Einzelhandel

Eimsbütteler Zoohandlung muss nach 44 Jahren schließen

Jürgen und Angelika Tackmann müssen ihre Zoohandlung schließen

Jürgen und Angelika Tackmann müssen ihre Zoohandlung schließen

Foto: Michael Rauhe

Inhaber gehen in Ruhestand, Vermieter wollte keinen Nachfolger. Es gibt nur noch etwa zehn vergleichbare Spezialgeschäfte in der Stadt.

Hamburg.  Es blubbert an allen Ecken, Aquarien füllen den Raum, der Duft von Tiernahrung liegt in der Luft. Wer den Zoohandel Tackmann betritt, wähnt sich in einem guten alten Spezialgeschäft. Hier gibt es nicht alles zum Pauschalpreis. Hier gibt es Fachberatung für die Nische.

Schon als Zehnjähriger hat sich Jürgen Tackmann die Nase am Schaufenster der örtlichen Zoohandlung platt gedrückt. Seither hat ihn die Begeisterung für Kleintiere nicht mehr losgelassen. Im Grunde war es nur eine Frage der Zeit, bis er über das erste eigene Aquarium und die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann zu seinem eigenen Zoohandel am Eimsbüttler Sandweg fand. Bis heute ist das inhabergeführte Geschäft Anlaufstelle für Aquarianer aus ganz Norddeutschland. Sie schätzen die Beratungskompetenz und das spezielle Sortiment. Zumindest noch bis Ende September, denn dann muss der Laden nach 44 Jahren schließen. Zum Bedauern der Eigentümer. Und der Kunden.

„Es ist traurig, dass einer der letzten kleinen Zoohandel im Hamburger Westen schließen muss“, sagt Angelika Tackmann. Mit ihrem Mann verabschiedet sich die 63-Jährige in den Ruhestand. Es sei schade, dass ihr „Lebenswerk“ einfach verschwinde. Alles müsse raus, unter anderem die Aquarien mit insgesamt 12.000 Liter Wasser, etwa 1000 Fischen, darunter rare erwachsene Diskusfische, kurz: ein ganzer Fachhandel für Aquarianer.

Jürgen Tackmann: „Wir haben etwa 80 Prozent Stammkundschaft. Die müssen sich jetzt umorientieren und sind enttäuscht, dass wir schließen müssen.“ Laut Branchenbuch gibt es nur noch etwa zehn vergleichbare Spezialgeschäfte in der Stadt, der Markt wird inzwischen von Filialisten dominiert. „Als wir angefangen haben, gab es etwa 80 inhabergeführte Zoohandel.“

Enttäuschend für die Tackmanns sei aber vor allem, dass ihr Versuch, einen jüngeren Nachfolger zu etablieren, am Hausverwalter gescheitert sei. „Es gab offenkundig kein Interesse, einen Zoohandel an diesem Standort aufrecht zu halten. Wir hätten jemanden gehabt, der den Laden fachkundig weiterführen könnte“, sagt Angelika Tackmann. „Aber der Willen beim Vermieter hat gefehlt.“ Deshalb hätten sie schweren Herzens die Kündigung für ihr 230 Quadratmeter großes Geschäft eingereicht.

Der Hausverwalter, die Croneos GmbH, war trotz Anfrage zu keiner offiziellen Stellungnahme bereit. Hinter vorgehaltener Hand war aber von „ungeschicktem Verhalten“ und „überzogenen Forderungen“ seitens des Zoohändlers die Rede. Das habe ein Weiterführen des Mietverhältnisses kaum möglich gemacht. Ein Nachmieter für die Ladenfläche stehe schon in den Startlöchern. Nach Abendblatt-Informationen will sich der benachbarte Discounter vergrößern.

„Uns bleibt nichts anderes übrig, als im August den großen Ausverkauf zu beginnen“, sagt Angelika Tackmann. Nicht im Groll, aber mit Enttäuschung sagen sie dem Stadtteil Lebewohl. „Wir haben 40 Jahre ausgebildet und eine treue Kundschaft. Bei der wollen wir uns bis zum letzten Verkaufstag am 19. September verabschieden.“ (nib)