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Ingeborg Ahrenkiel: Spielen ist ihr Beruf

Selbst gemachter Erfolg: Autorin und Spiele-Erfinderin Ingeborg Ahrenkiel

Selbst gemachter Erfolg: Autorin und Spiele-Erfinderin Ingeborg Ahrenkiel

Foto: Roland Magunia

Erfinderin, Autorin von mehr als 60 Bücher und groß im Lizenzgeschäft: Ingeborg Ahrenkiel hat auch Rechte an einer besonderen Maus.

Hamburg.  Trotz hoher Hecke: Besucher sind in diesem Haus in der Hochkamp-Gegend willkommen. Ingeborg Ahrenkiel ist eine kommunikative Frau und eine gute Gastgeberin. Bei Erdbeeren und Wasser mit Limonenscheiben berichtet sie bestens gelaunt und amüsant aus ihrem Leben – und das war und ist so prall gefüllt, wie es sich andere nicht mal erträumen können. Nach wenigen Sätzen wird klar: Stillstand und Routine waren nie etwas für sie.

Ahrenkiel gehört zu den bedeutendsten Spiele-Erfinderinnen Deutschlands. Mehr als 60 Kinder- und Sachbücher hat sie geschrieben, außerdem gilt sie als Pionierin von Produktverwertung – dem Merchandising. Über ihre Musik- und Lizenzagentur ist sie bundesweit vernetzt – und sie hat in der Branche das, was man einen großen Namen nennt.

Schon als junge Musiklehrerin war sie ständig bestrebt, ihren Horizont zu erweitern. Dinge zu hinterfragen, Neues in Erfahrung zu bringen. Schnell sah sie Schwachstellen in der Musikpädagogik, fand Begleitliteratur zu wenig kindgerecht oder schlicht „dämlich und schlampig gemacht“, wie sie sagt. Mit der ihr eigenen Durchsetzungsfähigkeit klopfte sie bei maßgeblichen Stellen an, sprach vor, ließ sich nicht abwimmeln. Das Ergebnis: Ahrenkiel wurde früh Medienprofi – und mit der Zeit immer kreativer. Diese Kombination bescherte ihr viele erfolgreiche Jahre in hart umkämpften Branchen.

Freundliche Hartnäckigkeit

Als quer eingestiegene Fernsehredakteurin war sie mit der Entwicklung und Umsetzung außergewöhnlicher Sendekonzepte betraut, schuf analog den Kinderbuch-Bestseller „Lirum Larum Löffelstiel“. Irgendwann flog sie in die USA („nur mit meinem Schulenglisch im Gepäck“) und startete mit ausgekochten Firmenbossen zähe Verhandlungen. Das Ergebnis: Sie erhielt von der Lizenzagentur Merchandising Corporation of America (MCA) diverse begehrte Nutzungsrechte. Als europaweite Exklusiv-Repräsentantin für Marken wie „Jaws“ (Der weiße Hai) und „E. T.“ betrieb sie fortan Crossmedia-Aktivitäten und Merchandising-Geschäfte – zu einer Zeit, als viele diese Wörter noch gar nicht kannten.

Ahrenkiels jugendliche Munterkeit hat nichts Aufgesetztes. Wer mit ihr spricht, kann sich nach einer Weile vorstellen, wie sie mit freundlicher Hartnäckigkeit vieles erreicht hat, von dem andere nur träumen können. Und wo diese anderen lange ankündigen und noch länger planen, legt sie einfach los.

Ein besonderer Coup gelang ihr mit dem Erwerb der Merchandising-Rechte an der Maus aus der „Sendung mit der Maus“. Das Ergebnis: Die Spur aller Produkte, die mit dem putzigen orange-braunen Nager verbunden sind (und das sind sehr viele), lässt sich zurück zu Ahrenkiels Firma verfolgen. Über ihre Lizenzagentur baut sie nach wie vor eigene Marken auf und entwickelt dafür Spielkonzepte. Mehr als 100 Spiele hat sie erfunden. „Die Mausefalle“ verkaufte sich mehr als zwei Millionen Mal, auch ihre Reihe „Mauseschlau Bärenstark“ wurde zu einem großen Erfolg.

Eine Tiefstaplerin

Ahrenkiel, die mal mit einem Reeder verheiratet war, ist aber auch eine Tiefstaplerin, die immer wieder verblüffen kann. „Ich habe gerade etwas komponiert“, erzählt sie so beiläufig, als ginge es um ein halb ausgegorenes Hobby. Dann geht sie an den Flügel und spielt einen eindrucksvollen, höchst vielversprechenden Ausschnitt aus ihrem Werk.

Eine Auswahl ihrer Spiele für ein Foto? „Sehr gerne.“ Die Mutter von zwei erwachsenen Kindern sucht in ihrem weitläufigen Arbeitszimmer Passendes heraus, packt beim Aufbau – treppauf, treppab – ganz selbstverständlich mit an. Klare Vorstellungen und ein freundliches Lächeln – nichts überlässt sie dem Zufall, alles soll gut werden.

Mag sein, dass Verdienst und Umsatz für Ingeborg Ahrenkiel früher Hauptmotoren waren – sie wäre die erste Unternehmerin, bei der es sich nicht so verhielte. Doch heute treibt sie anderes um und an, auch wenn ihre jahrelangen Erfolge sie längst wohlhabend werden ließen. Zum einen ist sie nicht der Typ, der die Hände in den Schoß legt. „Die Arbeit macht mir einfach Spaß“, sagt sie und berichtet vom Telefonat mit ihrer 97-jährigen Mutter, die auch noch an allem interessiert ist.

Zum anderen lässt ihr keine Ruhe, dass Kinder heute zu viel „Billigschrott aus diffuser Produktion“ ausgesetzt seien. „Haarsträubend“ findet die gebürtige Frankfurterin, was da auf den Markt flutet. Vieles sei hässlich, pädagogisch höchst fragwürdig und schnell kaputt. „Da muss man gegensteuern“, so Ahrenkiel, „gute Spiele sind zum Glück auch in der heutigen Zeit stark nachgefragt und wichtiger denn je.“

Reiterin lernte relativ spät das Segeln

So ärgerlich wie bei diesem Thema erlebt man Ingeborg Ahrenkiel sonst nie. Ein Ruck geht durch ihren Körper, die schmalen Zornesfalten verschwinden. Lachend erzählt die passionierte Reiterin, dass sie erst mit 50 Jahren richtig Segeln lernte und mittlerweile bei zig Regatten dabei ist. Ihre Vermutung: „Die Könner nehmen mich unter ihre Fittiche, wahrscheinlich, weil ich die besten Buletten mitbringe.“

Ortswechsel. Im piekfeinen Anglo German Club spricht der Verleger und Buchautor Florian Langenscheidt über digitale Herausforderungen. Ahrenkiel, erst die siebte Frau, die im Club Mitglied wurde, fachsimpelt vorab mit dem viel gefragten Redner über Kinder, Medien – und alles, was damit zusammenhängt. Geschickt und unaufdringlich macht sie ihm dabei deutlich, mit wem er es zu tun hat – schwer vorstellbar, dass er diese Gesprächspartnerin wieder vergessen wird.

Zu später Stunde fesselt Langenscheidt seine Zuhörer mit Ausführungen zum Thema Glück. Es ist mucksmäuschenstill. „Glück kann immer nur aus uns selbst kommen“, lautet seine wohl wichtigste Botschaft. „Wenn es von außen kommt und wir es nicht erkennen, nützt es alles nichts.“ Ingeborg Ahrenkiel nickt energisch, dann sagt sie halblaut: „Genau so ist es. Bravo.“