Ottensen

Holt Quadflieg das Heine-Denkmal zurück an die Elbe?

Dr. Beate Borowka-Clausberg, Erste Vorsitzende des Vereins Heine Haus.

Dr. Beate Borowka-Clausberg, Erste Vorsitzende des Vereins Heine Haus.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Von Toulon nach Hamburg: Wie Schauspiel-Legende Christian Quadflieg und Beate Borowka-Clausberg um ein Kunstwerk kämpfen.

Hamburg.  Es ist ein Plan, der nicht nur Anhänger Heinrich Heines, sondern alle an Literatur und Geschichte Interessierten faszinieren muss: Die Erste Vorsitzende des Vereins Heine Haus, Dr. Beate Borowka-Clausberg, unternimmt eine neue Anstrengung, das Denkmal des berühmten Dichters aus Toulon nach Hamburg zu holen. Das Ganze wäre eine Rückführung, denn das Denkmal stand einst ganz in der Nähe des Gartenhauses, das heute an Heinrichs Onkel Salomon Heine erinnert.

Treffen im Heine Haus, Elbchaussee 31. Beate Borowka-Clausberg, führt durch das schöne Gebäude, das nach aufwendiger Renovierung ein echtes Kleinod ist. Sie zeigt ein Porträt Salomon Heines von Otto Speckter, weitere Porträts von Clara Wieck und dem Verleger Julius Campe hängen an der Wand. Ein Sprossenfenster gibt die Aussicht in den weitläufigen Park frei, an dessen Ende die Elbe fließt.

Das heutige Heine Haus war ursprünglich nur ein solide gebautes, aber wenig beachtetes Gartenhaus. Nachdem das Hauptanwesen, Salomon Heines Landsitz, schon 1881 abgerissen worden war, blieb es als einzige Reminiszenz an den alten Glanz stehen. Heute hat es – ganz anders als einst – im Inneren den Chic einer kleinen Elbvororte-Villa. Mit Blick auf die große, aber auch etwas kahle Rasenfläche entwickelt Borowka-Clausberg die Idee, hier eine zusätzliche Sehenswürdigkeit zu platzieren – eine, die bestens zum Haus passen würde.

Denkmal wechselte mehrfach den Standort

Das Heine-Denkmal, das seit Jahrzehnten in Toulon wenig beachtet und ungepflegt in einem Park steht, könnte hierher zurückkehren. Immer wieder war es aufgrund der jeweiligen Zeitumstände von einem Ort zum anderen geschafft worden, auch in den rund 30 Jahren, die es in Hamburg beziehungsweise Altona zu sehen war, wechselte es mehrfach den Standort. Borowka-Clausberg verweist darauf, dass das Denkmal einst ganz in der Nähe stand. „Das Heine-Denkmal beim Heine Haus, das wäre erlebbare Literaturgeschichte, wie sie in Hamburg noch fehlt“, sagt sie.

Die unglaubliche Odyssee des Denkmals im Schnelldurchlauf: Die österreichische Kaiserin Elisabeth (Sisi) hatte die Marmorskulptur, eine Arbeit des dänischen Bildhauers Louis Hasselriis, zunächst im Park ihres Schlosses Achilleion auf Korfu aufstellen lassen. Nach Elisabeths Tod erwarb Kaiser Wilhelm II. 1907 das Anwesen. Er ließ die Sitzfigur entfernen und durch eine Skulptur von Elisabeth ersetzen. Heinrich Julius Campe, Sohn des berühmten Heine-Verlegers Julius Campe, setzte sich für die Rückführung per Schiff nach Hamburg ein. Nach langem Hin und Her wurde das Denkmal schließlich 1910 im Ehrenhof des Barkhofs in der Hamburger Innenstadt aufgestellt.

Nachdem es dort Schmierereien und Beschädigungen ausgesetzt war, wurde es 1927 im benachbarten Altona im Privatmuseum der Familie Donner im Donners Park aufgestellt – nur einen Steinwurf vom heutigen Heine Haus entfernt. 1939 betrieb dann die Campe-Tochter Olive die Überführung des Denkmals nach Toulon, wo sie damals lebte. Ausschlaggebend war dabei offenbar die Angst vor einer Zerstörung des Denkmals, und in der Tat wurde das Donner’sche Anwesen inklusive des kleinen Museums im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff vernichtet. Erst 1956 folgte dann die Aufstellung im Parc de Plages du Mourillon in Toulon, dem heutigen Standort.

Umfangreiche Korrespondenzen

Beate Borowka-Clausberg steht in engem Kontakt mit jemandem, der sich schon seit rund 20 Jahren intensiv um die Rückholung des Denkmals kümmert: Christian Quadflieg. Der bekannte Schauspieler („Der Landarzt“) und viel gefragte Rezitator hat die Initiative „DENKmal (an) Heine“ auf den Weg gebracht, die es sich explizit zum Ziel gesetzt hat, das Denkmal wieder nach Hamburg zurückzuholen. Die Akten, die er dazu eingesehen hat, und seine umfangreichen Korrespondenzen füllen mittlerweile sieben Leitz-Ordner. Mit dem Bürgermeister von Toulon und dessen Nachfolger hat er korrespondiert, immer wieder in Archiven geforscht.

Quadfliegs wichtigster Trumpf: In Paris machte er die Urenkelin von Julius Campe ausfindig: Micheline (Oliva) Bouchard. Die alte Dame war schnell von der Sinnhaftigkeit der Denkmal-Rückführung nach Hamburg überzeugt. Vor Jahren hatte der damalige Bürgermeister von Toulon die Rückkehr in Aussicht gestellt, sofern sich ein direkter Nachfahre oder eine Nachfahrin der einstigen Stifterin dafür einsetzen sollte. Das ist jetzt geschehen.

Madame Bouchard schrieb umgehend einen entsprechenden Brief nach Toulon. Seitdem ist das Thema in der Schwebe, auch wenn die Erfolgsaussichten deutlich gestiegen sind. Gegenüber dem Abendblatt kündigte Christian Quadflieg jetzt an, Madame Bouchards Zustimmung in eine unanfechtbare juristische Form gießen zu lassen, sodass er gegenüber den Behörden in Toulon besser agieren kann.

Parallel bemüht sich Quadflieg um Sponsoren, damit das Projekt auch finanziell gut aufgestellt werden kann. Laut Christian Quadflieg könnte das Denkmal in Hamburg die Funktion eines „großen Stolpersteins“ erfüllen, indem es einfach Menschen zum Nachdenken über die vielen Anfeindungen zwingen würde, denen Heine zu Lebzeiten und über seinen Tod hinaus ausgesetzt war. Quadflieg: „Für ein Hamburg-Comeback des Denkmals ist es höchste Zeit.“

Noch in diesem Jahr – voraussichtlich im Sommer – plant das Heine Haus eine Veranstaltung, in der es um die diversen Heine-Denkmäler gehen soll. Ein Termin dafür steht noch nicht fest.