Hamburg

Geplanter Bauwagenplatz in Lokstedt sorgt für mächtig Ärger

Anwohner wollen den Parkplatz neben dem Lycée Francais am Heckenrosenweg nicht aufgeben. Sie befürchten Chaos und Spannungen.

Hamburg. Die Bauwagen kommen – aber nicht alle Lokstedter freuen sich: Im Stadtteil wird aktuell per Petition gegen die Neuansiedlung eines Wohnwagenprojekts mobil gemacht. Der Plan des Bezirks Eimsbüttel sieht vor, eine Kommune mit zehn Bauwagen auf einem Parkplatz am Heckenrosenweg neben dem Lycée Francais de Hambourg heimisch werden zu lassen. Anwohner befürchten Verkehrsprobleme, unnötige Spannungen und erhöhtes Unfallsrisiko.

Neben den Wagen seien Gemeinschafts- und ein Sanitärcontainer vorgesehen. Die Anzahl der Personen ist vertraglich nicht festgelegt. Antragsteller des neuen Bauwagenplatzes ist laut Bezirksamt ein Verein. Aus Datenschutzgründen könne Sprecher Andreas Aholt keine Namen nennen. Es sei aber keine Gemeinschaft, die von einer anderen Fläche vertrieben werde. "Es handelt sich um eine Gruppe, die keinen Altstandort aufgibt, sondern sich für diesen Zweck zusammengefunden hat", sagt Aholt.

Es sei ausdrücklicher Wunsch der Gruppe gewesen, nach Lokstedt zu ziehen, so das Bezirksamt. Für die nun anvisierte Parkplatzfläche sei ein entsprechender Antrag auf Nutzungsgenehmigung eingereicht worden. Dieser wurde geprüft und mit den zuständigen Gremien genehmigt. Ein alternativer Standortvorschlag in unmittelbarer Nähe (Flurstück 4361 in Lokstedt) sei dagegen nicht genehmigungsfähig gewesen.

Anwohner fürchten Verkehrschaos

Zunächst für fünf Jahre sollen die Wohnwagen anrollen. Der Pachtvertrag zwischen dem Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen sowie der Kommune sei aber noch nicht unterschrieben. Die nicht näher bezifferten Kosten für die Erschließung (Wasser, Abwasser, Elektrizität) trage der Antragsteller. Sollte ein späteres Aufstocken der Kommune geplant werden, muss die Stadt zustimmen.

Doch schon in diesem Stadium regt sich Widerstand in der Nachbarschaft. Eine Informationsveranstaltung habe zu Hinweisen geführt, die derzeit vom Bezirksamt geprüft werden. In der Petition, die den vollständigen Erhalt des Parkplatzes zum Ziel hat, wird vor allem ein Verkehrschaos befürchtet.

Es heißt unter anderem, dass die mehr als 900 Schüler des Lycée Français aus ganz Hamburg kommen, darunter 180 KIta-Kinder. Sie müssten teils bis in die Klasse begleitet werden, deshalb sei der Parkplatz unverzichtbar. Die Stellfläche am Heckenrosenweg sei für 60 Fahrzeuge ausgelegt, werde aber in den Stoßzeiten von bis zu 660 Autos benutzt. Schon jetzt sei der Platz überlastet.

Petition sagt Spannungen voraus

Die Initiatoren der Petition, die aktuell 660 Unterstützer hat, fürchten Staus am Vormittag auf der Niendorfer Straße, unnötige Spannungen zwischen Nachbarschaft, Bauwagen-Kommune und den Eltern der französischen Schule aufgrund der Verkehrssituation sowie ein erhöhtes Unfallrisiko für Kinder, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen.

Kurzum: Die Kritiker wollen, dass die Bauwagen-Kommune nicht auf einen voll genutzten Parkplatz zieht. Vielmehr gebe es in der direkten Umgebung mehrere Alternativen, auch das von der Bauwagen-Kommune selbst angefragte Grundstück. Das Bezirksamt stehe mit der Bauwagengruppe im Kontakt, um einen Kompromiss hinsichtlich einer Aufteilung der vorhandenen Parkplatzfläche zu erreichen. Ziel ist, eine Parkplatznutzung auf einer Teilfläche auch weiterhin zu ermöglichen.

Was geschieht nach fünf Jahren?

Indes weist der Bebauungsplan die Fläche als Gemeinbedarfsfläche für eine Schulnutzung aus. Diese Möglichkeit soll erhalten bleiben, heißt es aus dem Bezirksamt. Eine dauerhafte Nutzung, etwa durch Wohngebäude, sei nicht zulässig. Was nach den fünf Jahren als Bauwagenplatz geschieht, sei demnach ebenso fraglich.

Schon im Jahr 2000 wurde die Fläche für einen Bauwagenplatz ins Auge gefasst. In der Senatsantwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage von damals heißt es noch: "Nachdem sich der zunächst angedachte alternative Standort „Heckenrosenweg/Niendorfer Straße (Teilfläche des Parkplatzes)" als nicht geeignet erwies, befindet sich das Bezirksamt derzeit in Gesprächen mit den Bewohnern über alternative Unterbringungsmöglichkeiten." Seinerzeit ging es um den möglichen Umzug des Bauwagenplatzes am Paciusweg.

Ganz in der Nähe, an der Max-Brauer-Allee, kommt in diesem Jahr ebenfalls Bewegung in die Bauwagenszene. Die Brammer Fläche, Heimstatt der Zomia-Bauwagen, muss letzten Verlautbarungen zufolge bis zum Jahresende 2017 geräumt werden. Dort ist ein Wohnungsbauprojekt geplant.