Neues Wahrzeichen

Wie die Weltpresse Hamburgs Elbphilharmonie bewertet

Die Elbphilharmonie sei ein "Jahrhundertbau", schreibt die "Neue Zürcher Zeitung"

Die Elbphilharmonie sei ein "Jahrhundertbau", schreibt die "Neue Zürcher Zeitung"

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Die internationalen Medien sind fasziniert vom neuen Wahrzeichen. 500 Journalisten haben sich zur Eröffnung angemeldet.

Hamburg.  Wenn das kein Lokalpa­triotismus ist: Hamburg sei „das mit Brillanten und Saphiren, mit weißem Gold und Sternenstaub besetzte Collier am Hals der Republik“, schreibt Autorin Ulrike Posche im „Stern“. Und als glänzte das Geschmeide nicht genug, prange nun in seiner Mitte „ein Mondstein im Wellenschliff auf rotem Granat“. Ein „Traumschloss“: die Elbphilharmonie. Mit dem Konzerthaus, glauben die Hamburger Magazinmacher, „wird die Hansestadt zur Weltmetropole“.

"Musikalisches Wahrzeichen"

Die Auslandspresse äußert sich zurückhaltender, erinnert ausführlich an Bauverzögerungen und Kostensteigerungen von anfangs bewilligten 114 auf 789 Millionen Euro, wartet aber auch mit viel Lob auf. Bewähre sich die Akustik, dann habe Hamburg „seinen Jahrhundertbau“, so die „Neue Zürcher Zeitung“. Die Elbphilharmonie sei architektonisch einzigartig und hinsichtlich ihrer öffentlichen Wirkung „schwer zu schlagen“, schrieb der „Guardian“. Hamburg sei nun „einer der weltweit auffälligsten Konzert-Veranstaltungsorte“, hieß es im „Condé Nast Traveler“. Von einem „neuen musikalischen Wahrzeichen für eine Stadt mit Plänen“ war in der „New York Times“ die Rede.

Apropos Pläne: International von vielen Seiten registriert werden die Hoffnungen des Hamburger Senats, dass die Stadt durch die Elbphilharmonie zu einem führenden Musikzentrum werden könnte und dass das Konzerthaus die Weiterentwicklung der Stadt inspirieren könnte. „Eine transformierende Wirkung ist diesem modernen Wahrzeichen durchaus zuzutrauen“, hieß es im Schweizer „Tages Anzeiger“.

Vom Bilbao-Effekt profitieren

Tourismus-Experten und Stadtplaner sprechen auch vom „Bilbao-Effekt“. Der Begriff geht auf das 1997 eröffnete Guggenheim Museum im nordspanischen Bilbao zurück. Entworfen von dem kanadischen Stararchitekten Frank O. Gehry, verhalf der auffällige Bau aus gewellten Titanplatten, Glas und Kalkstein der darbenden Hafenstadt zu einem touristischen Aufschwung.

Hamburg hatte schon vor der Elbphilharmonie etliche Sehenswürdigkeiten und könnte deshalb ungleich stärker von seinem neuen Konzerthaus profitieren. Berücksichtige man beispielsweise, dass die Hamburger Speicherstadt und das Kontorhausviertel mit dem Chilehaus vor Kurzem zu Weltkulturerbestätten ernannt wurden und dass Hamburg auf ein Rekordjahr im Kreuzfahrttourismus zurückblicke, so trete die Hansestadt nun mit der Elbphilharmonie „aus dem Schatten von Berlin und München hervor“, schrieb der „Condé Nast Traveler“.

Einen Vergleich zur 2015 eröffneten Philharmonie de Paris zieht die „New York Times“. Das Pariser Konzerthaus sei dank seiner innovativen Architektur, seines abwechslungsreichen Konzertprogramms und spezieller Angebote für junge Gäste enorm erfolgreich – und das, obwohl es im Nordosten der Stadt liegt, also deutlich weniger prominent platziert ist als die Elbphilharmonie.

Zusätzliche Gäste erwartet

Bei der Hamburg-Marketing GmbH will man zwar noch nicht von einer „Weltstadt Hamburg“ sprechen, hofft aber auf Großes. Mehr als 300 nationale und internationale Journalisten haben die Eröffnung der Aussichtsplattform erlebt. Für die Eröffnung des Konzerthauses hätten sich 500 Berichterstatter angemeldet, „die das Bild der Elbphilharmonie in die Welt tragen werden“, sagt Hamburg-Marketing-Geschäftsführer Michael Otremba. „Damit hat die Elbphilharmonie die Chance, sich in die Reihe von für Städte prägende Bauten wie das Sydney Opera House oder der Eiffelturm in Paris einzureihen. Touristisch erwarten wir, dass die Elbphilharmonie in den nächsten Jahren mehrere Hunderttausend zusätzliche Gäste für Hamburg begeistern wird.“

Werbetouren im Ausland

Im September und Oktober hatte die Hamburg Marketing GmbH mit einem vier Meter hohen, begehbaren Modell der Elbphilharmonie in Göteborg, Wien, Paris und zuletzt in Shanghai für die Hansestadt und ihre neue Attraktion geworben. In den Bodenmatten des Modells sind Drucksensoren eingebaut. Wenn Besucher die Matten betreten, ertönen Instrumente. Letzteres sei vor allem in Shanghai sehr gut angekommen, heißt es. Für die Zeit nach der Eröffnung der Elbphilharmonie plant Hamburg-Marketing weitere Werbetouren im Ausland.

Sehr optimistisch in die Zukunft blickt Christoph Lieben-Seutter, Generalintendant der Elbphilharmonie. Mit dem neuen Konzerthaus habe Hamburg „eine Attraktion von Weltgeltung“ bekommen. „Das zeigen nicht nur die einhellig begeisterten Reaktionen der Weltpresse auf die Architektur des Hauses. Auch die weltweite Nachfrage nach Konzertkarten ist überwältigend“, sagt Lieben-Seutter. „Ich bin sicher, dass die Elbphilharmonie die Wahrnehmung der Stadt als zukunftsgewandte, lebenswerte Metropole nachhaltig verändern wird.“