Konzerthaus Hamburg

Ziemlich cooler Laden: Kinder erforschen die Elbphilharmonie

Kleines Abschlusskonzert nach freiem Musizieren: Kindergruppe in der Instrumentenwelt der Elbphilharmonie

Kleines Abschlusskonzert nach freiem Musizieren: Kindergruppe in der Instrumentenwelt der Elbphilharmonie

Foto: Klaus Bodig / HA

In der „Instrumentenwelt“ erforschen Schüler das Konzertgebäude akustisch und dürfen verschiedene Instrumente ausprobieren.

Hamburg.  Die kleinen Hände zittern, der mächtige Kontrabass wiegt rund 15 Kilo. Ganz vorsichtig gleitet ein Bogen über die Saiten, Töne füllen den Raum. „Cool, wie das an den Händen vibriert“, sagt Efe Can. Der Elfjährige besucht die 5. Klasse der Stadtteilschule am Hafen – und gehört zur ersten Schülergruppe, die in dieser Woche die In­strumentenwelt der Elbphilharmonie besuchen durfte.

Am Mittwoch eröffnete das ehemalige Klingende Museum der Laeiszhalle in den Kaistudios unterhalb der Plaza seine neuen Aktionsräume. In sieben Studios sollen junge Menschen künftig Musik ausprobieren – von Instrumenten des klassischen Sinfonieorchesters bis zu Exoten wie dem indischen Xylofon Gambang und der Trommel Kendang.

17 Pädagogen betreuen die Kinder

„Die Musikvermittlung ist ein ganz wichtiges Standbein der Elbphilharmonie“, erklärte Generalintendant Christoph Lieben-Seutter in seiner Begrüßungsansprache. Insgesamt seien 1500 Veranstaltungen rund um dieses Thema geplant – und bereits jetzt alle 9000 Tickets für das Schulprogramm der ersten Saison vergeben.

Fünf Euro pro Schüler fallen für ein Ticket an (inklusive Fahrkarte). Kinder und Jugendliche aus Familien, die Sozialleistungen beziehen, können unbürokratisch von der Zahlung befreit werden. Für die Begeisterung an selbst gemachter Musik sorgen künftig 17 Pädagogen unter der Leitung von Benjamin Holzapfel.

Das Studio ist erfüllt von brummenden Bässen, auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes bläst der elf Jahre alte Amaru kraftvoll in die Tuba. „Willst du nicht noch ein anderes Instrument ausprobieren“, drängelt seine Lehrerin. Amaru schüttelt den Kopf. Er hält sein neu entdecktes Lieblingsinstrument ja bereits in den Händen. Zu seiner Linken versucht sich ein Mitschüler am Paukenwirbel. Erst leiser, dann immer lauter. Stolzes Lächeln. Ist ja gar nicht so schwer.

Musikpädagoge Bernhard Crass führt vor, wie man mit dem Bogen über Geigensaiten streicht, wie man die Harfe vorsichtig auf die Schulter legt und die Mundstücke der Blasinstrumente nach Gebrauch desinfiziert (Desinfektionsmittel aufsprühen, bis 30 zählen, abwischen). Die Kinder werden sanft angeleitet, nicht streng korrigiert.

Kindliche Entdeckerfreude

Im Vordergrund steht weniger das musikalische Talent, sondern vor allem die kindliche Entdeckerfreude. Wer Musik bislang unter dem Motto „Hauptsache laut“ schätzen gelernt hat, darf Pauke und Tamtam ein paar ordentliche Schläge versetzen, die eindrucksvoll nachhallen. Das Motto: Jeder soll sich ausprobieren, anfassen ist ausdrücklich erwünscht. Das gemeinsame „Abschluss- konzert“ nach 20 Minuten freiem Musizieren klingt wie ein schwerer, nervöser Insektenschwarm in Partylautstärke. Nicht bühnenreif, aber die kleinen Musiker sind hochzufrieden.

Um Kinder mit Musik in Kontakt zu bringen, neugierig auf die Welt der Töne zu machen, muss es eben nicht immer der große, der ganze Beethoven sein. Anschließend steht für die 18 Schülerinnen und Schüler eine „Klangsafari“ auf dem Programm. Mit einer leicht verständlichen App können sie aufnehmen, was ihnen bei einem Streifzug durchs Gebäude akustisch begegnet. Wie klingen die Treppenstufen zum Großen Saal? Wie hört sich das Pochen gegen die meterhohen Fensterfronten an?

Rundgang durch die Elbphilharmonie:

Ob Rolltreppenrauschen drinnen oder Schiffstuten und Windböen draußen – der Fantasie sind bei den Aufnahmen keine Grenzen gesetzt. Beliebtes Geräusch: der Nachhall des eigenen Schreis. Aus den Klangschnipseln werden später auf dem iPad (mit Programmen wie „VidiBox“) Collagen erstellt – und auf Wunsch an die Schule geschickt.

Gemeinsame Hausbegehung

Die Klangsafari schärfe die Wahrnehmung der Kinder, erklärt die finnische Instrumental-Pädagogin Terhi Romu. Nebenbei lernten sie bei der Ton-Suche das Konzertgebäude kennen. Die kleinen Komponisten sind jedenfalls begeistert bei der Sache. „Können wir Beats machen?“, will Ilmi wissen. Diese Elbphilharmonie, das scheint insgesamt ein ziemlich cooler Laden zu sein.

Was bei dem Schüler-Workshop natürlich nicht fehlen darf, ist eine gemeinsame Hausbegehung. Ziel: der Große Saal. „Was schätzt ihr, wie viele Leute gehen hier rein?“, will „Instrumentenwelt“-Leiter Holzapfel wissen. Ob vorab recherchiert oder einfach gut geraten – die Zahl „2000“ schallt ihm nach wenigen Sekunden aus den Sitzreihen entgegen.

Auch wenn sich auf der Bühne in diesen Minuten lediglich ein ziemlich belangloser Probenabbau abspielt – die schiere Größe des Konzertsaals, („Guck mal, wie hoch das geht!“) imponiert den jungen Besuchern. Abschlussfrage in die Runde: Was hat euch heute am besten gefallen? „Die Trommel“, „Die iPads“, „Alles“. Der erste Besuch in der Elbphilharmonie muss ja nicht der letzte gewesen sein.