Hamburg

Den Geheimnissen der Parks auf der Spur

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Elisabeth Jessen
Barbara Engelschall, Mitarbeiterin in der Hamburger Umweltbehörde.

Barbara Engelschall, Mitarbeiterin in der Hamburger Umweltbehörde.

Foto: Michael Rauhe

Langer Tag der StadtNatur Spezial – 30 Veranstaltungen am vorletzten August-Wochenende. Jetzt anmelden für die Führungen.

Hamburg. Man merkt es augenblicklich – sobald man geschützt unter dem Blätterdach der Bäume steht, wird es spürbar ein paar Grad kühler. Die Kleine Flottbek, die vor einigen Jahren renaturiert wurde, rinnt so leise vorbei, dass man nicht einmal ein Plätschern vernimmt. Auch das Gewässer, ein Seitenarm der Elbe, sorgt für eine gewisse Kühlung. Hier im Wesselhoeftpark in Nienstedten lässt es sich auch in der sommerlichen Hitze gut aushalten.

Die Besonderheit dieses Parks möchte Barbara Engelschall, Mitarbeiterin in der Hamburger Umweltbehörde, am Langen Tag der StadtNatur Spezial gern nahebringen. Ihre Führung am Sonnabendvormittag ist eine von etwa 30 Veranstaltungen am Wochenende 22./23. August. Bei der Veranstaltungsreihe liegt diesmal der Schwerpunkt auf den Hamburger Parkanlagen.

Für Naturliebhaber sind die geplanten Führungen nach dem „Kurzen Tag der StadtNatur“, der im Juni coronabedingt deutlich reduzierter ausfallen musste als gewöhnlich, eine weitere Chance, die heimische Artenvielfalt zu entdecken und zu erleben. Gemeinsam mit den Naturschützern des städtischen Projektes „Natürlich Hamburg!“ können Hamburger an diesem zweiten Veranstaltungswochenende durch die Parkanlagen streifen.

„Menschen, Tiere und Pflanzen benötigen das städtische Grün“

„Menschen, Tiere und Pflanzen benötigen das städtische Grün, sie haben jedoch dabei sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Die einen suchen Erholung, die anderen brauchen Ruhe und Schutz“, sagt Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne), Schirmherr der zweitägigen Veranstaltungen. Dieses in Einklang zu bringen sei das Ziel des Naturschutzgroßprojekts „Natürlich Hamburg!“. Unter der Federführung der Loki Schmidt Stiftung beteiligen sich viele Institutionen, darunter die Umweltbehörde, das Centrum für Naturkunde der Universität Hamburg, der Stadtpark Verein und Planten und Blomen. Einbezogen wird die gesamte Stadt von den Wallanlagen und dem Hamburger Stadtpark aus bis zu unbekannteren Parks an der Oberen Bille oder der Stellinger Schweiz.

Barbara Engelschall weiß, dass der Wesselhoeftpark im Schatten des viel bekannteren Jenischparks steht, dabei gibt es in ihren Augen im Nachbarareal so viel Spannendes zu entdeckten. Der ehemalige Landsitz von Martin Garlieb Sillem ging 1864 an Carl Johannes Wesselhoeft und ist seit den 1950er-Jahren eine öffentliche Grünanlage im Eigentum der Stadt Hamburg. „Das Besondere ist der alte Baumbestand“, sagt Engelschall. Üblicherweise würden Buchen mit 120 Jahren gefällt, Eichen mit 180 Jahren. „Hier sind die ältesten Bäume 300 bis 400 Jahre alt“, so die Biologin. Für eine Stadt seien diese Wälder sehr wichtig, weil sie eine Kühlfunktion hätten.

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„Parks haben eine lange Kulturgeschichte, und im Wesselhoeftpark kann man die Verbindung von Natur und Kultur gut erkennen, sagt die 54-Jährige. So seien viele Pflanzen gezielt gesetzt worden, etwa Rhododendren, Schneebeeren oder Prachthimbeeren. Im Rahmen des Naturschutzgroßprojekts „Natürlich Hamburg!“, das über das Bundesprogramm chance.natur gefördert wird, werde der Park genau untersucht. Ziel sei es, festzustellen, welche weiteren Möglichkeiten es für mehr Naturschutz gebe, sagt Engelschall, beispielsweise mehr Artenreichtum zu ermöglichen.

So seien die Brennnesselfluren, die sich an vielen Stellen breitgemacht haben, zwar gut für Schmetterlinge, aber arm an Pflanzenarten. Der Sumpf-Ziest etwa, ein Lippenblütler mit purpurfarbenen Blütenständen, der ebenfalls hier am Rande der beiden Mühlenteiche wächst, sei bestes Hummelfutter. „Im Moment werden Pflege- und Entwicklungspläne erstellt. Bei städtischen Grünanlagen gibt es noch Entwicklungsmöglichkeiten“, sagt sie voller Überzeugung.

Totholz ist für viele Tiere wichtig

Schon jetzt ist der Wesselhoeftpark allerdings in ihren Augen hoch spannend. „Bei alten Bäumen bilden sich Höhlen, diese sind wichtig für Vögel und Fledermäuse“, so die Expertin. In Hamburg gibt es ihren Angaben zufolge 14 Fledermausarten, davon habe man hier im Park acht Arten festgestellt, darunter die Breitflügelfledermaus und den Großen Abendsegler, die auf der Roten Liste der gefährdeten Säugetiere stehen.

Auch das Totholz, also Äste und Stämme, die im Park verbleiben und nicht weggeräumt werden, sei für viele Tiere wichtig. „Wenn Eichen ein hohes Lebensalter erreicht haben, bekommen sie häufig Pilze. Diese zersetzen das Holzsystem. Es entsteht Mulm, den viele Insekten lieben“, so die Biologin. Bei einer Kartierung seien 250 Käferarten festgestellt worden, davon sei die Hälfte auf Totholz angewiesen.

Weitere spannende Touren:

  • Der Park Burgunderweg: Viele kennen die Gegend nur als Hundeauslauffläche. Auf der Tour zwischen Flughafen und Kleingartenan­lagen sehen die Teilnehmer unterschiedliche Gehölze, Wiesen und den großen Rahweg-teich und lernen, wie Parkgestaltung, Erholung und Natur miteinander funktionieren (Sa, kostenlos).
  • Schiffstour vom Hamburger Hafen zum Eichbaumsee: Auf der Norderelbe führt die Tour an der Wasserkunst Kaltehofe vorbei. Die Teilnehmer erleben eine Naturidylle auf der Doveelbe. In Höhe des Eichbaumparks wendet das Schiff und fährt zurück zum Baumwall (Sa, 10 Euro).
  • Fahrradtour auf dem Marschbahndamm: Dem Marschbahndamm folgend entdecken die Teilnehmer „Natürlich Hamburg!“-Gebiete. Vorbei an den Tatenberger Kleingärten, durch das Naturschutzgebiet Kirchwerder Wiesen geht es bis zum Zollenspieker Fährhaus und zurück (So, Erwachsene 8 Euro, Kinder 6 Euro).
  • Tierwelt der Fisch­beker Heide: Auf einer Wanderung von der Segelflughalle der Fischbeker Heide bis zur Panzerringstraße in der Wulmstorfer Heide wird die Bedeutung der Heide für den Arten- und Biotopschutz dargestellt. Die Tour ist insgesamt etwa vier Kilometer lang (So, kostenlos).

Als ganz besonderen Vertreter nennt sie den Eremit, auch Juchtenkäfer genannt. Die großen Käferlarven leben drei Jahre in der Mulmhöhle, erst im vierten Jahr schlüpfen sie. „Die Käfer leben dann nur wenige Wochen“, so Engelschall. Unerschrocken fasst sie in die Höhle eines quer liegenden Baumstammes und holt ein wenig Mulm raus. Es sieht aus wie feiner Kompost, ein Eremit ist nicht darunter, aber kleine schwarze recht gleichmäßige Pellets, die sie als Ere­mitenkot identifiziert.

Für fast alle Veranstaltungen ist eine Anmeldung notwendig. Einige sind kostenlos, für andere wird ein Teilnahmebeitrag fällig. Die Anmeldung für die Onlinetickets ist freigeschaltet. Weitere Infos zum Langen Tag der Stadtnatur Hamburg Spezial im Internet unter https://tagderstadtnatur.de.

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