Diskriminierung

Sexistisch: Werberat rügt Hamburger Unternehmen

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Hanna-Lotte Mikuteit

Eine Tischlerei wirbt mit Frau in offener Bluse und dem Slogan „Schraube locker? Wir reparieren nicht nur!“. Nicht der einzige Fall.

Hamburg. Das beanstandete Plakat der Tischlerei Vorwerk in Hamburg-Niendorf zeigt eine lasziv posierende Frau mit offener Bluse und üppigem Dekolleté. „Schraube locker? Wir reparieren nicht nur!“ wirbt der Betrieb darunter für „Tischlerleistungen vom Fachbetrieb“.

„Sexistisch“ rügt der Werberat diese Außenwerbung jetzt öffentlich. Denn: Obwohl die Frau mit handwerklichen Accessoires wie Schutzbrille und Akkuschrauber ausgestattet sei, stehe der sexuelle Aspekt bei dem Motiv klar im Vordergrund. „Durch die ausreizende Inszenierung der Darstellerin werde sie auf ihre Sexualität reduziert. Zudem werde durch die Kombination mit dem Text „die sexuelle Verfügbarkeit des Modells suggeriert“.

Insgesamt beanstandete der Deutsche Werberat (Berlin) die Werbemittel von vier Unternehmen, die Frauen und ihre Körper online, auf Plakaten, Flyern, Autos und in Anzeigen herabwürdigend als Blickfang nutzen. Die Firmen hätten damit gegen die Branchenstandards der Werbewirtschaft verstoßen, sagte Sprecherin Anne Grote.

Der Inhaber der Tischlerei Vorwerk, Dirk Hiller, reagierte überrascht auf die öffentliche Rüge. „Für mich ist das Motiv keine Diskriminierung“, sagte er auf Anfrage des Hamburger Abendblatts. “Frauen sind im Handwerk vertreten.“ Seit 16 Jahren betreibe er seine Firma inzwischen, bislang immer ohne Werbung zu machen. „Jetzt wollte ich auf uns aufmerksam machen“, so Hiller. Er habe eine Werbeagentur beauftragt und diese habe die Kampagne entwickelt.

Auch KartonProfis.de aus Hamburg zählt zu den Gerügten. Das Unternehmen habe auf Flyern eine stark übergewichtige Frau in knapper Strandbeklaidung abgebildet, so der Werberat. Dazu der Slogan „Richtig fett sparen“.

Anders als es in einer Stellungnahme der Firma heißt, würde der Begriff „fett“ nicht nur auf die Größe des beworbenen Rabatts bezogen, sondern gleichermaßen auf die abgebildetete Frau, so der Werberat.

Ebenfalls öffentlich gerügt wurden das Unternehmen Uwe Meiners aus Niedersachen, das mit einem zur Schau gestellten nackten Frauenhintern für glatten Estrich wirbt.

Genau so, wie der Kleinunternehmer Daniel Hoffmann aus Drei Gleichen in Thüringen. Er habe Motive von Frauen in sehr knapper Bekleidung „offensichtlich rein als Blickfang“ genutzt. Sie seien offensichtlich nicht zur Ausübung seiner Dienstleistungen in „Haus, Hof & Garten“ genutzt. Zunächst habe der Kleinunternehmer zwar signalisiert, die Werbung zu entfernen, dies jedoch letztlich doch nicht getan.

Der Deutsche Werberat ist die Selbstkontrolle der Werbewirtschaft. Nach Angaben von Sprecherin Grote waren bis Mitte des Jahres bei dem Gremium 322 Beschwerden zu Werbemaßnahmen eingegangen. Davon wurden sieben letztlich öffentlich gerügt. „In vielen Fällen ändern die Firmen die Werbung oder ziehen sie zurück“, so Grote. Im Jahr 2014 gab es 1027 Beschwerden, davon wurden 377 überprüft. In 276 Fällen wurden die Unternehmen „freigesprochen“, 111 Maßnahmen wurden begutachtet. Eine Rüge bekamen letztlich 14 Unternehmen.

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