Rücktritt nach Fall Chantal

Schreiber baut jetzt Wohnungen auf dem Kiez

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Markus Schreiber, der zurückgetretene Bezirksamtsleiter von Mitte, wird Prokurist bei der Immobilienfirma Außenalster WPB Holding.

Harvestehude. Seine Laune ist bestens, Markus Schreiber strahlt. Denn die Aussicht ist gut - nicht nur aus seinem neuen Büro in der ersten Etage eines eleganten Stadthauses an der Hochallee. Der frühere Bezirksamtsleiter von Mitte hat einen neuen Arbeitsplatz: Der 51-Jährige arbeitet jetzt als Prokurist bei der Außenalster WPB Holding GmbH, einem Unternehmen, das auf die Umwandlung von Büros in Wohnungen spezialisiert ist.

"Mir geht es gut. Nach zehn Jahren als Bezirksamtsleiter habe ich die Seiten gewechselt und arbeite jetzt in der freien Wirtschaft", sagte Markus Schreiber dem Hamburger Abendblatt. Er verdiene gut, habe "zwar keinen Chauffeur mehr, aber einen Firmenwagen". Vor der Tür steht ein schwarzer BMW, auf dessen Nummernschild die Initialen "MS" prangen.

Der Seitenwechsel war jedoch bekanntlich nicht ganz freiwillig. Denn nach dem Tod der elfjährigen Chantal, die im Januar in einer Wilhelmsburger Pflegefamilie an einer Methadon-Vergiftung gestorben war, musste Schreiber als verantwortlicher Bezirksamtschef sein Amt zur Verfügung stellen. Die Oppositionsparteien hatten ihn zu diesem Schritt gedrängt.

Als ehemaliger Lehrer hätte Schreiber wieder an einer Schule arbeiten oder eine Stelle in einer Behörde annehmen können: "Die Angebote waren aber nicht besonders spannend. Ich habe mich als Beamter pensionieren lassen", sagte Schreiber. Bereits wenige Tage nach seinem Rücktritt habe ihn sein neuer Chef, Eckart von Seydlitz, angerufen und ihm den Job angeboten. Man kannte einander, weil von Seydlitz am Hansaplatz - im Bezirk Mitte - ein ehemaliges Stundenhotel in Wohnungen umwandelt.

Sein neuer Job führt Markus Schreiber häufig auf den Kiez: Auf dem Hamburger Berg, direkt über der Kneipe Lucky Star, soll ein siebengeschossiger Neubau entstehen. Über der Büroetage werden 28 Wohnungen für Studenten gebaut: "Wer studiert, kann hier für wenig Geld mitten auf St. Pauli wohnen." Auch in Zukunft will Schreiber "günstigen Wohnraum" schaffen: "Wir sind aus diesem Grund bereits an Flächen in Harburg und Wilhelmsburg dran." Das ist aber nur ein Aspekt der neuen Arbeit: "Wir vertreiben selbstverständlich auch Eigentumswohnungen. Zurzeit wird ein Haus am Rotherbaum in Wohnungen umgewandelt. Da müssen die Interessenten den marktüblichen Preis bezahlen."

Heute wird übrigens Schreibers Nachfolger Andy Grote (SPD) in das Amt des Bezirksamtsleiters eingeführt.