Wilhelmsburg

Nach Streit um Opernfundus: Was wird aus Zinnwerken?

Mit der „eindeutigen Empfehlung“ von Oberbaudirektor Jörn Walter, den Opernfundus in Rothenburgsort und nicht in Wilhelmsburg zu errichten, sind die Abrisspläne für die dortigen Zinnwerke vom Tisch.

Hamburg. Die Anlieger am Veringkanal atmen auf. Mit der „eindeutigen Empfehlung“ von Oberbaudirektor Jörn Walter an die Senatskommission, den Opernfundus in Rothenburgsort und nicht in Wilhelmsburg zu errichten, sind die Abrisspläne für die dortigen Zinnwerke vom Tisch.

In ihrem Widerstand gegen die Senatspläne waren sich alle einig: die Wilhelmsburger Beiräte, die Bürgerschaft und sogar der Supermarkt gegenüber, der Plastiktüten mit dem Slogan: „Zinn macht Sinn“ bedruckte, und die städtische Kreativgesellschaft, deren Geschäftsführer Egbert Rühl sich für den Erhalt des Standortes einsetzte.

„Alleine wäre ein solcher Erfolg nicht möglich gewesen“, sagt Marco Antonio Reyes Loredo, Produzent der „Konspirativen Küchenkonzerte“ und Initiator des Protests. „In den letzten Monaten haben wir gelernt, dass einzelne Bürger zusammen wirklich etwas bewegen können.“ Die formelle und endgültige Entscheidung der Senatskommission wird voraussichtlich auf deren nächster Sitzung am 15. August fallen.

Doch wie geht es dann mit dem Areal am Veringkanal weiter, das neben den Kreativen in den Zinnwerken auch seit Jahrzehnten von Gewerbetreibenden genutzt wird? „Der nächste Schritt ist die Rücknahme der Kündigungen“, sagt Reyes Loredo. Die Politik müsse Rahmenbedingungen schaffen, fordert der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Metin Hakverdi aus Wilhelmsburg. Die von Bezirksamtsleiter Andy Grote (SPD) aufgebrachte Idee eines „Kulturkanals“ sei gut. Sie zu realisieren käme aber einem Balanceakt gleich. Hakverdi: „Dafür ist Fingerspitzengefühl nötig, denn das Einmischen von Politik ist eigentlich das Gegenteil von Kreativwirtschaft.“ Wichtig sei, die Gewerbetreibenden mit einzubeziehen. „Auch Reifen-, Auto- und Getränkehändler sind Bestandteil der gewachsenen Szene, sie dürfen nicht ausgeschlossen werden.“

Momentan gebe es „eine hohe Sensibilität für die Entwicklungen am Veringkanal und die Erkenntnis, dass es wirklich ein einzigartiges Gelände ist, das es zu schützen gilt“. Auch auf Bundesebene scheint sich das herumgesprochen zu haben. Am Sonnabend traf sich Katrin Göring-Eckardt, Spitzenkandidatin der Grünen für die Bundestagswahl, mit ihren Parteifreunden Anja Hajduk und Manuel Sarrazin in den Zinnwerken zum Frühstück. Die drei Politiker ließen sich von Loredo über das Gelände führen. Göring-Eckardt zeigte sich erfreut über die „Rettung“ und verwies auf ähnliche Projekte in Leipzig und Nürnberg. „Wir waren uns einig, dass rund um die Zinnwerke wirklich bürgernahe Stadtentwicklung entstehen kann“, sagt Loredo.