Tarifverhandlungen

Hamburger Philharmoniker drohen mit Streik

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Daniel Schaefer

Orchestermusiker der Hamburger Staatsoper beklagen Stellenabbau und ausbleibende Lohnerhöhungen. Sollten die Tarifgespräche mit den Arbeitgebern scheitern, drohen ab Ende Oktober erste Vorstellungen auszufallen.

Hamburg. Die Hamburger Philharmoniker wissen am Besten, was eine gute Sinfonie ausmacht. Kurz bevor der Kontrabass schweigt und die Posaune verstummt, dreht das Orchester vor dem Finale richtig auf. In diesem Fall komponieren sie jedoch ihr eigenes Arrangement - ganz ohne Instrumente.

Am Montag traten die Philharmoniker der Hamburger Staatsoper im Rahmen eines deutschlandweiten Aktionstages in einen kurzzeitigen Warnstreik, um noch einmal lautstark auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Rund 50 Musiker demonstrierten vor dem Gebäude an der Dammtorstraße gegen Orchester- und Musikerstellenabbau. Gleichzeitig forderten sie, die seit 2010 ausgebliebenen Tariferhöhungen für die betroffenen Staats- und Kommunalorchester nachzuholen.

Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) als Gewerkschaft der deutschen Orchestermusiker, will mit dem Warnstreik den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. „Seit 2010 hat es keine Lohnerhöhung mehr gegeben“, sagte DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens dem Abendblatt. In der vergangenen Woche hatte das Bundesarbeitsgericht entschieden, dass die Staats- und Kommunalorchester keinen einklagbaren Rechtsanspruch mehr auf die Lohnerhöhungen des öffentlichen Dienstes haben. Seitdem stehen die Zeichen auf Sturm.

Am Dienstag beginnen in Berlin zwischen der DOV und dem Deutschen Bühnenverein für die Arbeitgeber Tarifgespräche, ob und wie die Lohnabschlüsse des öffentlichen Dienstes rückwirkend seit 2010 auf die Staats- und Kommunalorchester übertragen werden können. Drei Verhandlungstage sind im Oktober angesetzt.

Gleichzeitig fordern die deutschen Orchester, den Musikerstellenabbau einzustellen. „Das Maß ist jetzt voll“, sagte Gerald Mertens. „Es muss endlich Schluss sein mit dem Orchester- und Musikerstellenabbau in Deutschland. Unser weltweit einmaliges Kulturerbe ist massiv gefährdet.“ Allein in den letzten 20 Jahren seien von ehemals 168 Orchestern 37 verschwunden.

Bei den Warnstreiks vom Montag handelt es sich nach Auskunft der Orchestervereinigung um „einen einmaligen Auftakt“. Lediglich die Proben seien abgesagt worden. Sollte es jedoch mit dem Deutschen Bühnenverein zu keiner Einigung kommen, drohen ab Ende Oktober erste Vorstellungen in Hamburg auszufallen. Dann könnte es im Orchestergraben womöglich für längere Zeit still bleiben.