Einsatz

Kurse zur Selbstverteidigung für Rettungskräfte gefordert

In St. Georg verletzte ein Betrunkener Rettungshelfer im Gesicht. Berufsverband: Zahl der Attacken ist in den letzten Monaten gestiegen.

Hamburg. Sie wollen helfen - doch das Risiko fährt mit... - Ein stark betrunkener Patient hat in Hamburg die Besatzung eines Rettungswagens angegriffen. Die zwei Rettungshelfer hatten den Mann am Sonntag vor der Wache am Steindamm aufgegriffen. Im Rettungswagen bespuckte er zunächst die Helfer und wurde dann handgreiflich. Die Rettungshelfer erlitten Verletzungen im Gesicht und wurden im Krankenhaus St. Georg ambulant behandelt.

Daniel Dahlke, Vorsitzender des Berufsverbands Feuerwehr Hamburg, beklagt die Hilflosigkeit seiner Kräfte und fordert Selbstverteidigungskurse für sie. „Das würde eine passive Sicherheit schaffen”, so Dahlke. Bisher seien solche Kurse freiwillig, das Kontingent sei zu gering, flächendeckend könnten sie gar nicht angeboten werden. Vor allem für die Kollegen an den Brennpunkt-Wachen wie in Altona, an der Reeperbahn oder am Berliner Tor wünscht sich Dahlke die Selbstverteidigung.

Viele der Rettungshelfer gingen mit einem mulmigen Gefühl in die Einsätze. Auch der aktuelle Fall schockiere die Belegschaft. Dahlke selbst wurde bereits mehrfach Opfer von Übergriffen. Als er vergangenes Jahr eine Schlägerei schlichten wollte, bekam er einen Tritt in den Unterleib, wurde bespuckt. Pöbeleien und Handgreiflichkeiten gehören zu seinem Alltag.

Dennis Gladiator, Fachsprecher Feuerwehr der CDU-Bürgerschaftsfraktion, hat eine Kleine Anfrage zur genauen Anzahl der Übergriffe und Gegenmaßnahmen an den Senat gestellt. Die Ergebnisse werden in den nächsten Tagen erwartet. Dahlke rechnet mit einem Anstieg in den vergangenen Monaten und mit einer hohen Dunkelziffer. „Viele der Übergriffe bringen die Kollegen gar nicht zur Anzeige, weil der bürokratische Aufwand enorm hoch ist”, so Dahlke.