Robert Jarowoy

Ein Linker will in Blankenese mitmischen

Linken-Fraktionschef Robert Jarowoy (66) engagiert sich nicht nur für Biokäse, sondern greift jetzt auch für Blankenese an.

Linken-Fraktionschef Robert Jarowoy (66) engagiert sich nicht nur für Biokäse, sondern greift jetzt auch für Blankenese an.

Foto: Henrik Jacobs / HA

Altonas Fraktionschef kandidiert überraschend für die Wahl zur Bezirksversammlung zusätzlich als Direktkandidat.

Hamburg.  Altonas Linken-Chef Robert Jarowoy sorgt mit einem ungewöhnlichen Schachzug für Überraschung in den Elbvororten. Obwohl der Fraktionsvorsitzende für die Wahl zur Bezirksversammlung am 26. Mai für seine Fraktion bereits als Listenkandidat an Nummer 1 gesetzt ist und damit mit Sicherheit ins nächste Parlament einzieht, lässt er sich zusätzlich auch noch als Direktkandidat aufstellen. Und das ausgerechnet für den Wahlkreis Blankenese, Rissen, Sülldorf. Gemeinsam mit Eckhard Fey kandidiert Jarowoy dort für Platz 1. Dass die Stimmenanteile für die Linken in diesen sehr bürgerlichen Stadtteilen zuletzt überschaubar waren, schreckt den 66-Jährigen nicht. Er wolle namentlich Blankenese zwar „nicht aufmischen“, aber vor Ort „mitmischen“.

Jarowoy sieht seine Kandidatur „sportlich“, besteht aber darauf, dass sie mehr als nur ein Gag sei. In den vergangenen Monaten habe er sich intensiv um die Flüchtlingsunterbringung in Rissen und die Umgestaltung des Blankeneser Marktplatzes gekümmert. Dabei sei ihm deutlich geworden, dass die Thema Bürgerbeteiligung und direkte Demokratie vor Ort durchaus noch „ausbaufähig“ seien.

Er schreibt auch Kriminalromane

Hinzu komme, dass sich Jarowoy, der in Ottensen als Bio-Käsehändler tätig ist, nach eigenen Angaben von den Elbvororte-Politikern der anderen Fraktionen in den vergangenen Monaten oft nicht ernst genommen gefühlt habe. „Immer wieder wurde mir vorgeworfen, dass sich meine Altona-Kenntnisse vor allem auf das Kerngebiet und Ottensen beschränkten“, so Jarowoy.

Einmal sei ihm während einer Sitzung der Bezirksversammlung sogar gesagt worden, man werde ihm bei Gelegenheit mal ein S-Bahn-Ticket nach Blankenese spendieren, damit er sich dort umschauen könne. Jarowoy: „Irgendwann habe ich dann beschlossen: ,Na gut, dann kandidiere ich eben direkt vor deren Haustür’.“ Jarowoy, der auch Kriminalromane schreibt, gilt unter seinen Konkurrenten als volkstümlich, aber auch als politisch ausgefuchstes Schlitzohr.

Etablierte Politiker reagieren gelassen

Die etablierten Politiker vor Ort reagieren gelassen auf die Kampfansage. „15 Jahre lang habe ich in Blankenese Wahlkampf gemacht, aber Politiker der Linken sind mir dort nur einmal begegnet“, erinnert sich Clemens Reus (CDU). „Herr Jarowoy will offenbar wegen der Auseinandersetzungen um den Marktplatz mitmischen, das zeigt nur, wie populistisch und opportunistisch diese Partei ist.“ Insgesamt nennt Reus Jarowoys Kandidatur „spaßig“.

Und FDP-Fraktionschefin Katarina Blume sagt: „Nachdem man die Linken über viele Jahre gar nicht in Blankenese wahrgenommen hatte, wunderten wir uns schon über das plötzliche Engagement. Wenn Herr Jarowoy jetzt denkt, dass uns vor Angst die Knie schlottern, irrt er sich.“ Fakt ist: Sollte Jarowoy zusätzlich über die Wahlkreisliste in die Bezirksversammlung gewählt werden, müsste er seinen Bezirkslistenplatz an einen Fraktionskollegen oder eine -kollegin abgeben.