Barrierefreiheit

Hamburg schließt die Lücke zwischen Zug und Bahnsteig

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Ulrich Gassdorf

Vor allem an den Stationen Landungsbrücken und Sternschanze sind die Abstände groß. Am Klosterstern wird nun eine Lamelle getestet.

Hamburg.  Die Hamburger Hochbahn will bis Anfang der 2020er-Jahre alle 91 U-Bahn-Haltestellen barrierefrei machen. Schon Ende März wird mit Abschluss der Bauarbeiten auf dem Bahnhof Buckhorn in Volksdorf die 65. Station behindertengerecht sein. Insgesamt kostet das seit 2012 laufende Programm bis zu 220 Millionen Euro.

Eine besondere Herausforderung ist der Umbau an Haltestellen wie Landungsbrücken und Sternschanze, die in einer Kurve liegen. Grund: Der Abstand zwischen der Bahnsteigkante und den U-Bahn-Zügen ist dort besonders groß. Der Spalt darf nicht größer als etwa fünf Zentimeter sein, um die Anforderungen der Barrierefreiheit zu erfüllen und Rollstuhlfahrern sowie Fahrgästen mit Kinderwagen einen sicheren Einstieg zu ermöglichen.

An der 1928 eröffneten Haltestelle Klosterstern in Harvestehude sind es sogar bis zu 17 Zentimeter. Wer hier einsteigt, hört die Ansage „Bitte beachten Sie den Abstand zwischen Bahnsteigkante und U-Bahn“. Eigentlich müsste der Bahnsteig dort abgerissen und neu gebaut werden – eine Millioneninvestition. Deshalb hat die Hochbahn am gestrigen Mittwoch ein Pilotprojekt gestartet, um die sogenannten Gapfiller zu testen.

Die Lamellen begrenzen die Lücke auf etwa fünf Zentimeter

Diese Kunststofflamelle kommt bereits in Bahnhöfen in Australien und Asien zum Einsatz und wird nun zum ersten Mal in Deutschland ausprobiert. Sie wird auf insgesamt 13 Metern Länge an beiden Bahnsteigen angebracht. Die Lamellen begrenzen die Lücke zwischen Bahnsteig und Zug auf nur noch etwa fünf Zentimeter. Sie sind exakt in dem Bereich angebracht, in dem die Bodenplatten auf dem Bahnsteig in einem Schachbrettmuster ausgelegt sind: „Damit wird gekennzeichnet, dass hier ein niveaugleicher Aus- und Einstieg möglich ist. Das Muster ist auch als Auf­kleber an den entsprechenden Türen in den U-Bahnen angebracht“, sagte Hochbahn-Projektleiter Jan Hendrik Schmidt.

„Bevor die Kunststofflamellen angebracht wurden, hatten wir drei Monate lang an beiden Gleisen Ultraschallmessungen vorgenommen, um die Breite der Lamellen festzulegen“, sagt Schmidt. Dabei seien 15.000 Fahrzeuganfahrten gemessen worden.

Der Pilotbetrieb soll bis zum 14. September laufen: „Wir testen nun, ob sich das Material bewährt. Dadurch dass die Lamellen elastisch sind, ist es kein Problem, wenn diese von den Zügen gestreift werden“, sagt Schmidt. Allerdings werden sämtliche „Berührungen“ zwischen Lamellen und Fahrzeugen durch Sensoren aufgezeichnet.

Wenn das Pilotprojekt erfolgreich verläuft, wird geprüft, ob die Lamellen auch an den „Problem-Haltestellen“ Landungsbrücken und Sternschanze eingebaut werden können.

Jeder U-Bahnhof erhält Aufzüge und höhere Bahnsteige

Es wird auch über einen möglichen Abriss und Neubau der Bahnsteige diskutiert: „Diese Optionen werden immer noch geprüft. Aber abgesehen von den hohen Kosten, müssten dann auch Streckenabschnitte der U-Bahn für viele Monate gesperrt werden“, sagte Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum dem Abendblatt.

Werden die Bahnsteige mit den Gapfillern ausgestattet, liegt die Investition pro Haltestelle laut Hochbahn „im niedrigen fünfstelligen Bereich“.

Zu dem barrierefreien Ausbau gehört auch, dass jede Haltestelle am Ende über einen Fahrstuhl, Orientierungshilfen für Sehbehinderte und eine Bahnsteigerhöhung verfügt. Außerdem, dass der Abstand zwischen U-Bahn und Bahnsteig einen problemlosen Einstieg mit dem Rollstuhl ermöglicht.

Auch die Hamburger S-Bahn setzt auf Barrierefreiheit: 44 der 56 Haltestellen im Hamburger Stadtgebiet wurden bereits entsprechend ausgebaut, das sind fast 80 Prozent. Bis zum Jahr 2021 sollen bis zu 96 Prozent der S-Bahn-Stationen in Hamburg barierefrei umgebaut sein. An den Haltestellen Blankenese und Kornweg haben die Bauarbeiten für den Einbau eines Aufzugs bereits begonnen.

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