Hoheluftbrücke

Junge, der vor U-Bahn gestoßen wurde, lernt wieder laufen

Am Bahnhof Hoheluftbrücke hatte Jana L. Mitte Oktober ihren Sohn vor die U-Bahn gestoßen

Am Bahnhof Hoheluftbrücke hatte Jana L. Mitte Oktober ihren Sohn vor die U-Bahn gestoßen

Foto: Michael Arning

Seine Mutter hatte ihn an der Haltestelle Hoheluftbrücke ins Gleis gestoßen. Jetzt wird der Elfjährige in der Reha intensiv betreut.

Hoheluft-West.  Der elf Jahre alte Junge, der Mitte Oktober im Bahnhof Hoheluftbrücke von seiner Mutter vor eine einfahrende U-Bahn gestoßen wurde , befindet sich weiter auf dem Weg der Genesung. Nach Abendblatt-Informationen wird das Kind nach seiner Entlassung aus dem Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in einer Rehabilitationsklinik außerhalb von Hamburg behandelt.

Am Nachmittag des 18. Oktober hatte Jana L., 31, ihren Sohn ins Gleisbett gestoßen, der Junge wurde von der U-Bahn überrollt, sein linker Fuß abgetrennt. Was die Mutter zu der Tat getrieben hat, ist weiter unklar. In einer Eilentscheidung entzog das Amtsgericht in Brake (Landkreis Wesermarsch), wo der Junge bis zum Unglück bei seinen Großeltern lebte, der mutmaßlich psychisch gestörten Frau das Sorgerecht und übertrug es dem Jugendamt. Der Elfjährige soll auch nach seiner Genesung bei seinen Großeltern bleiben können. Er wird intensiv psychologisch betreut.

Seinen linken Fuß, von einem Rad der Bahn überrollt und zerquetscht, konnten die UKE-Ärzte nicht retten. Der Junge muss nun das Laufen mit einer Prothese neu erlernen. „Wenn er sich mit der Situation erst einmal arrangiert hat, wird er mit einer Prothese problemlos leben können“, sagte Detlef Sonnenberg, zweiter Vorsitzender des Bundesverbandes für Menschen mit Arm- und Beinamputationen (BMAB), dem Abendblatt.

In solchen Fällen sei es üblich, dass die Wundnarbe am Stumpf zunächst verheilen müsse und das gesunde Bein gekräftigt werde. Etwa drei Wochen nach dem Unfall erhalte der Geschädigte eine Interimsprothese, nach rund fünf bis sieben Wochen folge die endgültige, speziell angepasste und meist aus Gießharz und dem extrem stabilen Werkstoff Carbon gefertigte Bein- und Fußprothese. „In dieser Phase ist es sehr, sehr wichtig, dass das Kind einen kompetenten Gehschultherapeuten an seiner Seite hat“, sagte Sonnenberg. Mit einer modernen Fuß-Prothese könne der Junge Sport treiben, ohne große Beeinträchtigungen in Kauf nehmen zu müssen. „Fußballspielen zum Beispiel ist kein Problem“, so Sonnenberg. Selbst Humpeln oder Hinken bliebe vielen Betroffenen erspart.

Jana L., die Mutter des Elfjährigen, ist weiter in einer psychiatrischen Klinik in Hamburg untergebracht. „Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen“, sagte Carsten Rinio, Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Mutter wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. Üblicherweise werden Verdächtige, bei denen eine Schuldunfähigkeit aufgrund einer psychischen Störung im Raum steht, von einem psychiatrischen Sachverständigen begutachtet. In einem möglicherweise folgenden Sicherungsverfahren vor dem Strafgericht könnte die Staatsanwaltschaft dann die dauerhafte Unterbringung der 31-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus beantragen.