Gipfel-Randale

G20-Angeklagter Fabio V. entlassen – mit Applaus

G20-Krawalle: Der Angeklagte Fabio V. im Amtsgericht Altona am Montag mit seiner Verteidigerin Gabriele Heinecke

G20-Krawalle: Der Angeklagte Fabio V. im Amtsgericht Altona am Montag mit seiner Verteidigerin Gabriele Heinecke

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Italiener ist nach fast fünf Monaten in Untersuchungshaft wieder auf freiem Fuß. Der Prozess geht aber weiter.

Hamburg. Als Fabio V. den Verhandlungssaal verlässt, als freier Mann und mit einem Lächeln im Gesicht, brandet Jubel auf. Unterstützer des 18-Jährigen klatschen, seine Mutter nimmt ihn in den Arm. Draußen vor dem Eingang des Amtsgerichts schenkt jemand Sekt in Plastikbechern aus; der Italiener nimmt einen Schluck und wirkt selig: Nach seiner Verhaftung beim G20-Gipfel und mittlerweile fast fünf Monaten in Untersuchungshaft hat Fabio V. jetzt erstmal Grund zum Feiern. Und das sagt er auch. „I feel good.“

Der Entlassung des 18-Jährigen aus dem Gefängnis ist ein juristisches Tauziehen vorausgegangen. Seit dem 16. Oktober läuft der Prozess gegen Fabio V., dem unter anderem schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen wird. Laut Anklage war er am 7. Juli am Rondenbarg in einer Gruppe von 150 bis 200 vermummten Personen unterwegs, aus der heraus Steine und pyrotechnisches Gerät auf Polizeibeamte geworfen wurden.

Von Beginn an hatte sich seine Verteidigung darum bemüht, dass der 18-Jährige aus der Untersuchungshaft kommt. Das Hanseatische Oberlandesgericht (OLG) hatte allerdings zunächst die Fortdauer der Inhaftierung verfügt und dies unter anderem damit begründet, dass Fabio V. an „schweren Ausschreitungen“ beteiligt gewesen sei. Der Angeklagte selber hatte betont, er habe keinen einzigen Stein geworfen. Für den Vorwurf des schweren Landfriedensbruchs allerdings reicht es, wenn der Täter als Teil der Menge die von ihr ausgehende Gewalt unterstützt.

Staatsanwaltschaft hatte gegen die Entscheidung Beschwerde eingelegt

Mitte November hatte dann zunächst das Amtsgericht und später auch das Landgericht entschieden, dass Fabio V. unter Auflagen frei komme könne. Gegen beide Entscheidungen hatte die Staatsanwaltschaft Beschwerde eingelegt. Am vergangenen Freitag schließlich hatte das OLG die Verschonung des Angeklagten aus der Untersuchungshaft unter Auflagen verfügt. Dabei ging es unter anderem darum, dass 10.000 Euro Kaution im Namen des 18-Jährigen hinterlegt werden sollten.

In einer Erklärung unmittelbar nach der Entscheidung über die Untersuchungshaft protestierte Verteidigerin Gabriele Heinecke gegen Formulierungen im dem Beschluss. Diese stellten die Unabhängigkeit des Amtsgerichts in Frage. Das OLG mache in autoritärem Stil detaillierte Vorgaben für das Urteil. In nicht hinnehmbarer Weise werde auch die Verteidigung angegangen. „Die Bevormundung eines Gerichts ist nicht nur schwer erträglich, sondern gar nicht mehr erträglich“, sagte Heinecke. Unterdessen wurde die Beweisaufnahme in dem Prozess fortgesetzt. Ein Polizeibeamter schilderte aus seiner Sicht die Vorkommnisse am Rondenbarg, dabei hagelte es Nachfragen von der Verteidigung. Weitere Prozesstermine sind jetzt bis zum 20. Februar geplant.