Fitness

Nacktverbot: Meridian kontert Vorwürfe in interner Mail

Gäste im Wellness-Bereich einer Merdian-Spa-Anlage.

Gäste im Wellness-Bereich einer Merdian-Spa-Anlage.

Foto: Meridian Spa & Fitness

Geschäftsführer bedauern Informationspolitik und werfen Teilen der Mitglieder provokante Gesten vor. Der Streit findet kein Ende.

Hamburg. Die Welle der Entrüstung über das neue Nacktverbot der Kette Meridian Spa&Fitness ebbt nicht ab. Die vom 1. Februar an geltende Textilvorschrift im Pool und weitere Regeln wie das Bedecken des „Intimbereichs mit einem Handtuch“ auf der Terrasse und im japanischen Garten führt weiter zu erhitzten Diskussionen in den sozialen Netzwerken – und im internen E-Mail-Verkehr.

Schon bei einer offenen Gesprächsrunde in der vergangenen Woche mit rund 40 Mitgliedern im Meridian Spa Eppendorf an der Quickbornstraße hagelte es scharfe Kritik an der Geschäftsleitung (wir berichteten). Die hat jetzt reagiert und eine drei Seiten lange E-Mail an Mitglieder verschickt, die zuvor ihrerseits wegen des brisanten Themas die Nobelfitnesskette angeschrieben hatten.

Geschäftsführung räumt Fehler ein

Absender der E-Mail an die Mitglieder, die dem Abendblatt vorliegt, sind der geschäftsführende Gesellschafter Leo Eckstein und Geschäftsführerin Christin Lüdemann. Zunächst wird reuig beteuert: „Die Vielzahl der Rückmeldungen und Kommentare, verbunden mit Lob und Kritik zu unserer neuen Textil-Regelung im Wellness-Bereich zeigt uns, dass sich unsere Mitglieder eng mit Meridian verbunden fühlen – das freut uns natürlich sehr. Gerade angesichts dieser Verbundenheit hätten sich viele von Ihnen aber eine andere Art der Information und Kommunikation von uns gewünscht, was wir im Nachhinein auch eindeutig als Fehler eingestehen müssen und möchten.“

Weiter heißt es in der E-Mai der Unternehmensführung, die insgesamt acht Anlagen in Hamburg, Kiel, Frankfurt und Berlin, betreut: „Der erste Flyer (Anm. d. Red.: in dem über die neuen Nacktregeln informiert wurde) hat zu viele Fragen offengelassen und war in der Art der Kommunikation zu forsch. Das haben wir so nicht gewollt und es tut uns leid, wenn wir dadurch Raum für Spekulationen eröffnet und mangelnde Wertschätzung vermittelt haben.“

Diskriminierende Sprüche werden verurteilt

Andererseits zeigen sich die Meridian-Chefs Leo Eckstein und Christin Lüdemann überrascht von dem Echo: „Natürlich können wir auch mit berechtigter Kritik umgehen. Die Heftigkeit und Tonalität der Reaktionen hinsichtlich der neuen Regelung hat uns zum Teil jedoch erschrocken. Eine Badehose gibt Anlass zu zum Teil radikalen Äußerungen, insbesondere in den digitalen Medien, aber auch vor Ort in den Anlagen.“

Eckstein und Lüdemann werfen einigen Mitglieder sogar Diskriminierung vor, wenn sie in ihrer Mail schreiben: „Mitglieder, die diese Regelung gut finden, werden massiv beschimpft und auch Mitglieder und Mitarbeiter mit anderer Nationalität zum Teil böse beleidigt.“

"Provokante Nacktheit" habe viele gestört

Weiter heißt es in dem Schreiben: „Wir verstehen durchaus die Enttäuschung bei einigen Mitgliedern und wir akzeptieren natürlich, dass es andere Ansichten gibt. Aber bei allem Respekt: Die Art und Weise, wie die Vorwürfe – von Engstirnigkeit bis Prüderie – teilweise an uns herangetragen wurden, ist für uns nicht nachvollziehbar und so möchten wir einfach nicht mit unseren Mitgliedern kommunizieren.“

Dann gehen die Verfasser der E-Mail noch auf den Vorwurf ein, „die Änderung wird jetzt für eine kleine Gruppe prüder Menschen gemacht“: „In den letzten Jahren sind sehr viele Menschen – übrigens gleichermaßen langjährige, kurzzeitige, weibliche, männliche, ältere, jüngere Mitglieder – auf uns zu gekommen, die sich aufgrund der zum Teil provokanten Nacktheit außerhalb des Saunabereichs in unserem Spa nicht mehr wohlfühlen und den Bereich deshalb nicht mehr genutzt haben. Das finden wir schade.“

Badehosen und Bikinis für fünf Euro

Zum Schluss noch eine Nachricht, die die Gewöhnung an die neuen Regeln einfacher machen soll. Mit der Einführung des Nacktverbots im Pool bietet Meridian Spa jetzt auch Bade- und Bikinihosen für fünf Euro pro Stück an.

Den Brief an die Mitglieder können Sie im Wortlaut unter diesem Link nachlesen.