger noch im März eine Zusage gegeben, das Angebot weiter finanziell zu fördern. Ende Juli kam die Absage. Der Grund: Doppelstrukturen sollten vermieden werden, heißt es in der Antwort auf eine schriftliche Kleine Anfrage von Christoph de Vries, familienpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion. Schulkinder bis 14 Jahre könnten an den Schulen betreut werden, Jugendliche bis 18 Jahre bei QuoVadis, einem Jugendhilfeangebot in der Nähe.

„Wir erleben im Zuge der GBS-Umstellung immer häufiger, dass wichtige pädagogische Betreuungs- und Förderangebote, die zuvor von der Sozialbehörde aus gutem Grund finanziert wurden, zerschlagen werden, ohne dass es adäquaten Ersatz dafür gibt. Senator Scheele darf dieser Entwicklung nicht weiter zusehen. Es ist ungeheuerlich, dass sich die Behörde nicht an gemachte Zusagen hält“, sagt Christoph de Vries. Der Schulkinderclub überzeuge durch außergewöhnlich lange Betreuungszeiten und biete eine außerschulische Begleitung bis zum 18. Lebensjahr mit großem Erfolg an. „Wir fordern seine dauerhafte finanzielle Absicherung.“

Auch die Kita Wichmannstraße in Bahrenfeld muss schließen. Alle Bemühungen der Eltern und des Trägers Elbkinder waren vergebens. „Das ganze Verfahren wirft ein verheerendes Bild auf die Arbeit der Behörden“, so de Vries. Immer wieder würde die Bedeutung der Betreuungsplätze betont, gleichzeitig werde die Arbeit einer anerkannten Kita kaputt gemacht.

Zum Hintergrund: Die Kita muss ihren bisherigen Standort auf dem Gelände der Grundschule Groß Flottbek aufgeben, weil die Schule die Räume für die ganztägige Bildung und Betreuung benötigt. Ein anderer Träger hat dort die Nachmittagsbetreuung für die Schulkinder übernommen. Ein Neubau auf dem Grundstück der Schule wurde der Kita verwehrt. De Vries: „Es ist nicht zu verstehen, dass einem anderen Träger auf dem Schulgrundstück eine Fläche zum Bau einer Kita angeboten wurde, aber dieselbe Fläche dem Träger Elbkinder nicht mehr zum Bau einer neuen Kita zur Verfügung steht, nachdem der andere Träger sich dagegen entschieden hat.“