Elbphilharmonie

Keine Einladung? So können Sie trotzdem dabei sein

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Friederike Ulrich und Anna Gröhn

Zur Eröffnung des Konzerthauses gibt es eine spektakuläre Lichtinszenierung auf der Fassade. Von wo aus sie am besten zu sehen ist.

Hamburg. Wenn NDR-Chefdirigent Thomas Hengelbrock am 11. Januar um 20.15 Uhr den Taktstock senkt und das Eröffnungskonzert der Elbphilharmonie beginnt, werden sich die Zuhörer auf den Rängen des Großen Saals wohlig zurücklehnen, um das lang erwartete Ereignis zu genießen. Unter ihnen werden viele Prominente aus Politik und Kultur sein – darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Joachim Gauck, Innenminister Thomas de Maizière, Bürgermeister Olaf Scholz, Ballettintendant John Neumeier, Intendanten internationaler Konzerthäuser, Großsponsoren und die Gewinner der 1000 verlosten Eröffnungskarten.

Alle anderen müssen draußen bleiben. Doch das ist gar nicht so schlimm, im Gegenteil: Es hat sogar Vorteile. Denn im Saal kann man das Eröffnungskonzert zwar hören – und das ist sicher ein Hochgenuss. Doch außerhalb der Elbphilharmonie kann man es hören und sehen! Die Hamburger Werbeagentur Jung von Matt hat eine weltweit einzigartige Programmierung entwickelt, die die an beiden Eröffnungstagen identische Musik auf der Außenfassade des Philharmonie-Gebäudes sichtbar machen wird.

Die Musik wird visuell erlebbar gemacht

Die imposante Lichtinszenierung ist von Süden und Westen aus zu sehen, am besten allerdings vom Wasser her. Und so bieten etliche Barkassenunternehmen Touren an, auf denen die Passagiere das optische Spektakel bewundern und gleichzeitig einer Live-Übertragung der Musik lauschen können. Auch Online kann man das Miteinander von Klang und Farbe verfolgen: Der NDR sendet einen Livestream der Illumination. Sie hat bislang nur am Computer ihrer Schöpfer stattgefunden hat. Sie ist daher – wie das Eröffnungskonzert auch – eine wirkliche Uraufführung.

Die Lichtinszenierung macht die Musik visuell erlebbar und wird die Elbphilharmonie und ihre einzigartige Architektur auf unvergessliche Weise von ihrer besten Seite zeigen“, prophezeit Michael Otremba, Geschäftsführer von Hamburg Marketing. Dass die Verbindung aus Gehörtem und Gesehenem Menschen über Jahrhunderte fasziniert habe, spiegele sich sogar in unserem Sprachgebrauch wider – etwa mit Begriffen wie ‚Klangfarbe‘ oder ‚Farbton‘.“ „Wir wollen“, so Marketing-Chef Otremba, „mit dem Lichtspektakel die Freude über dieses einzigartige Haus auch für diejenigen erlebbar machen, die an diesem Abend nicht selbst dabei sein können.“

Barkassen fahren so nah wie möglich heran

Vier Monate waren die Kreativen von Jung von Matt mit den Vorbereitungen beschäftigt. Am Eröffnungsabend werden die Klänge der einzelnen Instrumentengruppen über Mikrofone verteilt und über eine Art Datenautobahn in eine Box geleitet. Dort wandelt ein eigens entwickelter Algorithmus – ein mathematisches Programm – sie in Muster um. So werden die Töne als Linien, Formen, Farben, Verläufe, Kurven und Silhouetten auf der Fassade des historischen Kaispeichers und der gläsernen Fassade der Elbphilharmonie auftauchen und religiöse Anmutungen, Assoziationen ans Weltall oder aber ab­strakte geometrische Figuren erzeugen. Je nach Werk sind sie sehr abwechslungsreich und werden mit intensiven Strahlen in den Himmel und in die Elbe verlängert.

„Wir wollen so nah wie möglich heranfahren“, sagt eine Mitarbeiterin von Barkassen Meyer. Das Unternehmen bietet an beiden Eröffnungstagen dreistündige Fahrten an. Ebenso wie bei den anderen Barkassenbetreibern auch, starten die Touren um 19.30 Uhr, um pünktlich um 20.15 Uhr vor der Elbphilharmonie zu sein. Während an Bord das vom NDR live im Radio übertragene Eröffnungskonzert über Lautsprecher gespielt wird, können die Gäste das farbige Lichtspiel an der Fassade beobachten.

Unterschiedliche Touren im Angebot

Statt eine große Rundfahrt zu machen, werden die Schiffsführer von Barkassen Meyer nach dem Ablegen von der Überseebrücke über die Landungsbrücken direkt bis zur Elbphilharmonie fahren und dort vor Anker gehen. An Bord gibt es Getränke, aber keine Speisen. Die Reederei Gregors startet an den Landungsbrücken. Auch auf ihren Barkassen werden die Gäste während der dreistündigen Fahrten mit gekühlten und heißen Getränken aus der Bordbar versorgt.

Auch das Salonschiff „MS Louisiana Star“ der Rainer Abicht Elb­reederei startet an beiden Tagen von den Landungsbrücken. Während der zweistündigen Fahrt gibt es hier außer Getränken auch kleine Speisen. Beides ist jedoch nicht im Ticketpreis enthalten.

Wer bei dem Konzerterlebnis nicht nur akustisch und visuell, sondern auch kulinarisch auf seine Kosten kommen möchte, kann es an Bord der „Victoria“ (Elbe Erlebnistörns) tun. Hier gibt es ein Büfett mit kalten und warmen Speisen, auch Bier, Wein und Softdrinks sind im Ticketpreis enthalten. Die Karten sind allerdings auch fast doppelt so teuer wie bei der Konkurrenz.

Selbstverständlich sind Barkassentouren auch spontan möglich, dafür aber ohne Verpflegung und Blick auf die Konzertübertragung. Einige Reedereien bieten an den jeweiligen Abenden zwar keine speziellen, dafür aber ihre üblichen Fahrten an – und sind dabei flexibel. „Wir werden je nach Nachfrage ganz spontan entscheiden, ob wir dabei sind“, sagt eine Mitarbeiterin der Reederei Kapitän Prüsse an den Landungsbrücken.

Gute Aussicht bieten auch die Tower-Bars

Wer schließlich auf Barkassenfahrt und Live-Übertragung, nicht aber auf Speisen und Getränke und maritimes Flair verzichten möchte, kommt an Bord des Feuerschiffs auf seine Kosten. Das knallrote Traditionsschiff im City-Sportboothafen (Vorsetzen) bietet unter anderem ein dreigängiges „Elbphilharmonie-Eröffnungs-Menü“ (58 Euro) an. Wer essen möchte, sollte reservieren (36 25 53), für einen Drink an der Bar ist das nicht nötig.

Möglichkeiten zur Einkehr und einen sensationellen Blick aus der Vogelperspektive bieten auch die hafennahen Tower-Bars. Etwa das „20up“ im Hotel Empire Riverside (Bernhard-Nocht-Straße 97), das durch bodentiefe Fenster einen tollen Blick auf Stadt, Hafen und Elbphilharmonie bietet. Oder das „Clouds“ im 23. Stock der Tanzenden Türme (Reeperbahn 1), das für eine ähnlich spektakuläre Aussicht berühmt ist. Um keinen Gästen den Anblick der illuminierten Elbphilharmonie vorzuenthalten, werde bei sehr großem Andrang auch die Eventfläche ein Stockwerk tiefer geöffnet, verspricht eine Mitarbeiterin. Auch von der Tower-Bar im Hotel Hafen Hamburg an der Seewartenstraße 9 kann man von einem strategisch günstigen Sitzplatz mit einem Cocktail in der Hand dem Eröffnungsspektakel zusehen.

In den eigenen vier Wänden nichts verpassen

Selbstverständlich kann man die gesamte Eröffnung auch in den eigenen vier Wänden verfolgen: im Radio, im Fernsehen oder im Internet (siehe rechts). Ein ganz besonderes Erlebnis virtueller Art verspricht der 360°-Livestream auf dem YouTube-Kanal der Elbphilharmonie. Dort können die Zuschauer sogar selbst bestimmen, in welche Richtung sie schauen: auf die Bühne, in die Zuschauerränge, Richtung Orgel oder zur Saaldecke. Vier Kamerapositionen machen den neuen Raumeinblick möglich, der am Bildschirm oder auf dem Smartphone funktioniert.

Spektakulär wird es, wenn man es in ein Google-Cardboard schiebt. Diese Virtual-Reality-Brillen im Elbphilharmonie-Design werden kostenlos verteilt, unter anderem im Elbphilharmonie-Besucherzentrum (Am Kaiserkai 62) und im Elbphilharmonie-Kulturcafé (Mönckebergbrunnen).

Diese Reedereien bringen Sie hin: Barkassen Meyer, 25 Euro, ermäßigt 12,50 Euro, www.barkassen-meyer.de; Rainer Abicht Elbreederei, 30 Euro, www.abicht.de; Gregors, 25 Euro, Kinder 15 Euro, www.maritime-circle-line.de; Elbe Erlebnistörns, 55 Euro,
www.elbe-erlebnistoerns.de; Kapitän Prüsse, nur Spontanfahrten, www.kapitaen-pruesse.de