Rotherbaum

Im Sommer wird hier auf der Alster wieder gerudert

Der Clubvorsitzende Dirk Wengler vor dem verhüllten Neubau des Hamburger und Germania Ruderclubs. In wenigen Wochen soll die Fassade weiß gestrichen werden

Der Clubvorsitzende Dirk Wengler vor dem verhüllten Neubau des Hamburger und Germania Ruderclubs. In wenigen Wochen soll die Fassade weiß gestrichen werden

Foto: Michael Arning / HA

Der Neubau des Hamburger und Germania Ruderclubs bietet den Sportlern mehr Komfort. Spätestens Anfang Juli soll der Betrieb starten.

Hamburg.  Noch sieht das Gebäude aus, als hätte es der Verpackungskünstler Christo verhüllt, aber in etwa drei Wochen sollen die weißen Planen am Hamburger und Germania Ruderclub entfernt werden. Dann wird der Blick frei auf den Neubau am Alsterufer 21. Während im Gebäude der Innenausbau vorangeht, soll die Fassade weiß gestrichen werden.

Dirk Wengler, der Vorsitzende des 1836 gegründeten Clubs, ist zufrieden mit dem Baufortschritt: „Es ist alles im Plan, wir werden den Neubau Ende Juni, Anfang Juli in Betrieb nehmen.“

Das markante gelb-weiße Vorgängergebäude aus dem Jahr 1901 war so marode gewesen, dass ein Abriss unumgänglich war. Das Alsterwasser, vielmehr wechselnde Pegelstände, hatten der Konstruktion zugesetzt: Die Holzpfähle, die vor mehr als 100 Jahren in die Alster gerammt worden waren, waren über die Jahre morsch geworden und hatten sich zum Teil aufgelöst. Offenkundig waren die Probleme erst geworden, als der Club einen Anbau plante. Ein Taucher hatte die Pfähle und die Gebäudekonstruktion untersucht und dabei den großflächigen Verfall fest­gestellt.

Die moderne Bauweise sieht anders aus: „Erst wurden Stahlrohre in den Boden gerammt, die dann mit Beton gefüllt wurden – wie im Hafen“, sagt Wengler und sagt dann vorsichtig: „Wir bauen hier für die nächsten 150 Jahre.“

Architektonisch ähnelt das neue Clubhaus mit 1300 Quadratmetern Nutzfläche dem vorherigen. Allerdings ist der Bau jetzt symmetrisch, „das war dem Oberbaudirektor wichtig“, sagt der Vorsitzende. Das Gebäude werde aber nicht größer oder höher als vorher. Die Fassade wird weiß, so wie es die Alster-Verordnung vorsieht – und wie sie nach Angaben von Dirk Wengler auch bis 1962 war.

Anders als früher gibt es künftig zwei Eingänge. Der Bereich der Sportler ist von dem der Gastronomie im Obergeschoss künftig getrennt. Am kommenden Wochenende wird die Brücke eingesetzt, die direkt zum Eingang der künftig von Nord-Event betriebenen Gastronomiefläche führt. Mit dem Unternehmen habe man einen Mietvertrag über zehn Jahre abgeschlossen, sagt der Vereinsvorsitzende. Ein öffentliches Lokal genehmige die Stadt weiterhin nicht, daher werde es nur private Veranstaltungen geben. Einen Teil der Gastronomie mit einer Bar will der Club auch künftig für sich nutzen. Auch die beliebten Frühstücke für die Ruderer soll es wieder geben.

„Die Infrastruktur des Clubhauses ist jetzt so, wie wir glauben, dass ein Ruderbetrieb künftig funktionieren wird“, sagt Dirk Wengler.

Man wolle den Verein, der laut eigener Aussage nach dem britischen Leander Club der zweitälteste Ruderclub der Welt und einer der größten Deutschlands ist, sportlich und wirtschaftlich stark machen. In der Bauphase haben die Clubmitglieder bei mehreren anderen Hamburger Ruderclubs Unterschlupf gefunden und üben ihren Sport dort aus.

Eine gravierende Änderung hat der zuvor reine Herren-Club im vergangenen Jahr beschlossen, um Fördergelder der Stadt zu bekommen: die Aufnahme weiblicher Mitglieder. Das habe die Diskussion angeregt, sagt Wengler und scheint völlig einverstanden mit dem Beschluss: „Wir können doch nicht die Hälfte der Gesellschaft ausschließen.“ Immerhin 27 der etwa 750 Mitglieder sind inzwischen Frauen. Deren Integration sei völlig lautlos gelungen. Man müsse nicht an die Hand genommen werden, habe ihm eine Frau gesagt, erzählt Wengler, der das ebenso sieht und überzeugt ist: „Der Verein hat große Chancen bekommen durch den Umbruch.“

Entsprechend gibt es jetzt natürlich auch getrennte Sanitärbereiche für beide Geschlechter – mit einer Leichtbauwand dazwischen. Sollten es deutlich mehr weibliche Mitglieder werden, kann die Wand versetzt werden. Auch ein Behinderten-WC und eine Dusche werden eingebaut sowie ein Fahrstuhl. Und das nicht nur wegen der älteren Herren, von denen es einige im Club gebe, wie Wengler lächelnd sagt. Überlegt werde etwa, eine Rudergruppe für Multiple-Sklerose-Kranke einzurichten.

Eine deutliche Verbesserung gegenüber früher wird auch der neue Kraftraum – mit vielen bodentiefen Fenstern mit Blick aufs Wasser. „Wir bieten hier zwar Rudern an, stehen aber im Wettbewerb mit Fitnessstudios und anderen Rudervereinen“, sagt Wengler. Ein moderner Raum mit Panoramablick auf die Alster ist da kein Wettbewerbsnachteil.

Neben dem großzügigen Kraftraum sind vier Bootshallen untergebracht. Über ein Treppenhaus ist der Sportbereich mit der oberen Etage verbunden. Im Aufgang wird auch das alte Wappen einen neuen Platz finden. Ein Mitglied hat das über 100 Jahre alte Bauteil gerettet. Andere Devotionalien des Clubs sollen in Vitrinen im Gastrobereich, der ebenfalls mit bodentiefen Fensterfronten punktet, gezeigt werden.

Der Vereinschef ist optimistisch, dass man die veranschlagten Baukosten von vier Millionen einhalten werde. „Wir haben gerade Kassensturz gemacht, und es bleibt dabei.“