Sommerakademie

Flüchtlingskinder kicken im Fußballcamp des SV Eidelstedt

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Henrik Jacobs
Noah, Kashish, Mohammad und Josua (v. l.) verbrachten eine Woche in der Fußballsommerakademie des SV Eidelstedt

Noah, Kashish, Mohammad und Josua (v. l.) verbrachten eine Woche in der Fußballsommerakademie des SV Eidelstedt

Foto: Henrik Jacobs / HA

In Kooperation mit der S-Bahn bietet der Verein 24 Kindern aus sozial benachteiligten Familien ein einwöchiges Sportprogramm an.

Hamburg. Mohammad spielt heute für den FC Barcelona. Halbfinale gegen den HSV. Am Sportplatz Redingskamp in Eidelstedt. Der neun Jahre alte Junge läuft pausenlos hinter dem Ball her. Dann schießt er das 2:0 für seine Mannschaft. Er jubelt, so wie es sein Lieblingsspieler Neymar vom FC Barcelona so häufig tut. Die Kinder durften sich eine Mannschaft aussuchen für des Abschlussturnier der Fußballsommerakademie, organisiert vom SV Eidelstedt in Zusammenarbeit mit der S-Bahn Hamburg. Es ist die zweite Auflage des gemeinnützigen Stadtteilprojekts. 24 Kinder aus sozial benachteiligten Familien haben hier eine Woche lang die Möglichkeit, mit Trainern des SV Eidelstedt Fußball zu spielen und gleichzeitig ein buntes Programm an Freizeitaktivitäten zu erleben.

Mit dabei sind in diesem Jahr auch erstmals sechs Kinder aus einer Flüchtlingsunterkunft im benachbarten Stadtteil Schnelsen. Mohammed ist einer von ihnen. Vor einem Jahr ist er mit seiner Familie aus dem Bürgerkrieg in Syrien nach Deutschland geflohen. In Hamburg hat er eine neue Heimat gefunden. Und einen neuen Sport kennengelernt. „In Syrien war ich im Schwimmverein, jetzt spiele ich Fußball“, sagt Mohammad. So schnell wie er die deutsche Sprache gelernt hat, so schnell hat er auch das Spiel verstanden. Sein Trainer Timothy, einer der ehrenamtlichen Organisatoren des Projekts, ist von Mohammad begeistert. „Wahnsinn, mit welcher Freude er dabei ist“, sagt er.

Aber auch die anderen Kinder wie die Brüder Noah, 8, und Josua, 11, aus Halstenbek toben vergnügt über den Platz. Sie alle tragen die gleiche Sportausrüstung, die ihnen die S-Bahn Hamburg spendiert hat. Auch einen eigenen Ball haben die Kinder bekommen. „Wir wollen, dass die Kinder eine unvergessliche Ferienwoche erleben, was angesichts ihrer Vergangenheit sonst nur selten möglich wäre“, sagt S-Bahn-Geschäftsführer Kay Uwe Arnecke.

Besuch im Kino und auf der Kegelbahn

Neben dem einwöchigen Fußballtraining haben die Kinder, 16 Jungen und acht Mädchen, auch andere Aktivitäten zusammen unternommen. So waren sie am Dienstag, als es den ganzen Tag regnete, auf der Kegelbahn und im Kino. Im Quickborner Beluga-Kino schauten sie den Film „Minions“. Die meiste Zeit verbrachten die kleinen Gruppen mit jeweils acht Kindern aber auf dem Sportplatz. „Wir haben bewusst kleine Gruppen geplant, weil dann jedes Kind bestmöglich zur Geltung kommt und die Trainer eine Übung auch mal individuell erklären können“, sagt Eidelstedts Fußballjugendkoordinator Sven Latza. „Es geht dabei nicht nur ums Fußballtraining, sondern auch um die Vermittlung von Gemeinschaftssinn, Teamgeist und Fair Play“, so Latza.

Der Tag der Fußballsommerakademie beginnt morgens um 9 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück im Vereinsheim. Danach geht es zur ersten Trainingseinheit. „Wir haben neben den Fußballübungen auch immer Zeiten für andere Aktivitäten eingeplant. Dann übernehmen Gasttrainer einen Teil der Gruppen. Sie spielen Floorball, lernen Selbstverteidigung oder machen koordinatives Training“, sagt SVE-Projektleiterin Bonnie Janke.

An diesem Freitag ging das Projekt zu Ende. Aber nur für dieses Jahr. Gerhard Ludwig, Kulturbeauftragter der Bahn und Mit-Initiator des Projekts, denkt bereits an die nächste Auflage im kommenden Sommer. Dann will er das Programm auf bis zu 60 Kinder ausweiten. Vor allem die Integration der Flüchtlingskinder sei ihm ein wichtiges Anliegen.

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