Blankenese

Betreuer vor Gericht: Hilflose Senioren betrogen?

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Betrugsprozess um einen früheren Rechtsanwalt und gesetzlichen Betreuer vor dem Amtsgericht in Blankenese. (Archivbild)

Betrugsprozess um einen früheren Rechtsanwalt und gesetzlichen Betreuer vor dem Amtsgericht in Blankenese. (Archivbild)

Foto: Marcelo Hernandez

Nils M. sollte als Betreuer Hochbetagte unterstützen. Statt sich zu kümmern, soll er ihnen gefälschte Rechnungen präsentiert haben.

Hamburg. Sie waren desorientiert und nicht mehr in der Lage, wichtige Dinge des Lebens selber zu regeln. Deshalb wurde den Senioren ein professioneller Betreuer an die Seite gestellt. Doch anstatt sich verantwortungsbewusst und im besten Sinne der Betroffenen um die hochbetagten Menschen zu kümmern, soll Betreuer Nils M. lieber in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Insgesamt geht es um einen Schaden von fast 16.000 Euro.

Seit Dienstag muss sich der 61-jährige deshalb wegen gewerbsmäßiger Veruntreuung von Geldern sowie Urkundenfälschung vor dem Schöffengericht verantworten. Nils M., damals noch zugelassener Rechtsanwalt, wurde laut Anklage in den Jahren 2017 und 2018 von Hamburger Amtsgerichten als Betreuer eingesetzt.

Rechnete der Betreuer nicht erbrachte Leistungen ab?

In dieser Funktion soll er Dienstleistungen abgerechnet haben, die niemals erbracht wurden und auch nicht erbracht werden konnten — weil die genannten Pflegedienste oder Serviceunternehmen überhaupt nicht existierten.

Die fingierten Rechnungen habe der Angeklagte von den Konten der von ihm Betreuten beglichen und das Geld auf sein eigenes Konto oder das eines Bekannten überwiesen, heißt es weiter. Allein eines der Opfer soll Nils. M. dabei um mehr als 7000 Euro geschädigt haben.

Angeklagter Nils M. ist bereits vorbestraft

Der 61-Jährige ist bereits wegen ähnlicher Taten vorbestraft. Im Jahr 2017 erhielt er dafür eine zehnmonatige Bewährungsstrafe. Zwei Jahre später gab er seine Zulassung als Rechtsanwalt zurück. Zu den Vorwürfen werde sich ihr Mandant nicht äußern, erklärte die Verteidigerin. Statt dessen wurde ein Attest verlesen, wonach Nils M. unter anderem unter Angstzuständen und depressiven Verstimmungen leide. Er lebt mittlerweile von staatlicher Unterstützung.

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Ein Rechtspfleger schilderte als Zeuge, wie er vor etwa drei Jahren bei einer Prüfung, ob das Vermögen bestimmter Personen durch ihre Betreuer richtig verwaltet wird, auf gravierende Unregelmäßigkeiten in der Arbeit von Nils M. gestoßen sei. Bei zwei Damen seien sogenannte Besuchsdienste abgerechnet worden mit Formularen, die „improvisiert“ gewirkt hätten.

Besuchsdienste, bei denen den älteren Herrschaften beispielsweise vorgelesen werde, seien „extrem selten“ und „eher eine Luxusgeschichte“, schilderte der 53-Jährige. Als in anderen Akten ähnliche nicht professionell aussehende Schreiben auftauchten, kam der Fall ins Rollen. Der Prozess wird fortgesetzt.

( bem )

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