Hamburg

Der lange Kampf um ein einmaliges Haus

Der vor 150 Jahren errichtete Katharinenhof in Blankenese, inzwischen in Bishop-Hof umbenannt, wird seit Längerem saniert

Der vor 150 Jahren errichtete Katharinenhof in Blankenese, inzwischen in Bishop-Hof umbenannt, wird seit Längerem saniert

Foto: Michael Rauhe

Politik und Bürgerverein fürchten um die 150 Jahre alte Villa in Blankeneser Park. Der Eigentümer wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Hamburg.  In Blankenese schwelt seit Monaten ein Streit. Der Konflikt geht so weit, dass erfolgreiche Unternehmer und anerkannte Professoren des Stadtteils ihre gutbürgerliche Contenance verlieren und sich auf der Bahnhofstraße offen Prügel androhen. Grund für den Ärger ist die unter Denkmalschutz stehende Villa im Baurs Park. Das Gebäude wurde 2009 von der Stadt an den Investor Peter Bishop verkauft unter der Auflage, das historische Herrenhaus zu sanieren. Eine dafür gesetzte Frist bis Ende vergangenen Jahres ist verstrichen. Doch während alle anderen damals verkauften städtischen Gebäude saniert sind, ist der Katharinenhof – den der Neubesitzer in Bishop-Hof umbenannte – von einer Fertigstellung weit entfernt.

Bezirkspolitiker und Bürgerverein erheben schwere Vorwürfe gegen den Eigentümer. Er lasse die Villa nahe der Elbchaussee verfallen, spekuliere nur auf einen laut Vertrag möglichen Verkauf in vier Jahren. So kritisiert Jürgen Weber als Chef des hiesigen Bürgervereins: In Blankenese herrsche Unruhe wegen der Art und Weise, „wie Hamburg mit dem Denkmal Baurs Park und besonders mit dem Katharinenhof umgeht. Die Stadt hat ein wertvolles Grundstück verscherbelt, und zwar an einen Besitzer, der seiner Sanierungsaufgabe nicht nachkommt.“

Herrenhausbesitzer Bishop weist das zurück. Der Blankeneser spricht von Rufmord und fühlt sich verkannt. „Ich kämpfe dafür, dass die einmalige Architektur des Hauses geschützt und die schöne Symmetrie erhalten bleibt“, betont Bishop. Doch bei der Grundsanierung eines 150 Jahre alten Gebäudes findet sich viel Unerwartetes.

Bishop entdeckte Hausschwamm und giftiges Abdichtungsmaterial

Zu den Entdeckungen, auf die Bishop gern verzichtet hätte, gehören Hausschwamm, giftiges Abdichtungsmaterial im Obergeschoss sowie Pfusch an der Deckenkonstruktion. All diese Funde bestätigt Architekt Alk Arwed Friedrichsen bei einer Begehung des Hauses. Er ist seit zwei Jahren am Projekt beteiligt. Der Experte für denkmalgeschützte Bauwerke zeichnet für zahlreiche Sanierungsprojekte an der Elbchaussee verantwortlich, wie beispielsweise die Villa im Heine Park, das Baur-Landhaus, das Elbschlösschen sowie die Nienstedtener Kirche.

Allerdings ist Friedrichsen bereits der dritte Architekt bei diesem Projekt. Aber so etwas kennt er schon. Denkmalpflege werde unterschätzt, oft werde er zu Hilfe gerufen, sagt der Architekt, der auch persönlich ein Herz für geschichtsträchtige Häuser hat. Und so schwärmt er beim Gang durch das Innere des Herrenhauses von der toll erhaltenen Bausubstanz und dem architektonischen Kleinod, das langsam aus dem Dornröschenschlaf erweckt werde. „Eigentlich ist Denkmalpflege eine Aufgabe des Staates“, sagt Friedrichsen. „Wir können froh sein, dass es Leute wie Peter Bishop gibt, der eine solche Liebe für Architektur hat.“

Tagungsräume und Appartements geplant

Das von dem Altonaer Kaufmann Georg Friedrich Baur von 1829 bis 1836 erbaute Herrenhaus diente zuletzt dem Ortsamt Blankenese als Sitz. Im Nebengebäude, einem ehemaligen Stall, war eine öffentliche Bücherhalle untergebracht, was diesem Haus den Namen Musenstall einbrachte.

Auch der Bürgerverein wollte hier gern aktiv werden und hatte sich als Käufer beworben. Das Konzept von Bishop erhielt jedoch den Vorzug.

Im Herrenhaus will er ein „Center of Exellence“ etablieren. So soll sein Unternehmen, ein Zulieferer der Luftfahrtindustrie, in die Räume einziehen. Zudem sind Tagungsräume, Appartements für Besucher, eine Denkschmiede für die Luftfahrtbranche sowie Labore im Keller geplant. Im Musenstall setzt Bishop auf Gastronomie und Veranstaltungen, allein der Betreiber fehlt noch.

Bei der Sanierung des historischen Hauses legt der neue Eigentümer Wert aufs Detail. Jedes Detail. „Exzellent“ soll es werden, und so kommen die Regenrohre extra aus Frankreich. Ein Tischler hat sich in einem der Räume seine Werkstatt eingerichtet. Hier rekonstruiert er mühsam die alten Holzfenster, die zu 100 Prozent erhalten werden konnten, sowie Teile der fast 200 Jahre alten Balustrade.

Pro Fenster brauchen die Maler etwa vier Wochen für die Sanierung

Für die Fenster wurde ein Farbanstrich aus Öl gewählt, der dem einstigen Farbton zwar sehr nahekommt, aber mehrfach aufgetragen werden und sehr lange trocknen muss. Laut Malern vor Ort brauchen sie pro Fenster etwa vier Wochen. Doch ein Ende ist zumindest bei den Fenstern in Sicht. Auch die Fassade ist größtenteils fertig. Doch im Inneren gibt es noch sehr viel zu tun.

„Die Sanierung des Katharinenhofs erfolgt unter Berücksichtigung des größtmöglichen Erhalts von historischer Substanz und ist sehr aufwendig, umfangreich und zeitintensiv. Darüber, wie viel Zeit die Arbeiten noch erfordern, liegen hier keine Kenntnisse vor“, erklärt Daniel Stricker als Sprecher der Hamburger Finanzbehörde. Deren Vertreter verschafften sich bei einem Ortstermin am 8. Dezember einen Eindruck. Sie kamen zu dem Schluss, von einer Rückabwicklung des Kaufvertrages abzusehen. Allerdings muss Bishop die im Vertrag festgelegte Konventionalstrafe für das Überziehen der Sanierungsfrist zahlen. Das sind laut Informationen des Hamburger Abendblatts 3500 Euro pro Monat.

Bishop, der bislang rund drei Millionen Euro in das Objekt investierte, lässt sich trotzdem nicht hetzen. Von seinem Anspruch, das Herrenhaus exzellent zu sanieren, will er nicht abrücken. Er rechne damit, dass die Arbeiten noch mindestens ein Jahr andauern werden. Das wird die Kritiker nicht erfreuen. So auch nicht Wolfgang Kaeser. „Mit dem Verkauf an Bishop wurde damals eine falsche Entscheidung getroffen“, sagt der SPD-Bezirkspolitiker, der in Altona entsprechenden politischen Druck machen will. „Ich möchte einfach gern, dass das Gebäude wieder strahlt.“

Zumindest darin sind sich die Kontrahenten im Blankeneser Fall einig.