Wirtschaft

Nach 63 Jahren in Harvestehude: Mercedes-Brammer insolvent

Die Mercedes-Vertragswerkstatt Brammer an der Rothenbaumchaussee

Die Mercedes-Vertragswerkstatt Brammer an der Rothenbaumchaussee

Foto: Brammer Mercedes

Traditionshändler an der Rothenbaumchaussee gerät in Schwierigkeiten. Nun hat die Daimler AG auch noch den Lizenzvertrag gekündigt.

Hamburg. Einer der bekanntesten Autohändler Hamburgs kämpft um seine Zukunft. Mercedes-Brammer an der Rothenbaumchaussee ist insolvent, betroffen sind 60 Mitarbeiter. Bereits seit März läuft das Insolvenzverfahren für die Vertragswerkstatt. Doch jetzt hat auch der Mutterkonzern Daimler die Geduld verloren und dem Traditionshaus die Lizenz entzogen. "Das war ein harter Schlag für uns", sagt Geschäftsführer Frank Kirstein und bestätigt damit einen Bericht der "Bild"-Zeitung. "Uns ist die Grundlage entzogen worden."

Hamburger Prominenz kaufte jahrelang beim Traditionshändler

In bester Harvestehuder Lage kauften bei Brammer jahrelang Hamburger Prominente ihre Autos oder ließen sie dort reparieren. Axel Springer etwa hat einen Mercedes an der Rothenbaumchaussee erworben, auch HSV-Spieler waren Kunden. Doch in den vergangenen Jahren sei das Servicevolumen mehr und mehr zurückgegangen, sagt Kirstein. Das sei der Hauptgrund für die Insolvenz. "Die Autos sind technisch ausgereifter und müssen nicht mehr so oft in die Werkstatt. Zudem ist der Hamburger Markt hart umkämpft." Vier eigene Niederlassungen hat Mercedes in der Stadt.

Der Lizenzentzug von Mercedes sei in dieser Situation nun besonders schwer zu verkraften. Mercedes-Stern und Schriftzug müssen nicht nur an der Rothenbaumchaussee, sondern auch am zweiten Standort in Stellingen abgeschraubt werden. Kirstein meint, es sei eine politische Entscheidung aus Berlin gewesen. "Der Insolvenzverwalter hat versucht, Daimler von einer Vertragsverlängerung zu überzeugen. Vergebens." Bei einer Insolvenz habe der Konzern das Recht, den Vertrag zu kündigen.

Pläne für die Zukunft stehen weiterhin im Zeichen des Sterns

Kunden von Brammer müssten sich allerdings nicht umgewöhnen. Equipment und Expertise gingen nicht verloren, der Familienbetrieb in dritter Generation firmiere nun als freie Werkstatt. "Die Rückmeldungen unserer Kundschaft sind bisher auch sehr positiv. Sie wollen uns die Treue halten", sagt Kirstein. Außerdem sei er zuversichtlich, die Insolvenz übewinden zu können. "Es gibt Pläne, wie wir aus der Misere herauskommen können." Es werde daran gearbeitet, die Geschäfte in anderer Form als Mercedes-Experte fortzuführen.