Bahrenfeld

Alte Artilleriekaserne ist jetzt im Besitz der Stadt

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Matthias Schmoock
Die ehemalige Artilleriekaserne an der Notkestraße. 

Die ehemalige Artilleriekaserne an der Notkestraße. 

Foto: Matthias Schmoock

Bau an der Notkestraße soll wohl Teil der Science City werden. Aktuell laufen auf dem Gelände Aufräum- und Rodungsarbeiten.

Hamburg. Jahrelang hatte der große Gebäudekomplex an der Notkestraße 3 bis 5 leer gestanden. Die Fenster waren zum Teil mit Brettern vernagelt, die gelbe Farbe blätterte zunehmend ab, und auf dem Gelände wucherte das Unkraut. In der Gegend gab es immer wieder Gerüchte um den lang gezogenen Bau: Mal war ein Abriss befürchtet worden, dann wieder hieß es, vor Ort sollten Wohnungen gebaut worden. Zeitweise hatte das Bündnis „einfachwohnen“ für bezahlbaren Wohnraum vor Ort geworben – unter anderem mit einem symbolischen Spatenstich.

Jetzt ist sicher: Der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) hat das Gebäude, markanter Rest einer ehemaligen Artilleriekaserne, vom Bund gekauft. Das bestätigte Imme Mäder von der Hamburger Finanzbehörde dem Abendblatt auf Nachfrage. Veräußert wurde die Anlage von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, das gesamte Gelände, das zuletzt unter anderem vom technischen Hilfswerk (THW) genutzt worden war, umfasst laut einer Drucksache 4139 Qua­dratmeter.

Anlage könnte Entree zur Science City bilden

Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Aktuell laufen auf dem Gelände Aufräum- und Rodungsarbeiten, erläutert Mäder. Das Gelände wurde gezielt „für die Einbindung in die Entwicklung der Science City“ erworben.

Dem Vernehmen nach soll der gesamte Gebäudekomplex in die geplante Science City Bahrenfeld integriert werden. Im Internet gibt es dazu ein Computerbild, auf dem die renovierte Anlage quasi einen Teil des südwestlichen Entree zur Science City bildet.

Kasernenbau ist Teil einer bewegten Stadtteilgeschichte

Wie ausführlich berichtet, soll die Science City eines Tages neue Heimat für die universitären Fächer Physik, Chemie und Teile der Biologie werden, um dann vor Ort auf rund 125 Hektar eine wissenschaftliche Einheit mit dem Deutschen Elektronen-Synchrotron (Desy) zu bilden. In der Nähe des Volksparks sind neben wissenschaftlichen Instituten und Einrichtungen der Bau von 2500 Wohnungen geplant. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg: Die Fertigstellung wird für 2040 angepeilt. Wegen des großen Zeitrahmens ist aktuell noch völlig offen, welche Funktion die alte Kaserne innerhalb der Science City haben könnte.

Der Kasernenbau ist Teil einer bewegten Stadtteilgeschichte, von der heute nur noch Reste existieren. Bis in die 1940er-Jahre hinein war die Gegend noch deutlich stärker durch militärische Bauten geprägt, als das heute der Fall ist.

Weiterer Rest der militärischen Anlagen ist die alte Schule an der Notkestraße

Neben der Alten Artilleriekaserne von 1894 an der Theodorstraße/Ecke Luruper Chaussee gab es an der Notkestraße auch die Neue Artilleriekaserne, die erst während des Zweiten Weltkrieges erbaut wurde. Südwestlich der Luruper Chaussee, gegenüber vom Dahliengarten, befand sich dazu ein großer Exerzierplatz, der als Standortübungsplatz der ihn Bahrenfeld stationierten Einheiten fungierte. Heute ist er Teil des Desy-Geländes.

Ein weiterer Rest dieser militärischen Anlagen ist die alte Schule an der Notkestraße, die, wie berichtet, ursprünglich mal das örtliche Offiziers­casino war. Seit Monaten setzt sich die Heimstätten-Vereinigung Steenkamp e. V. („Die Steenkamper“) für den dauerhaften Erhalt der alten Schule (Notkestraße 23) ein, die aus seiner Sicht prägend für das Bild der Gegend ist.

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Wie Vorstandsmitglied Max Lips jetzt sagte, werden die Steenkamper auch die Entwicklung an der Notkestraße 3 bis 5 „mit Argusaugen“ begleiten. Laut Lips sei der Bau optimal als Übergang zwischen der rund 100 Jahre alten Steenkampsiedlung und den vielen Neubauten der Science City geeignet. Max Lips verwies darauf, dass die eher kleinteilige Bebauung der Steenkampsiedlung nicht von den Neubauten im Norden „zugeklotzt“ werden dürfe. Im Rahmen von Bürgerbeteiligungen werde sich der Verein dafür ein­setzen.

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