Altona

„Elbstrand-Retter“ gegen den Radweg feiern klaren Sieg

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Katy Krause
Und wo zelebriert man so einen Sieg? Natürlich am Elbstrand

Und wo zelebriert man so einen Sieg? Natürlich am Elbstrand

Foto: Roland Magunia

Deutliche Mehrheit stimmt beim Bürgerentscheid gegen einen Weg über den Sand in Övelgönne. Befürworter fordern nun Alternativen.

Hamburg.  Sie jubelten, klatschten und lagen sich in den Armen. Die Erleichterung war den Mitgliedern der Initiative „Elbstrand retten!“ anzusehen. Der monatelange Kampf um den Erhalt ihres geliebten Övelgönner Elbstrands war erfolgreich. Die Initiative konnte den Bürgerentscheid gewinnen. Das ist das eindeutige Ergebnis der Auszählung, die am Sonntag gegen 17 Uhr endete und im Auszählungsraum des Vivo-Gebäudes in Altona verkündet wurde.

201.667 Altonaer waren zur Abstimmung aufgerufen, 81.326 Menschen stimmten ab. Die gültigen Stimmen verteilten sich wie folgt: 79,38 Prozent votierten dafür, den Strand in seiner jetzigen Form zu erhalten, und lehnten sämtliche Planungen eines befestigten Rad- und Gehwegs ab. Die Gegeninitiative „Elbstrandweg für alle!“ konnte nur 28,79 Prozent der Altonaer von dem Anliegen überzeugen, einen barrierefreien Strandweg zwischen Museumshafen und Himmelsleiter zu bauen.

Dass die jeweiligen Jastimmen zusammen nicht 100 Prozent ergeben, liegt daran, dass die Befragten bei beiden Initiativen jeweils mit Ja und Nein stimmen konnten. So stimmten zwar 79,38 Prozent für „Elbstrand retten!“, aber auch 20,62 dagegen. Gegen den „Elbstrandweg für alle!“ stimmten wiederum 71,21 Prozent.

Wie kompliziert die doppelte Fragestellung war, zeigte sich bei den ungültigen Stimmen: 2540 Abstimmende kreuzten bei „Elbstrand retten!“ fehlerhaft an, sogar 8391 waren es bei „Elbstrandweg für alle!“

Wahlbeteiligung lag bei 40 Prozent

Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 40,33 Prozent. „Es handelt sich damit um einen Bürgerentscheid mit einer beachtlichen Beteiligung“, sagte Kersten Albers als stellvertretender Bezirksamtsleiter in Altona mit Blick auf andere Abstimmungen auf Bezirksebene. „Es handelt sich damit um eine Entscheidung von besonderer Stabilität. Das Ergebnis kann als repräsentativ angesehen werden“, zog er abschließend Bilanz.

Dem Ergebnis war ein zweitägiger Auszählmarathon vorausgegangen. 45 Helfer werteten die eingegangenen 81.326 Bögen unter den Augen von Interessierten und Beobachtern der Initiativen aus. Dafür wurden zwölf Teams gebildet. Unter den Helfern waren auch einige erfahrene Mitarbeiter der Verwaltung. Die Abstimmungszettel wurden zu Stapeln sortiert, ausgezählt und summiert. Schon während der Auszählung wurde deutlich, dass immer ein Stapel besonders in die Höhe wuchs.

So ahnten die Mitglieder der Initiative „Elbstrand retten!“, die Beobachter geschickt hatten, was am Sonntagnachmittag dann offiziell verkündet wurde. Trotzdem war die Erleichterung enorm. „Dass wir so erfolgreich sein würden, hatten wir nicht erwartet“, sagte Sprecherin Christiane Petersen, der sichtlich eine Last von den Schultern fiel. Mit Schrecken hätte man das Vorgehen der Gegeninitiative verfolgt, die kaum noch mit dem Wort „Elbstrandweg“, sondern mit Slogans wie „Unser Elbstrand, unser Hamburg, offen für uns alle“ geworben hätten. „Es freut uns, dass die Leute das durchschaut haben und nicht drauf hereingefallen sind“, so Petersen. Zusammen zogen die glücklichen Gewinner zur Strandperle, um zu feiern.

Befürworter fordern nun Alternativlösungen

Auf der MS „Bergedorf“ ließen die Mitglieder der Initiative „Elbstrandweg für alle!“ den Wahlkampf etwas stiller ausklingen. Sprecher Hans-Jörg Rüstemeier nahm das Ergebnis gefasst auf: „28,79 Prozent sind wesentlich mehr Jastimmen, als wir erwartet haben.“ Er kündigte an, dass man von der anderen Initiative die versprochenen Alternativlösungen einfordern wolle.

Anlass für den Bürgerentscheid, der voraussichtlich mehr als 200.000 Euro kosten dürfte, war der Entwurf einer möglichen Radroute am Elbstrand gewesen. Den hatte das Bezirksamt Altona Anfang des Jahres den Politikern vorgelegt. Die Idee, einen etwa sechs Meter breiten Fuß- und Radweg über den Övelgönner Strand zu führen, traf auf viel Widerstand. Anwohner und Strandfans formierten sich. Der Entwurf sah einen etwa einen Kilometer langen Weg vor, der an den beliebten und bei schönem Wetter stark frequentierten Cafés Strandperle und Ahoi vorbeiführen sollte. Geschätzter Kostenpunkt: zwei Millionen Euro. Diese Pläne haben die Altonaer nun vom Tisch gefegt.

Übrigens zählt für die Initiativen jede Stimme im doppelten Sinne. Sie erhalten pro Jastimme einen Wahlkampfbeitrag. Der liegt bei 10 Cent pro Kreuz. Ist aber auf maximal 10.000 Euro begrenzt. Somit gab es für die Gewinner gleich doppelten Grund zum Feiern.

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