Hamburg

Prozess um erwürgten Witwer: Ex-Freundin schweigt

| Lesedauer: 3 Minuten
Bettina Mittelacher
In Hamburg steht eine 37-Jährige vor Gericht, die einen 80-Jährigen aus Habgier erwürgt haben soll.

In Hamburg steht eine 37-Jährige vor Gericht, die einen 80-Jährigen aus Habgier erwürgt haben soll.

Foto: Arne Dedert/dpa

37-Jährige steht im Verdacht, den 80-Jährigen aus Habgier getötet zu haben. Er hatte sie aus seinem Testament streichen wollen.

Hamburg. Eine ganze Weile war der Senior wohl schwer verliebt. 43 Jahre jünger war die Frau, die in Adolf P.’s Leben trat, nachdem er Witwer geworden war. Die Neue an seiner Seite bekam seine Wohnungsschlüssel, die Kontovollmacht und jede Menge Geschenke, und für sie änderte er sein Testament. Nun aber steht eben jene Frau, die lange das innigste Vertrauen und die Liebe des Rentners genoss, im Verdacht, den 80-Jährigen aus Habgier umgebracht zu haben.

Den zierlichen Körper in einen Mantel gehüllt, den Blick gesenkt, so sitzt die wegen Mordes angeklagte Cinderella B. jetzt vor dem Schwurgericht. Eine Tätowierung trägt sie an der Hand, die andere seitlich am Gesicht. Zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft, sie habe ihren herzkranken Lebensgefährten Anfang April in dessen Wohnung in Tötungsabsicht gewürgt, bis sein Herz versagte, äußert sich die 37-Jährige nicht.

Erwürgter Witwer: Angeklagte äußert sich nicht zum Tatvorwurf

Das Motiv der Hamburgerin laut Anklage: Nachdem Adolf P. sich kurz zuvor von ihr getrennt hatte, ihr seine Vollmacht für sein Bankkonto entzog und seinen Wohnungsschlüssel zurückverlangte, wollte Cinderella B. verhindern, dass er nun auch noch sein Testament ändert. Durch die Tötung habe sie ihre Stellung als Alleinerbin sichern wollen, heißt es in der Anklage.

„Ich möchte in Würde sterben können.“ So hat Adolf P. es 2013 in einer Patientenverfügung festgelegt, in der der Hamburger seine Freundin Cinderella B. als Bevollmächtigte bestimmt hatte. Ganz bestimmt hat er damit nicht gemeint, halb auf dem Sofa und halb auf Fußboden hingestreckt in seiner Wohnung zu enden, mit Hämatomen am Hals und Blut auf dem Hemd. So lag er da, als die Feuerwehr die Tür zur Wohnung des Mannes an der Julius-Vosseler-Straße in Hamburg-Lokstedt geöffnet hatte, nachdem eine besorgte Freundin des 80-Jährigen mit ihrem Schlüssel nicht mehr in sein Zuhause hatte gelangen können. Jemand hatte das Schloss von außen mit Streichhölzern blockiert.

Angeklagte soll Konto des Rentners geplündert haben

War dieser Jemand Cinderella B.? Sie sei „entsetzt“ gewesen, als der Rentner so kurz nach dem Tod seiner Frau im Jahr 2011 mit der damals 28-Jährigen zusammengekommen sei, erzählt Agnes B., die langjährige Freundin des Toten, vor Gericht. „Wir waren alle etwas skeptisch mit der Beziehung, weil der Altersunterschied doch sehr groß war. Aber er war überzeugt davon.“ Schließlich habe sich Cinderella P. allerdings immer weniger um den 80-Jährigen gekümmert.

Am 2. April hatte die Nachbarin noch Adolf P. in dessen Wohnung besucht. „Er war irgendwie eigenartig“, erinnert sich Agnes B. an diese letzte Begegnung. „Er sagte, er habe Ärger mit Cindy“, weil sie sein Konto leergeräumt habe. „Ihm blieben nur 20 Euro.“ Der 80-Jährige habe erzählt, dass er sich am Telefon von der so viel jüngeren Frau getrennt habe.

Der Senior habe ihr auch anvertraut, so die Zeugin, er werde „jetzt hingehen und sein Testament ändern lassen“. Adolf P. habe von seiner Lebensgefährtin seinen Wohnungsschlüssel zurückverlangen und sich dafür nochmal mit Cinderella B. verabreden wollen. „Aber er wollte sie an einem neutralen Ort treffen. Ich hatte das Gefühl, er hatte so ein bisschen Angst.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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